Autonomes Fahren: Uber und Autobrains erproben selbst fahrende Taxis in München

Datum01.06.2026 11:16

Quellewww.spiegel.de

TLDRUber und Autobrains starten in München ein Robotaxi-Programm mit autonomer Fahrzeuge (Stufe 4). Ziel ist der Aufbau einer Flotte, die sich in bestehende Serienfahrzeuge integrieren lässt. Dies basiert auf Autobrains' spezialisierten KI-Agenten und Nvidias Rechenplattform. München wurde aufgrund der Infrastruktur und rechtlichen Rahmenbedingungen gewählt. Das Projekt soll Personalkosten senken, bedarf aber noch behördlicher Genehmigungen.

InhaltFür Mobilitätsanbieter wie Uber birgt das autonome Fahren riesiges Einsparpotenzial bei den Personalkosten. In München will das Unternehmen nun selbst fahrende Fahrzeuge testen – zusammen mit einer israelischen KI-Firma. Welcher Schein ist für Studierende der Geisteswissenschaften der wichtigste? "Der Taxischein", heißt es in einem bekannten Witz. Schon bald könnte dieser Humor der Neunzigerjahre der Vergangenheit angehören. Nicht, weil Hochschulen meist keine Scheine mehr ausstellen, sondern Creditpunkte vergeben – sondern, weil es für eine Fahrt durch die Stadt künftig wohl bald keinen Fahrer mehr braucht. In München wollen der Fahrdienstevermittler Uber und das israelische KI-Unternehmen Autobrains diese Entwicklung gemeinsam vorantreiben. Sie starten ein Robotaxi-Programm in München und planen eine Flotte autonomer Fahrzeuge der Stufe 4 in der bayerischen Landeshauptstadt aufzubauen, wie sie auf der Technologiekonferenz GTC in Taipeh ankündigten. Fahrzeuge dieser Stufe agieren autonom in ‍festgelegten Bereichen. Bei Fahrzeugen der Stufe 4 ist keine Fahreraufmerksamkeit mehr nötig. Das Taxi kommt ohne Fahrer aus und die Passagiere können während der Fahrt schlafen, arbeiten oder Filme ansehen. Damit werden auch Fahrzeuge ohne ein klassisches Cockpit möglich, da kein Mensch eingreifen muss. Das Fahrzeug darf aber nur in einem vorher festgelegten Bereich fahren, zum Beispiel innerhalb des mittleren Rings in München oder auf bestimmten Autobahnabschnitten. Das Projekt basiert technologisch auf der Rechenplattform des Chipgiganten Nvidia. Im Zentrum der strategischen Partnerschaft steht ein grundlegender Paradigmenwechsel für die kommerzielle autonome Mobilität: der Verzicht auf maßgeschneiderte Spezialfahrzeuge. Bisherige Robotaxi-Dienste, wie etwa die Google-Tochter Waymo, setzen auf hochgradig individualisierte Fahrzeugflotten mit komplexen Sensoraufbauten auf dem Dach. Das neue Programm in München soll sich dagegen unkompliziert in bestehende Serienfahrzeuge verschiedenster Automobilhersteller wie Audi, BMW, Mercedes oder Volkswagen integrieren lassen. Für die Autobranche soll sich damit die Möglichkeit eröffnen, eigene Fahrzeugplattformen ohne immensen Entwicklungsaufwand in ein autonomes Fahrdienst-Netzwerk einzubringen. Technologisches Herzstück des Projekts ist die sogenannte "Agentic A" von Autobrains. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ende-zu-Ende-KI-Modellen, die die gesamte Fahraufgabe als ein einziges großes System verarbeiten, zerlegt der Ansatz von Autobrains den Fahrvorgang in spezialisierte, eigenständige Software-Agenten. Ein KI-Agent bewertet Vorfahrtsregeln, ein anderer achtet auf die Fußgänger, andere Agenten sind für Aufgaben wie den Spurwechsel zuständig. Ein übergeordnetes System bewertet diese Dimensionen des Verkehrsgeschehens parallel und trifft in Echtzeit verbindliche Entscheidungen. München dient für das Konsortium als Testlabor in Europa. Ausschlaggebend für die Standortwahl waren neben der dichten urbanen Infrastruktur und der Nähe zu führenden Automobilkonzernen vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren erlaubt den fahrerlosen Betrieb unter bestimmten Voraussetzungen in festgelegten Geschäftsbereichen. Der Start des kommerziellen Dienstes steht unter dem Vorbehalt der noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen. Uber testet in der Region bereits autonomes Fahren mit dem chinesischen Technologiepartner Momenta und baut nun mit dem zweiten Projekt seine Präsenz auf dem europäischen Markt für fahrerlose Mobilität aus. Das Interesse daran ist bei dem Fahrdienstleister naturgemäß groß: Wenn das Unternehmen perspektivisch auf Fahrer verzichten kann, gibt es ein riesiges Einsparpotenzial bei den Personalkosten. Bei der Ankündigung in Taipeh blieben allerdings wichtige Details noch offen. So ist unklar, welche Fahrzeugmarke zuerst eingesetzt wird und wer die Flotte betreibt. Außerdem ist weiterhin nicht klar, ob es zu Beginn des Tests noch Sicherheitsfahrer im Fahrzeug geben wird und in welchem Gebiet genau und ab wann die Testfahrten absolviert werden. In den ersten Pkw-Modellen dürfen Fahrer auf der Autobahn Filme schauen, ein neues Assistenzsystem ermöglicht es. Ob das der Durchbruch fürs autonome Fahren ist, lesen Sie in diesem Selbstversuch.