KI-Regulierung in den USA: Trump und der Papst haben KI-Sorgen. Die sind nur grundverschieden

Datum01.06.2026 09:42

Quellewww.zeit.de

TLDRUS-Präsident Trump verschob seine KI-Exekutivverordnung aus Sorge um Chinas Vorsprung. Papst Leo XIV. mahnt in seiner Enzyklika, KI müsse dem Menschen und der Würde der Arbeit dienen, und warnt vor anthropologischem Rückschritt. Kaliforniens Gouverneur Newsom prüft Arbeitnehmerschutzmaßnahmen wie Umschulungen und ein Grundeinkommen. Googles neuer KI-Fitnesscoach Fitbit Air wird als solides Produkt für den Massenmarkt bewertet, kann aber eine Konkurrenzband nicht vollends übertreffen.

InhaltLeo XIV. mahnt vor einem Rückschritt durch KI. Kaliforniens Gouverneur prüft Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer. Und: So gut ist Googles KI-Fitnesscoach. Der KI-Newsletter Sie lesen den KI-Newsletter "Natürlich intelligent" vom 28. Mai 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an. So schnell kann es gehen: US-Präsident Donald Trump hat seine Executive Order zur Kontrolle von künstlicher Intelligenz (KI) wenige Stunden vor der Unterzeichnung verschoben, weil ihm "bestimmte Aspekte" nicht gefallen hätten, wie er Journalisten erklärte. "Wir liegen vor China, wir liegen vor allen anderen", sagte Trump. Er werde nichts tun, was diesen Vorsprung gefährden könne. Ich bin mir nicht sicher, ob die Regierung damit so gut beraten ist. Das Wettrüsten mit China so viel wichtiger zu nehmen als die KI-Kritik in der eigenen Bevölkerung, die derzeit immer lauter wird, könnte sich noch als riskante Strategie erweisen. Papst Leo XIV. hat seine lang erwartete erste Enzyklika veröffentlicht (für alle, die nicht fließend katholisch sprechen: Das ist eine Art kirchliches Lehrschreiben). Darin formuliert der Papst seine christliche-sozialethische Antwort auf den Digitalkapitalismus des 21. Jahrhunderts. Es sei eine kirchliche Vision und Warnung für das angebrochene KI-Zeitalter, schreibt mein Kollege Titus Blome in seiner Analyse – und ein Plädoyer für einen christlichen Humanismus und den Wert menschlicher Fehlbarkeit. Künstliche Intelligenz lehnt der Papst darin nicht ab, sie dürfe aber nicht nur wenigen privaten Akteuren dienen, sondern müsse den Menschen, der Wahrheit und der Würde der Arbeit zugutekommen. Insofern ruft uns Leo XIV. auch in Erinnerung, was Arbeit den Menschen bedeutet. Dass sie eben kein reiner Produktionsfaktor ist, sondern vielmehr ein der menschlichen Natur eingeschriebenes Bedürfnis nach Entwicklung und Erfüllung. In einer Gesellschaft, die nur einem kleinen Teil der Bevölkerung Arbeit garantiert, stünden wir "vor einem Paradoxon aus materiellem Fortschritt und anthropologischem Rückschritt", warnt der Papst. In dieser Hinsicht ist die Enzyklika nicht nur eine Ermahnung, sondern auch eine Ermutigung. Dazu nämlich, als Gesellschaft nicht in einer Wartestellung zu verharren, bis Arbeitsplätze verschwinden, sondern frühzeitig Antworten zu entwickeln auf die sozialen Verteilungsfragen, die KI aufwirft. Was der Papst fordert, damit macht der US-Demokrat Gavin Newsom längst Wahlkampf – ausgerechnet als Gouverneur in Kalifornien, also in der Herzkammer des US-KI-Booms. Newsom lässt prüfen, wie Arbeitnehmer besser vor den KI-Folgen am Arbeitsmarkt geschützt werden können. Eine Möglichkeit wäre der Ausbau staatlich subventionierter Beschäftigungsprogramme. Umfangreiche Umschulungen für Büroangestellte sowie ein Grundeinkommen, das allen Einwohnerinnen und Einwohnern Beteiligungen an Vermögenswerten wie Unternehmensaktien ermöglicht, bringt Newsom ebenso ins Spiel. Die klassische Arbeitslosenversicherung werde angesichts der KI-Folgen für den Arbeitsmarkt nicht ausreichen, sagt der Demokrat. "Dieser Moment verlangt, dass wir das gesamte System neu entwerfen, wie wir arbeiten, wie wir regieren, wie wir Menschen auf die Zukunft vorbereiten", heißt es auf der Internetseite des Gouverneurs. Und er wünscht sich, dass alle – Behörden, Fachleute, Unternehmen – an Antworten und Ideen mitarbeiten sollen. Ob das, was man dort erarbeitet, tatsächlich einmal Realpolitik wird – das ist natürlich unklar, weil: bezahlt werden müsste es ja zum Beispiel auch noch. Immerhin aber traut sich Newsom diese unbequemen Fragen, die KI aufwirft, zu adressieren. Darum hat sich zum Beispiel die deutsche Politik lange gewunden. Inzwischen hat sich das geändert. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte Ende März, "dass ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Teil der Lösung werden kann, um die Umwälzungen am Arbeitsmarkt aufzufangen". Aber ausreichen werde das nicht, betonte Wildberger, weil es keine sinnstiftende Tätigkeit ersetze. Womit wir möglicherweise wieder bei Newsoms Beschäftigungsprogrammen wären. Können Sie sich vorstellen, einen KI-Fitnesscoach um Ihr Handgelenk zu tragen, der Sie täglich motiviert oder bremst? Mein Kollege Henrik Oerding hat das gut eine Woche lang ausprobiert, und zwar mit dem Fitbit Air von Google, das es seit dieser Woche zu kaufen gibt. Das schlichte Stoffband ohne Bildschirm gibt es für 100 Euro. Den KI-Coach, hinter dem sich Googles künstliche Intelligenz Gemini verbirgt, gibt es im Premiumabo Google Health für monatlich zehn Euro, mit ihm kann man sich über eine App auf Android- oder iOS-Geräten austauschen. Nach dem Einrichten empfahl der KI-Coach Henrik direkt ein erstes Kennenlerngespräch, um ihm einen Trainingsplan zu entwerfen, der sich seiner Leistung entsprechend anpasste. Mit dem Coach konnte er sich über Trainingsroutinen austauschen, außerdem lieferte er ausformulierte Analysen zu seinen Belastungs- und Regenerationsphasen. Was ich angenehm zurückgelehnt fand: Einmal riet der KI-Coach Henrik, sich nach einer kurzen Nacht zu erholen und nur einen kurzen Spaziergang zu machen. Natürlich, nicht alles klappte, seinen Schlaf konnte das Band zum Beispiel nicht immer fehlerfrei tracken, aber grundsätzlich war Henrik zufrieden. Das Fitbit Air sei ein solides Produkt für den Massenmarkt, schreibt Henrik. Dem Whoop-Band die Show stehlen, werde es aber nicht.