25 Millionen Euro Kosten: Travemündes Wahrzeichen «Passat» steht vor Großsanierung

Datum01.06.2026 04:30

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Viermastbark "Passat", ein Wahrzeichen Travemündes, benötigt eine dringend notwendige Generalsanierung. Die Kosten werden auf 25 Millionen Euro geschätzt. Die Hansestadt Lübeck setzt zur Finanzierung vollständig auf Spenden und Fördermittel, da städtische Haushaltsmittel nicht zur Verfügung stehen. Ziel ist es, das Schiff zu modernisieren, barrierefreier zu gestalten und langfristig durch Energieeffizienz selbsttragend zu machen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „25 Millionen Euro Kosten“. Lesen Sie jetzt „Travemündes Wahrzeichen "Passat" steht vor Großsanierung“. Wer genau hinschaut, erkennt die Rostschäden am Rumpf der berühmten Viermastbark "Passat". Der 1911 in Hamburg gebaute Frachtsegler braucht eine Generalsanierung. "Die Passat ist Popkultur für Travemünde", sagt der Leiter des Bereiches Schule und Sport der Hansestadt Lübeck, Hans-Joachim Friedemann. Aber: "Der Zahn der Zeit nagt sehr stark daran." Die Kosten für die Arbeiten dem schwimmenden Wahrzeichen des Seebades Travemünde beziffert die Stadt auf 25 Millionen Euro. Lübeck setzt komplett auf eine Finanzierung über Spenden und Fördermittel, eine entsprechende Spendenkampagne läuft bereits.  Es sei richtig, die Sanierung nicht mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren, sagte Friedemann. "Das gibt die Haushaltslage der Hansestadt Lübeck auch gar nicht her." Es müsse eine 100-prozentige Finanzierung durch Unterstützung von außen erfolgen. Eine Abstimmung über Steuergeld gelte es zu vermeiden. "Sonst müssen wir damit rechnen, dass die Verkehrssicherheitsfragen so groß werden, dass wir das Schiff außer Betrieb nehmen müssen." Die "Passat" gehört wie die in Hamburg liegende "Peking" zu den "Flying P-Linern" aus der ehemaligen Flotte der Hamburger Reederei F. Laeisz. Mit ihren 3.684 Quadratmetern Segelnfläche konnte das Schiff nach Angaben des Vereins "Rettet die Passat" 17 Knoten Fahrt machen, was einem Tempo von gut 31 Kilometern pro Stunde entspricht. Die "Passat" brachte Salpeter aus Südamerika nach Deutschland, Weizen aus Australien nach Europa und überstand neben zwei Weltkriegen auch Stürme und Eigentümerwechsel. 1951 kaufte der Lübecker Reeder Heinz Schliewen die "Passat" und die "Pamir" und ließ die Schiffe in Kiel zu frachttragenden Segelschulschiffen für die Handelsmarine umbauen. Als die Reederei 1953 in Konkurs ging, übernahm die von 40 deutschen Reedern gegründete "Stiftung Pamir und Passat" beide Schiffe. Wenige Wochen nach dem Untergang der "Pamir" im September 1957, bei dem 80 Seeleute den Tod fanden, wurde die "Passat" außer Dienst gestellt. Lübeck kaufte das Schiff für umgerechnet rund 161.000 Euro und rettete es vor der Verschrottung. Seit 1960 liegt es dauerhaft in Travemünde. Seit 1966 ist die "Passat" öffentlich zugänglich und steht seit 1978 unter Denkmalschutz. "Es ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung aufgrund seiner überregionalen Geschichte als Frachtsegler, danach als Schulsegelausbildungsschiff und eben auch als deutsch-französisches Jugendwerksschiff", sagt Dirk Rieger. "Das hat einfach eine überregionale Bedeutung und steht deswegen auf der Liste der national wertvollen Kulturdenkmale der Bundesrepublik Deutschland." Rieger ist Bereichsleiter Archäologie und Denkmalpflege der Hansestadt. Der Verein "Rettet die Passat" hat es sich zur Aufgabe gemacht, das maritime Kulturdenkmal zu bewahren und zu erhalten. Dafür habe der Verein in den vergangenen 15 Jahren etwa 500.000 Euro eingesetzt, berichtet eine Sprecherin. "Eine Mammutaufgabe der Gesamtsanierung des historischen Großseglers im Umfang von derzeit bekannten 25 Millionen Euro kann nur gemeinschaftlich mit dem Schiffseigner, der Hansestadt Lübeck, gelingen." Mit vielen Aktionen wie beispielsweise einem Stand beim Hansekulturfestival in Lübeck (5. bis 7. Juni) mache der Verein die Menschen auf die dringend notwendige Sanierung des Schiffes aufmerksam. Neben Anpassungen am Brand- und Klimaschutz will die Stadt mit der Sanierung auch etwas für die Barrierefreiheit tun. "Es geht nicht um eine reine Reparatur, sondern auch um eine Modernisierung", sagt Friedemann. Das Museumsschiff verdient nach wie vor Geld. Jedes Jahr besuchen es 35.000 Menschen. Außerdem gibt es pro Jahr rund 5.000 Übernachtungen, darunter auch Schulklassen in historischen Kojen. Zudem finden etwa 80 Veranstaltungen statt wie beispielsweise Firmenfeiern. Das damit eingenommene Geld deckt einen Großteil der Betriebskosten, aber eben nicht alles. Je nach Winter betrage das Minus bislang etwa 80.000 Euro, sagt Friedemann. "Der größte Kostenfaktor ist die Energieversorgung." Im Zuge der Sanierung sei auch die Umstellung auf eine Wärmepumpe geplant. Dadurch trage sich das Schiff künftig selbst. Zuletzt war das Schiff vor fast 30 Jahren noch in Lübeck saniert worden. Kommt das Geld zusammen, könnte es im Herbst kommenden Jahres losgehen. Das Schiff schwimme, aber von Seetüchtigkeit könne keine Rede sein, sagt Friedemann. "Das Schiff wird geschleppt." Im Mai testeten Experten mit einem sogenannten Krängungstest, wie weit das Schiff in Seitenlage geraten dürfe. "Die Auswertung und Analyse der maßgeblichen Indikatoren haben eine erstaunlich stabile, ausbalancierte Schiffslage selbst bei einseitiger Gewichtsauflage ergeben", sagt Friedemann. Das bedeute grünes Licht für den Schleppvorgang zur Werft. Friedemann hofft auf eine Sanierung auf einer Werft im Ostseeraum, wohin das Schiff dann geschleppt würde. "Beispielsweise würde Stralsund infrage kommen." Dann fiele die Saison 2027/28 aus, im Sommer 2028 könnte die "Passat" wieder in Travemünde liegen. © dpa-infocom, dpa:260601-930-155505/1