Datum31.05.2026 21:49
Quellewww.spiegel.de
TLDRBürgermeister Zohran Mamdani hat seine Teilnahme an der Israel Day Parade abgesagt, um gegen Israels Gaza-Politik zu protestieren. Er ist der erste Bürgermeister seit Jahrzehnten, der diese traditionelle Veranstaltung boykottiert. Mamdani, ein progressiver Demokrat, kritisiert Israels Vorgehen als Verletzung der palästinensischen Rechte. Seine Entscheidung löste Kritik von israelischen Vertretern und anderen Politikern aus, die ihm vorwerfen, die jüdische Gemeinschaft zu verprellen. Die Parade, die seit 1964 stattfindet, feiert Israel als Heimat des jüdischen Volkes.
InhaltAus Protest gegen die Gaza-Politik nimmt Zohran Mamdani nicht an der Israel-Day-Parade teil. Er ist der erste New Yorker Bürgermeister seit Jahrzehnten, der das alljährlich stattfindende Volksfest boykottiert. Er ist seit Jahrzehnten der erste Bürgermeister der als ewig toleranter Schmelztiegel der Kulturen bekannten Metropole, der die Israel Day Parade boykottiert. Vielleicht ist er sogar der allererste, der an dem fröhlichen Marsch der jüdischen Community durch Teile von Manhattan nicht teilnimmt. Aber Zohran Mamdani, seit wenigen Monaten neuer Bürgermeister der Millionenstadt an der US-Ostküste, hat sich früh entschieden, ein Zeichen zu setzen. "Ich habe bereits im Wahlkampf gesagt, dass ich nicht an der Parade teilnehmen werde. Und ich habe meine Ansichten über die israelische Regierung sehr deutlich gemacht", hatte der 34-jährige Sohn der indischen Filmemacherin Mira Nair, der als progressiver Hoffnungsträger der Demokratischen Partei in den USA gilt, bereits am Donnerstag bei einer Pressekonferenz gesagt. Kritik muss er sich dennoch gefallen lassen: Der Bürgermeister habe sich dafür entschieden, "Zehntausenden Juden sowie Unterstützern Israels den Rücken zu kehren", teilte der israelische Uno-Botschafter, Danny Danon, in New York mit. Naftali Bennett Tausende zogen ab Mittag mit israelischen Flaggen, blau-weißen Luftballons und T-Shirts mit der Aufschrift "I love Israel" durch die Straßen Manhattans entlang der Fifth Avenue. New York City ist Heimat von rund einer Million jüdischen Einwohnern und verfügt damit über die größte jüdische Stadtbevölkerung der Welt außerhalb Israels. Die Parade mit dem offiziellen Namen "Israel Day on Fifth" wird seit 1964 in der Regel alljährlich abgehalten. Der ehemalige israelische Ministerpräsident Naftali Bennett nannte die Entscheidung Mamdanis in einem Post im Social-Media-Dienst X "feige". "Führung bedeutet, für alle New Yorker da zu sein, einschließlich der Juden, die diese Stadt ihr Zuhause nennen." Die Parade feiere nicht die israelische Regierung, sondern Israel als die "Heimat des jüdischen Volkes, der einzige jüdische Staat der Welt, und eine Quelle des Stolzes, der Zuflucht und des Zugehörigkeitsgefühls für Millionen von Juden", schrieb Bennett weiter. Mamdani, selbst muslimischen Glaubens, zählt zu den prominentesten propalästinensischen Politikern in den USA. Er wirft Israel vor, die Rechte der Palästinenser systematisch zu verletzen, spricht von Apartheid und bezeichnet das Vorgehen Israels im Gazastreifen als "Genozid". Den Angriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 verurteilte er als "entsetzliches Kriegsverbrechen" und sagte wiederholt, er setze sich für gleiche Rechte von Israelis und Palästinensern ein. Unter Verweis auf die aktuelle politische Situation im Nahen Osten und einen angestiegenen Antisemitismus hatte die Polizeikommissarin von New York City, Jessica Tisch, die bisher wohl größte Polizeipräsenz in der Geschichte der Veranstaltung angekündigt. Tisch, die Jüdin ist und sich seit Langem für Israel einsetzt, hatte die Parade aber zugleich auch als "einen der fröhlichsten Tage des Jahres" bezeichnet. Sie selbst wolle als Vertreterin der Stadtregierung an der Parade teilnehmen, hatte sie bei der Pressekonferenz am Donnerstag gesagt. "Es ist die Entscheidung des Bürgermeisters, nicht dabei zu sein, und es ist meine Entscheidung, stolz mitzulaufen." Mamdani lässt mit seiner Entscheidung eine Chance außer Acht, versöhnend in Zeiten der tiefen Spaltung zu wirken. Laut einer Studie, aus der die "New York Times" zitiert, äußerten sich mittlerweile 60 Prozent der Amerikaner, darunter 80 Prozent der Demokraten sowie der demokratisch orientierten unabhängigen Wähler negativ über Israel, zugleich ist in den USA, wie auch in weiten Teilen Europas, ein Anstieg von Antisemitismus zu verzeichnen. Mehrere mit dem Bürgermeister verbündete progressive Gruppen, darunter "Jews for Racial and Economic Justice", "Israelis For Peace" und die New Yorker Sektion der multiethnischen israelischen Gruppe "Standing Together", wollten laut "New York Times" ebenfalls nicht an der Parade teilnehmen. Mehrere politische Kandidaten, die den Democratic Socialists of America nahestehen, einer Organisation, der auch Mamdani angehört, hatten sich dem Boykott des Bürgermeisters angeschlossen. Brad Lander, ein jüdischer Kritiker Israels und führender Verbündeter Mamdanis, der bei den Vorwahlen der Demokraten für den Kongress kandidiert, wollte stattdessen mit einer progressiven jüdischen Gruppe in Manhattan Wahlkampf betreiben, sagte seine Sprecherin laut "New York Times". Die Zeitung zitiert Jonathan Greenblatt, den Geschäftsführer der amerikanischen Anti-Defamation League, der Mamdani bereits vor seiner Wahl zum Bürgermeister für seine Haltung gegenüber Israel und den Juden kritisiert hatte. Greenblatt warf ihm vor, "der erste Bürgermeister seit mehr als 60 Jahren zu sein, der der weltweit größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels und den Freunden der jüdischen Gemeinde den Rücken kehrt". Die Parade sei "ein Fest der jüdischen Identität, des Stolzes und der Gemeinschaft", nicht ein Fest der Regierung von Benjamin Netanyahu.