Datum31.05.2026 16:39
Quellewww.zeit.de
TLDRKolumbien wählt einen neuen Präsidenten in einer richtungsweisenden Wahl. Angesichts zunehmender Gewalt buhlen hauptsächlich linke und rechte Kandidaten um die Nachfolge von Gustavo Petro. Wahrscheinlich ist eine Stichwahl zwischen dem Linksabgeordneten Iván Cepeda, der Petros Politik fortsetzen will, und dem rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella, der ein hartes Vorgehen gegen Kriminalität fordert. Auch die rechte Senatorin Paloma Valencia hat Chancen.
InhaltBei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien kämpfen vor allem drei Kandidaten um den Einzug in die Stichwahl. Amtsinhaber Gustavo Petro darf nicht mehr antreten. In Kolumbien haben die Menschen bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl abgestimmt. Der Urnengang gilt als Richtungswahl: Die Bürger in dem südamerikanischen Land waren aufgerufen, sich inmitten zunehmender Gewalt zwischen einen linken Kandidaten und dessen rechtsgerichteten Rivalen zu entscheiden. Etwa 41 Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer sind wahlberechtigt. Erste verlässliche Ergebnisse werden gegen 20 Uhr Ortszeit (3 Uhr MEZ) erwartet. Für einen Sieg ist mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen notwendig. Es treten 14 Kandidatinnen und Kandidaten an. Eine Stichwahl in drei Wochen zwischen dem linken Senator Iván Cepeda und dem rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella gilt als wahrscheinlich. Cepeda erzielte zuletzt in Umfragen hohe Zustimmungswerte. De la Espriella liegt demnach knapp vor der zweiten rechten Kandidatin, der Senatorin Paloma Valencia. Cepeda will den Kurs des scheidenden Amtsinhabers Gustavo Petro fortsetzen, des ersten linken Präsidenten in der Geschichte Kolumbiens. Petro darf laut der Verfassung nicht erneut antreten. Überschattet wird die Wahl von einem deutlichen Anstieg der Gewalt. Während Petros vierjähriger Amtszeit sank die Arbeitslosigkeit, der Mindestlohn stieg um 75 Prozent. Doch trotz Verhandlungen der Regierung mit den Guerilla- und paramilitärischen Gruppen des Landes verschlechterte sich die Sicherheitslage deutlich. Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind. Cepeda, Sohn eines ermordeten kommunistischen Politikers, verspricht Friedensverhandlungen mit illegalen bewaffneten Gruppen – eine Politik, die unter dem amtierenden Präsidenten Gustavo Petro bislang kaum Fortschritte verzeichnet hat. Zudem plant er Reformen zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheit, darunter Steuererhöhungen für Spitzenverdiener, die Übergabe von einer Million Hektar Land an Opfer des jahrzehntelangen innerstaatlichen Konflikts sowie den Ausbau der Gesundheitsversorgung. Der 47-jährige Anwalt und Geschäftsmann Abelardo De La Espriella liegt in den Umfragen dicht hinter Cepeda. Er bekleidete noch nie ein politisches Amt. De La Espriella präsentiert sich als politischer Außenseiter und fordert ein hartes Vorgehen gegen bewaffnete Banden sowie den Bau von zehn neuen Gefängnissen. Er warnt vor einer Fortsetzung der umstrittenen Wirtschaftspolitik Petros unter Cepeda, wie etwa einem Verbot neuer Ölprojekte. Den dritten Platz in den Umfragen belegt Paloma Valencia. Die Senatorin wird vom ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe unterstützt und gilt als führende Kandidatin des rechten Lagers. Ihr Programm ähnelt in Teilen dem von De La Espriella und sieht ein hartes Vorgehen gegen Korruption, Drogenhandel und bewaffnete Gruppen vor. Sie befürwortet zudem Steuersenkungen für Unternehmen, um Arbeitsplätze zu schaffen, sowie Sozialprogramme, die durch eine Wiederaufnahme der Öl- und Gasexploration finanziert werden sollen.