Datum31.05.2026 14:48
Quellewww.spiegel.de
TLDRAustralien leidet unter einer schweren Mäuseplage, die Landwirte seit Monaten bedrängt. Extrem hohe Mäusedichten verwüsten Felder und Ernten. Die Behörden haben nun eine Notfallgenehmigung für einen stärkeren, sonst verbotenen Giftköder erteilt, der Zehntausende Mäuse töten soll. Ursachen der Plage scheinen eine Rekordernte im Vorjahr und anschließender Regen zu sein, die den Mäusen reichlich Nahrung boten. Landwirte hoffen auf schnelle Linderung der finanziellen und psychischen Belastung.
InhaltAustraliens Landwirte werden seit Monaten von einer massiven Mäuseplage heimgesucht. Nun hat ihnen die Pestizid-Aufsichtsbehörde eine ersehnte Notfallgenehmigung erteilt – die für Zehntausende tote Mäuse sorgen dürfte. Eine massive Mäuseplage macht Australiens Landwirten zu schaffen. Nächtliche Aufnahmen zeigen mindestens Hunderte, eher Tausende Tiere. Farmer klagen seit Wochen über verwüstete Felder und das aufwändige, aber oft erfolglose Auslegen teurer Köder. Manche sagen, dass die diesjährige Plage bereits schlimmer sei als jene 2021. Damals wüteten die Nager vor allem im Bundesstaat New South Wales. Nun aber sind bereits seit März sowohl Landwirte in Westaustralien betroffen als auch Farmer im Süden des Landes. Die 5500 Hektar große Farm von Belinda Eastough liegt im westaustralischen Nolba. Die Region ist eines der am stärksten betroffenen Gebiete. Hier baut die Landwirtin seit fast 40 Jahren Weizen, Raps und Lupinen an. Eastough schätzt laut einem BBC-Bericht , dass auf ihren Rapsfeldern derzeit etwa 8000 bis 10.000 Mäuse pro Hektar leben. Untersuchungen von Fachleuten kamen bereits Anfang April auf ähnlich hohe Zahlen. Schon ab 200 Mäusen je Hektar entstünden massive Schäden. Und von einer Plage spricht Australiens Forschungsbehörde CSIRO ab 800 Mäusen je Hektar. Die aktuelle Mäuseplage übertrifft den Schwellenwert also um ein Vielfaches. Und so drängen sich teils mehrere Tausende Tiere auf einer Fläche, die gerade mal so groß ist wie anderthalb Fußballfelder. "Ich erlebe einen Albtraum", sagte Landwirtin Eastough. Die Mäuse untertunneln nicht nur die Felder. Vor allem buddeln sie die Aussaat wieder aus und verzehren sie, sodass ohne erneute Aussaat viele Äcker leer stehen würden. Doch auch Wiederanpflanzungen würden vernichtet: Köder mussten mehrfach und über Stunden in größerer Menge als sonst ausgelegt werden, nicht immer funktionierte der Schutz. "Das sind große Kosten, aber es ist mehr als nur das Geld für die Köder", sagte Geoff Cosgrove der BBC. Der Farmer bewirtschaftet im westaustralischen Mingenew 14.000 Hektar, auf denen Weizen, Raps, Lupinen und Gerste angebaut werden. Die Mäuse bleiben nicht nur auf dem Feld, sondern dringen auch in die Häuser ein. Das setze ihm auch psychisch zu, so Cosgrove. "Nachts trippeln sie durch die Decke, die Klimaanlage. Ich kann sie hören und riechen – es stinkt wie ein verwesender Körper." Die Landwirte drängen schon seit Monaten auf Hilfe. Doch erst vor wenigen Tagen ist die zuständige australische Behörde der Forderung vieler Farmer nachgekommen und hat eine Notfallgenehmigung erteilt: Nun darf ein sonst verbotener, stärker konzentrierter Mäuseköder hergestellt und unter Auflagen an einzelne Landwirte ausgegeben werden. Der Köder namens ZP50 enthält mit 50 Gramm je Kilo doppelt so viel giftiges Zinkphosphid wie gewöhnliche Köder, die zumeist ebenfalls aus sterilisierten Samen bestehen und mit dem Wirkstoff versetzt werden. Nur ein einziges dieser Giftkörner soll eine Maus bereits töten können. Mäuse pflanzen sich bereits ab dem Alter von sechs Wochen fort und können laut dem CSIRO-Forscher Steve Henry etwa alle drei Wochen sechs bis zehn Junge bekommen. Zumal sie meist binnen weniger Tagen wieder trächtig würden. "Während sie also den ersten Wurf aufziehen, tragen sie bereits den zweiten aus", so Henry. Die genauen Ursachen dafür, dass sich die Mäuse ausgerechnet in diesem Jahr besonders massiv vermehren, sind nicht abschließend geklärt. Aber Landwirtin Eastough hat eine schlüssige Erklärung. Der BBC sagte sie: "Vergangenes Jahr hatten wir eine Rekordernte, die hat den Mäusen reichlich Nahrung gegeben." Was bei der Ernte aufs Feld fällt, ist für die Tiere eine gute und leicht zugängliche Nahrungsquelle. "Dann bekamen wir etwas Sommerregen, der das Wachstum junger grüner Triebe förderte", so Eastough. Also noch mehr Nahrung für die Nager. Die Landwirtin spricht vom "Mäusehimmel": Anders als bei Plagen in den Vorjahren sei die Zahl der schädlichen Tiere nicht nach einiger Zeit eingebrochen – weil ihnen das Futter anders als zuvor nicht ausging. Eastough und die anderen australischen Landwirte hoffen nun, dass die stärkeren Mäuseköder zu schnellen Erfolgen führen. Und somit möglichst viele Felder und Ernten noch dem Nagerbefall entkommen und die finanziellen und psychischen Belastungen der Bauern nicht noch weiter wachsen.