Datum31.05.2026 13:12
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie ukrainische Tennisspielerin Olijnykowa kritisiert die russische Gegnerin Schnaider bei den French Open wegen ihrer Verbindungen zum von Gazprom geförderten Event und Likes für russische Propagandisten. Olijnykowa betont die menschliche Verantwortung im Sport angesichts des Ukrainekriegs, während Schnaider sich auf Tennis konzentriert und zukünftige Likes vermeiden will. Beide Spielerinnen stehen im Schatten des russischen Angriffskriegs.
InhaltBei den French Open trat Oleksandra Olijnykowa aus der Ukraine gegen Diana Schnaider aus Russland an. Vor und nach dem Spiel aber ging es um den russischen Angriffskrieg. Olijnykowa appellierte an die Menschlichkeit. Bereits vor dem Duell gab es deutliche Kritik an ihrer russischen Gegnerin, und auch nach dem Spiel ging es emotional weiter: Die ukrainische Tennisspielerin Oleksandra Olijnykowa hat im Anschluss an das Drittrundenduell bei den French Open gegen Diana Schnaider ihre Vorwürfe erneuert – ohne sie namentlich zu nennen. "Ich weiß, dass manche es vorziehen würden, wenn ich schweige. Aber bei dem, was ich tue, geht es nicht um Politik, sondern um Menschlichkeit", sagte Olijnykowa nach der Niederlage (5:7, 1:6) gegen Schnaider am Samstag in Paris. Olijnykowa hatte Schnaider vor dem Duell vorgeworfen, bei einer vom russischen Staatskonzern Gazprom gesponserten Veranstaltung gespielt zu haben. Zudem setze sie in den Sozialen Medien ihre Likes auch unter Beiträge russischer Propagandisten. Gazprom sei ein Unternehmen, "das Kriegsverbrechen finanziert", hatte die 25-Jährige gesagt und dabei Vergleiche zu Nazi-Deutschland und dem Holocaust gezogen. Nun legte die Ukrainerin noch einmal nach: "Wenn Menschen getötet werden, wenn Kinder sterben, wenn Gewalt gerechtfertigt oder gefeiert wird, können wir nicht so tun, als würde nichts geschehen", sagte Olijnykowa. "Wir können nicht wegsehen. Wir können diejenigen nicht schützen, die solche Handlungen unterstützen." Spielerinnen wie sie würden eine "Verantwortung" tragen, "die über den Tennissport hinausgeht, denn der Sport sollte stets im Dienste der Menschlichkeit stehen", sagte Olijnykowa. Die russischen Spielerinnen und Spieler würden "einfach nicht kommunizieren" wollen. "Sie haben diese schrecklichen Ansichten. Genau das erleben wir gerade auf der Tour. Meiner Meinung nach dürfen wir das im Profisport nicht länger hinnehmen. Wenn sie nicht zuhören wollen und weiterhin diese Propaganda verbreiten, dann sollte es im Rahmen unserer Tour einen Mechanismus geben, um dem ein Ende zu setzen." Seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 treten russische und belarussische Spieler auf der Herren- und Damen-Tour ohne die Flagge ihrer Nation an – als neutrale Athleten, wie in vielen anderen Sportarten und Veranstaltungen, einschließlich der Olympischen Spiele. Sie sei "das ganze Jahr unterwegs", sagte Schnaider zu ihrer Teilnahme an dem kritisierten Event: "Ich sehe weder meine Familie noch meine Freunde, und das ist die einzige Gelegenheit, einfach ein bisschen mehr Zeit zu Hause zu verbringen." Bei Instagram werde sie nun "keine Kommentare und keine Videos mehr liken", führte die Russin auf ihrer Pressekonferenz aus: "Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, was sie da entdeckt hat. Ich bin hier nur, um Tennis zu spielen, und nicht, um über Instagram oder Video-Likes zu reden." Zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wollte sich Schnaider nicht äußern. "Wenn sie ihre Meinung sagen würde, wäre das ein riesiger Skandal", sagte Olijnykowa, die ihrer Gegnerin schon in der Vergangenheit vorgeworfen hatte, Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu unterstützen: "Wenn ich schweigen würde, wenn ich müde würde, sähe ich keinen Sinn darin, hier zu sein. Ich glaube, dass es die Aufgabe des Sports ist, Menschen zu vereinen, damit sie für die richtigen Dinge zusammenstehen."