Datum31.05.2026 10:30
Quellewww.zeit.de
TLDRUmgebindehäuser in Sachsen sind durch Leerstand und mangelnde Instandsetzung bedroht. Rund 40 Prozent der etwa 6.500 Denkmal-Häuser warten auf Sanierung. Zwar hat sich der Zustand seit den 1990ern verbessert, doch in strukturschwachen Orten ist Leerstand ein Problem. Der Verlust jedes Hauses bedeutet einen Verlust regionaler Identität. Die Stiftung Umgebindehaus spielt eine wichtige Rolle bei der Rettung dieser einzigartigen Bauweise.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Baukultur“. Lesen Sie jetzt „Umgebindehäuser in Sachsen: Viele Bauten weiter bedroht“. Umgebindehäuser in der Oberlausitz sind durch Leerstand, Umbauten und Abriss nach wie vor in großem Maße bedroht. "Der Bestand hat sich in den letzten 100 Jahren und besonders seit den 1990ern Jahren stark verringert", sagte Sachsens Landeskonservator Alf Furkert. Nach seinen Angaben warten derzeit rund 40 Prozent der regionaltypischen Bauten auf eine Instandsetzung. In Sachsen stehen rund 6.500 Umgebindehäuser auf der Denkmalliste, davon etwa 5.900 in den Landkreisen Bautzen und Görlitz. "Der Erhaltungs- und Sanierungszustand ist sehr unterschiedlich, insgesamt aber besser als noch vor 20 oder 30 Jahren", schätzte Furkert ein. Seit den 1990er Jahren seien viele Gebäude denkmalgerecht saniert worden, vor allem in touristisch oder kulturhistorisch bedeutenden Orten wie Ebersbach-Neugersdorf, Seifhennersdorf, Cunewalde und Oybin. Besonders in strukturschwächeren Orten bleibe Leerstand allerdings ein Problem, da Nachnutzungen oder Käufer oft fehlten. Gerade Gebäude in ungünstiger Lage, etwa an vielbefahrenen Straßen und in Hochwasserlagen, schreckten Interessenten meist ab. "Obwohl der kulturelle Wert der Umgebindehäuser stärker anerkannt wird als früher, fehlt es mancherorts weiterhin an Bewusstsein dafür, dass mit jedem Verlust auch ein Stück regionaler Identität verschwindet", sagte Furkert. Seit Gründung vor mehr als 20 Jahren habe die Stiftung Umgebindehaus dazu beigetragen, eine Vielzahl dieser Gebäude zu retten, zu sanieren und in Nutzung zu bringen. Vor 2004 seien im Schnitt noch um die 30 Häuser pro Jahr abgerissen worden. Der Landeskonservator hält es für erforderlich, die demnächst frei werdende Stelle in der Stiftung mit einem "profunden Kenner der Umgebindehauslandschaft" zu besetzen. Der langjährige Leiter der Geschäftsstelle, Arnd Matthes, geht Mitte dieses Jahres in den Ruhestand. Das Bauprinzip für Umgebindehäuser entstand durch eine Verbindung von Fachwerk, Blockbau und Massivbau. Die hölzerne Stützkonstruktion, das sogenannte Umgebinde, umschließt dabei bogenförmig die Blockstube. Am Wochenende konnten Interessierte beim Tag des offenen Umgebindehauses Einblicke in die europaweit einzigartige Bauweise erhalten. © dpa-infocom, dpa:260531-930-152913/1