Datum31.05.2026 09:58
Quellewww.zeit.de
TLDRDeutsche Unternehmer nehmen erstmals seit Jahren wieder offiziell am Wirtschaftsforum in St. Petersburg teil. Ziel ist es, die wirtschaftliche Brücke nach Russland zu erhalten und deutsche Vermögenswerte zu schützen, auch für die Zeit nach einem Waffenstillstand. Deutschland will den chinesischen Einfluss in Russland nicht allein wachsen lassen. Über 1.600 deutsche Unternehmen sind nach wie vor in Russland aktiv, trotz gesunkener Handelsvolumina infolge von Sanktionen.
InhaltEtwa 1.600 deutsche Unternehmen sind weiterhin in Russland aktiv. Erstmals seit Jahren sind einige von ihnen wieder beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg vertreten. Deutsche Unternehmer treten nach Jahren der Zurückhaltung wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine erstmals wieder offiziell beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg auf. "Nicht zuletzt für den Moment nach einem Waffenstillstand wollen wir wie andere große westliche Länder die wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten und die mehr als 100 Milliarden deutscher Vermögenswerte in Russland schützen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, der Nachrichtenagentur dpa. US-amerikanische und französische Vertreter waren bereits seit letztem Jahr mit einem Business-Dialog präsent. Schlepp zufolge solle der Westen "Russland, seinen großen Markt und seine Rohstoffe nicht auf Dauer Asien überlassen". Allein chinesische Unternehmer hätten im ersten Quartal dieses Jahres 1.400 neue Unternehmen in Russland gegründet. Laut dem Programm des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) nehmen mehrere deutsche Unternehmer an dem Business-Dialog teil. Dem Programm zufolge gehören dazu unter anderem der in Russland tätige Unternehmer Stefan Dürr und der langjährige Globus-Manager Thomas Bruch. Nach Angaben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer sind etwa 1.600 deutsche Unternehmen weiterhin in Russland aktiv. Nach Berechnungen der Kammer lag ihr Umsatz im vergangenen Jahr bei etwa 20 Milliarden Euro. Zugleich ist das deutsch-russische Handelsvolumen infolge westlicher Sanktionen deutlich gesunken: Nach Angaben der Kammer fiel es 2025 auf unter zehn Milliarden Euro. Bis zum Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine war Deutschland der größte europäische Handelspartner Russlands – mit einem Volumen von 59,7 Milliarden Euro 2021. Den Höhepunkt verzeichnete diese Partnerschaft im Jahr 2012 mit einem Volumen von 80 Milliarden Euro.