Datum31.05.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDeutsche Wälder wandeln sich durch Klimawandel und Trockenheit. Nadelbäume weichen vermehrt Laubbäumen, Waldstrukturen verändern sich. Rostock wird fünf Tage lang zur "Försterhauptstadt" und Gastgeber der 72. Tagung des Deutschen Forstvereins. Rund 1.000 Experten diskutieren Lösungsansätze für klimaresilientere Wälder, darunter Waldumbau und Wassermanagement. Mehrere Baumarten leiden unter Trockenheit und Hitze, besonders ältere Bäume.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wald im Wandel“. Lesen Sie jetzt „"Kümmerer des Waldes": Rostock fünf Tage Försterhauptstadt“. Die Wälder in Deutschland und Mitteleuropa sind aus Sicht des Deutschen Forstvereins wegen des Klimawandels und der Trockenheit in einer Phase struktureller Veränderungen. "Es gibt eine Verschiebung von den Nadelbäumen hin zu Laubbäumen. Und zukünftig werden wir wahrscheinlich Wälder haben, die nicht mehr so hoch und nicht mehr so alt werden, wie wir das gewohnt waren", sagte Vereinspräsident und Forstwissenschaftler Ulrich Schraml der Deutschen Presse-Agentur. "Das Waldbild wird sich verändern." Den Waldökosystemen in Mitteleuropa machten insbesondere Trockenheit und Zeiten von Wassermangel zu schaffen. Es gebe in den Wäldern relativ hohe Bäume, die aufgrund ihrer Physiologie viel Wasser benötigen. "Und dieser Stress führt natürlich in vielen Fällen dazu, dass die Bäume dann nicht mehr so abwehrbereit sind gegenüber anderen Krankheitserregern oder gegenüber Insekten." Nadelbäume erwiesen sich als besonders anfällig, so Schraml. Auch das Artenspektrum werde sich mutmaßlich in Zukunft verändern durch natürliche Prozesse und in Teilen auch, indem man das aktiv gestalte. Das Thema Klimawandel und Folgen für den Wald ist eines der zentralen Themen, mit dem sich nächste Woche die 72. Tagung des Deutschen Forstvereins in Rostock beschäftigt, die nach exakt 100 Jahren erneut in der Hansestadt ausgerichtet wird. Dabei werden etwa 1.000 Förster und Waldexperten in der Hansestadt erwartet, die für fünf Tage deutsche "Försterhauptstadt" werde, so der 1899 in Schwerin gegründete Verein. Vom 3. bis 7. Juni stehen unter anderem 25 Seminare mit fünf Themenschwerpunkten auf dem Programm, wobei einer sich um "Wasser als Schlüsselfaktor im Klimawandel" dreht. Weitere Themenkomplexe sind "Waldbau", "Forstbetrieb", "Küste - Wälder und Menschen" sowie "Küste - Gemeinsame Waldpolitiken in Ostseeraum". Zudem sind zahlreiche Exkursionen unter anderem in die Rostocker Heide vorgesehen. "Es gibt diese große Tradition, sich nicht nur im Frontalunterricht über Waldthemen auszutauschen, sondern in die Wälder rauszugehen", betonte Schraml. Ein Drittel der Landesfläche Deutschlands (11,5 Millionen Hektar) ist nach Angaben des für den Forst zuständigen Bundesagrarministeriums mit Wald bedeckt. Die häufigsten Baumarten in den meistens gemischten Wäldern sind demnach die Nadelbäume Fichte (20,9 Prozent) und Kiefer (21,8 Prozent), gefolgt von den Laubbäumen Buche (16,6 Prozent) und Eiche (11,5 Prozent). Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) hatte erst kürzlich die neuen Daten der Waldzustandserhebung für 2025 vorgestellt. Danach machen den deutschen Wäldern gravierende Folgen von Hitze und Trockenheit weiterhin stark zu schaffen. Bei den häufigsten Arten sind nach wie vor vier von fünf Bäumen krank, wie aus den Daten für 2025 hervorgeht. Sichtbare Nadel- und Blattverluste der Baumkronen seien "weiterhin auf einem sehr hohen Niveau". In der Gesamtschau hätten sie sich im Vergleich zu 2024 nur wenig verändert. Dabei zeige sich, dass sich der Wald immer noch nicht von den Folgen der extrem trocken-heißen Sommer 2018 bis 2020 erholt habe. Überdurchschnittlich von Schäden betroffen sind demnach vor allem ältere Bäume über 60 Jahre. Rainer betonte, die Forstvereinstagung biete Praktikerinnen und Praktikern Raum für intensiven Austausch, Wissensvermittlung und neue Forschungserkenntnisse. "Hier kommen die Kümmerer des Waldes zusammen. Solche Plattformen sind unverzichtbar, um voneinander zu lernen, Herausforderungen gemeinsam zu meistern und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln", so Rainer in einem Grußwort. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Waldanteil an der Landesfläche bei 25 Prozent. Die Landesforstanstalt MV ist mit rund 193.000 Hektar Landeswald einer der bedeutendsten öffentlichen Waldbesitzer im norddeutschen Raum. Für die Anstalt des öffentlichen Rechts ist nach eigenen Angaben der Umbau hin zu klimaresilienten Dauerwäldern ein zentrales Anliegen. Dazu gehörten eine Transformation von Nadelholzmonokulturen zu stabilen, strukturreichen Mischbeständen mit stärkeren Laubbaumanteilen, insbesondere Buche, Eiche und weitere heimische Arten. Das Ziel: "Der Wald der Zukunft soll widerstandsfähiger, artenreicher und vielfältiger sein." Nach Worten von Agrarminister Till Backhaus (SPD) zwingt der Klimawandel zum konsequenten Waldumbau, zu stabileren Mischbeständen und einer Bewirtschaftung, die ökologische, ökonomische und soziale Anforderungen gleichermaßen erfülle. Der Wald bleibe aber zugleich weit mehr als ein Wirtschaftsraum: Er sei Erholungsort, Lebensraum, Klimaschützer und Motor nachhaltiger regionaler Entwicklung. Forstvereinspräsident Schraml ist sicher, dass Holz ein gefragter Rohstoff bleiben wird. Deutschland sei bei vielen Rohstoffen von Importen abhängig, bei Holz aber immer noch Exportnation. Sehr viel Schnittholz, was in Deutschland produziert werde und leider zum Teil auch Rohholz gehe momentan noch ins Ausland, so Schraml. Das spreche eigentlich dafür, dass Deutschland immer noch sehr gute Wuchsbedingungen für Holz habe. © dpa-infocom, dpa:260531-930-152258/1