Datum30.05.2026 20:40
Quellewww.zeit.de
TLDRTausende demonstrierten in Westfalen gegen den Bau neuer Gaskraftwerke, wie von Wirtschaftsministerin Reiche geplant. Laut Organisatoren stellten Aktivisten einen Weltrekord mit einem menschlichen Windrad auf. Protestierende forderten einen Kurswechsel hin zu erneuerbaren Energien und kritisierten Investitionen in fossile Infrastruktur. Die Polizei bestätigte überwiegend friedliche Proteste, obwohl es im Vorfeld Anordnungsänderungen und vereinzelte Festnahmen gab.
InhaltWirtschaftsministerin Katherina Reiche will neue Gaskraftwerke bauen. Dagegen haben Fridays for Future und andere Gruppen protestiert – überwiegend friedlich. Tausende Menschen haben am Samstag in Hamm und Werne gegen die Energiepolitik der Bundesregierung und den Bau neuer Gaskraftwerke in der Region protestiert. Etwa 2.000 von ihnen bildeten laut Organisatoren in der Nähe des Gaskraftwerks Gersteinwerk ein bewegliches Windrad und stellten damit einen Weltrekord auf. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von insgesamt 5.000 Teilnehmern an den Kundgebungen, die Polizei von 2.700. Zu den Protestaktionen hatten die Organisationen Greenpeace, Campact, Fridays for Future und BUND aufgerufen. Anlass waren die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), neue Gaskraftwerke zu bauen. Eine Polizeisprecherin sagte, die Proteste seien "überwiegend friedlich" verlaufen. Die Polizei hatte im Vorfeld Kräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammengezogen. Vor der Großdemonstration wurde die Route geändert. Die Polizei hatte die ursprünglich geplante Auftaktkundgebung vor dem Gersteinwerk in Werne-Stockum untersagt, stattdessen startete sie mehr als einen Kilometer vom Kraftwerk entfernt. Die vom Aktionsbündnis eingereichten Eilanträge scheiterten sowohl vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen als auch vor dem Oberverwaltungsgericht NRW in Münster. Die Organisatoren forderten einen sofortigen Kurswechsel in der aktuellen Energiepolitik, "weg von fossilem Gas und hin zu einer konsequenten, sozial gerechten Energiewende", wie Greenpeace mitteilte. Nach Ansicht des Bündnisses setzt Reiche "falsche energiepolitische Prioritäten": Statt den Ausbau erneuerbarer Energien entschlossen voranzutreiben, würden zentrale Fortschritte der Energiewende ausgebremst und Milliardenbeträge in klimaschädliche fossile Infrastruktur investiert. Seit mehreren Tagen gibt es in Hamm auch ein "Klimacamp", das noch bis Dienstag im Lippepark stehen soll. Die Organisation Ende Gelände berichtete am Samstagmorgen, ein Teil der Protestteilnehmer werde von der Polizei festgehalten und warf dieser vor, repressiv gegen friedlichen Protest vorzugehen. An weiteren Orten in Nordrhein-Westfalen war es bereits am Freitag zu Blockaden. Etwa 200 Aktivisten drangen auf das Gelände des Kraftwerks Scholven in Gelsenkirchen ein.