"Was liest du gerade?": "Es gibt einen Grad an Unversöhnlichkeit, wenn es um Bücher geht"

Datum15.10.2025 15:59

Quellewww.zeit.de

TLDRIris Radisch und Adam Soboczynski diskutieren im ZEIT-Literaturpodcast live von der Frankfurter Buchmesse über aktuelle Neuerscheinungen. Sie beleuchten Werke wie den Erzählband "Im Wahn der anderen" des Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai und diskutieren dessen stilistische Merkmale. Des Weiteren thematisieren sie Bettina Flitners Roman "Meine Mutter", wobei Radisch und Soboczynski unterschiedliche Meinungen zur sprachlichen Umsetzung vertreten. Als Klassiker der Episode wird Peter Handkes "Wunschloses Unglück" behandelt, das sich mit dem Suizid seiner Mutter beschäftigt.

InhaltIris Radisch und Adam Soboczynski sprechen im ZEIT-Literaturpodcast über Belletristik – diesmal tun sie es auf der Buchmesse. Sehen Sie hier die Aufnahme im Video. Im ZEIT-Literaturpodcast Was liest du gerade? besprechen Iris Radisch und Adam Soboczynski die interessantesten Neuerscheinungen – Romane, Erzählbände, Lyrik. Am ZEIT-Stand auf der Frankfurter Buchmesse präsentierten die ehemalige Literaturchefin und der aktuelle Literaturchef der ZEIT ihre Entdeckungen nun live vor Publikum. Mit Im Wahn der anderen sprechen sie über Erzählungen des frisch verkündeten Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai. Soboczynski fühlt sich an Kafka erinnert, für Radisch handelt es sich um "Bewusstseinsströme", die man früher als "Junggesellenprosa" beschrieben hätte: Literatur über Männer, die sich vollkommen in ihrer Einsamkeit eingraben. Bei Bettina Flitners Roman Meine Mutter sind sich Radisch und Soboczynski wesentlich weniger einig. Flitner erzählt in ihrem neuen Buch ihre Familiengeschichte, die sie in einem prachtvollen Sanatorium im niederschlesischen Wölfelsgrund beginnen lässt. Für Iris Radisch kippt Flitners sprachliche Kälte in die Oberflächlichkeit, für Adam Soboczynski ist sie Ausdruck analytischer Schärfe. "Es gibt immer einen bestimmten Grad an Unversöhnlichkeit, wenn es um Bücher geht", sagt Soboczynski. Auch der Klassiker dieser Folge ist ein Mutterporträt: Peter Handkes Erzählung Wunschloses Unglück von 1972, in der er den Suizid seiner Mutter literarisch verarbeitet. Der Roman sei in seinem autofiktionalen Ansatz sehr gegenwärtig, Radisch fühlte sich an das Schreiben Annie Ernaux‘ erinnert. Sehen Sie hier das Video der Podcastaufnahme mit Iris Radisch und Adam Soboczynski.