Datum30.05.2026 13:29
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Brennerautobahn nach Italien ist wegen eines Anwohnerprotests ganztägig gesperrt. Trotz Warnungen vor Verkehrschaos blieb die Lage bisher entspannt. Viele Reisende wichen aus oder verschoben ihre Fahrt. Lastwagen werden von der Polizei zurückgeschickt. Grund für die Sperrung ist eine Protestkundgebung gegen das hohe Verkehrsaufkommen, die zu einer Debatte über höhere LKW-Maut im Vergleich zur Schweiz führt.
InhaltBahn frei: Der Brenner ist dicht, doch die Lage bisher entspannt. Viele Reisende haben offenbar den Weg über die Alpen schon absolviert oder verschoben. Lastwagen schickt die Polizei derzeit zurück nach Deutschland. Der Brenner ist dicht. Doch bisher ist alles offenbar halb so schlimm, berichtet die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich auf den ADAC. Wegen eines Anwohnerprotests gegen das massive Verkehrsaufkommen auf der österreichischen Brennerautobahn ist die wichtigste Verkehrsverbindung nach Italien ganztägig gesperrt. Der ADAC und das Auswärtige Amt in Berlin hatten gewarnt, dass auf den Ausweichstrecken bis in den Sonntag hinein mit Staus zu rechnen sei. Das befürchtete Verkehrschaos blieb aber zunächst aus. Am Samstagmorgen war die Lage auf den Straßen in der Region ruhig. Auf deutscher Seite gebe es derzeit keine Staus wegen der Sperrung der Brennerautobahn, sagte ein ADAC-Sprecher am Morgen der Nachrichtenagentur AFP. Am Freitagabend hatte sich der Verkehr demnach auf der A93 Richtung Grenzübergang Kiefersfelden auf einer Strecke von bis zu 16 Kilometern gestaut, das bedeutete bis zu einer Stunde Zeitverlust. Der ADAC ist am Samstag mit mehreren Staubeobachtern auf Motorrädern vor Ort im Einsatz, um Tipps zu geben und gegebenenfalls Unterstützung zu leisten. Die Tiroler Polizei weist Lastwagen derzeit wegen der Sperrung direkt an der Grenze bei Kufstein ab und schickt sie zurück nach Deutschland. Das teilte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa mit. So soll verhindert werden, dass sich auf den Zufahrtsstrecken und Autobahnen lange Staus bilden. Staus auf der bayerischen Seite blieben aus. "Es ist recht ruhig", sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd der dpa. Vom Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) hieß es am Samstagmorgen, es gebe derzeit "überhaupt keine wesentlichen Staus", es sei "bis jetzt sehr ruhig". "Wir haben schon mit mehr gerechnet", hieß es weiter. Anscheinend hielten sich aber viele Fahrerinnen und Fahrer an die Aufforderung, am Samstag nicht über die Alpen zu fahren. Von 11 bis 19.30 Uhr dürfen Autos die normalerweise stark genutzte Alpenquerung nicht befahren. Für Lastwagen trat das Verbot bereits um 9 Uhr morgens in Kraft. Das Gebiet muss weiträumig umfahren werden. Die Brennerstraße B182, die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183) dürfen am Samstag nur Fahrer nutzen, die in der Gegend zu tun haben. Sie müssen dafür einen Nachweis erbringen, wie die Buchungsbestätigung für ein Hotel in der Region oder einen Lieferschein. Die Sperrung der wichtigsten Verkehrsverbindung nach Italien fällt in die Pfingstferien mehrerer deutscher Bundesländer. Anlass der Sperrung der Brennerautobahn ist eine Protestkundgebung gegen die Belastung der Anwohnerinnen und Anwohner durch den massiven Verkehr, die der Bürgermeister des angrenzenden Tiroler Ortes Gries, Karl Mühlsteiger, als Privatperson angemeldet hat. Mühlsteiger wirbt dafür, die LKW-Maut auf der Brennerautobahn auf das Schweizer Niveau anzuheben. "Die letzte Chance, die wir haben, ist definitiv auf die Straße gehen", sagte er dem SPIEGEL. (Mehr dazu lesen Sie hier .) Die geplante Protestkundgebung war von den Tiroler Landesbehörden zweimal nicht erlaubt worden. Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gab dann jedoch einer Beschwerde gegen den entsprechenden Bescheid wegen Verletzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit statt. Über die Brennerautobahn sind laut dem österreichischen Mobilitätsverein VCÖ im vergangenen Jahr mehr als 2,4 Millionen Lastwagen gefahren. Auf den Transitrouten der benachbarten Schweiz sollen es hingegen nur rund 860.000 LKW gewesen sein.