Meinung: Inside Austria: Wie stark ist der IS in Österreich?

Datum30.05.2026 09:03

Quellewww.spiegel.de

TLDRZwei Terrorprozesse in Österreich verdeutlichen die IS-Bedrohung: ein syrischer Asylwerber verübte einen Mord in Villach, während ein gebürtiger Österreicher Anschläge auf Taylor Swift-Konzerte plante. Beide Fälle zeigen die Vielfalt der Radikalisierung – von "einsamen Wölfen" bis zu direkter IS-Anbindung. Staatsschutz fordert mehr Befugnisse. Ein Experte betont die Notwendigkeit, Jugendlichen eine Integration von Islam und westlicher Identität zu ermöglichen, um Radikalisierung vorzubeugen.

InhaltDiese Woche sind in zwei der bisher größten Terrorprozesse in Österreich die Urteile gefallen: Der Anschlag in Villach und die geplanten Attentate auf ein Konzert von Taylor Swift in Wien zeigen das Ausmaß des Problems. Ihre Biografie könnte unterschiedlicher nicht sein – und dennoch sind sie die zentralen Protagonisten zweier aufsehenerregender Terrorprozesse, die diese Woche ihren Abschluss fanden. Ahmad G., ein 24-jähriger Syrer, der im Jahr 2020 als Asylwerber nach Österreich gekommen war, stach im Februar 2025 in der Villacher Innenstadt wahllos auf Passanten ein und ermordete einen erst 14-jährigen Österreicher. Vor Gericht zeigte G. keinerlei Reue. Er würde wieder töten, bejahte er eine entsprechende Frage des Richters. Der zweite Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen, obwohl der Anschlag nicht durchgeführt wurde: Der gebürtige Österreicher Beran A. hatte im Sommer 2024 ein Massaker rund um die Konzerte von Taylor Swift in Wien geplant. "Fuck", habe er geschrien, als er sich in Haft erstmals in seine potenziellen Opfer eingefühlt habe, beteuerte A. vor Gericht. Die zwei Fälle zeigen: Es gibt radikalisierte Asylwerber genauso wie fanatische Teenager, die im Land aufgewachsen sind. Es gibt "einsame Wölfe", die sich wie der Villach-Attentäter blitzschnell über soziale Medien radikalisieren. Und solche wie Beran A., die tatsächlich an Strukturen der Terrororganisation IS angedockt sind. So soll der verhinderte Swift-Attentäter sogar mit hochrangigen Kadern des IS kommuniziert und sich über Methoden und Ziele unterhalten haben. Ursprünglich wollte A. mit zwei Freunden zeitgleich Anschläge in Istanbul, Dubai und Mekka durchführen. In Mekka droht dem Österreicher Hasan E. nun die Todesstrafe, weil er auf Sicherheitskräfte einstach. A. kehrte aus Dubai zurück, widmete sich daraufhin Anschlagsplänen in Österreich. Vor Gericht sitzt auch sein Freund, der nach Istanbul gereist war. Der Prozess gegen A. zeigte, dass sein Umfeld immer wieder Hinweise auf dessen terroristische Pläne erhalten hat. Den Behörden meldete das niemand. Erst der Hinweis eines ausländischen Partnerdienstes machte die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) auf A. aufmerksam. Der Villach-Attentäter war hingegen nie auffällig geworden, galt sozial als isoliert. Er erhielt eine lebenslange Haftstrafe, Beran A. muss für 15 Jahre in Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Als wichtigste Maßnahme im Kampf gegen Terrorismus sieht der Staatsschutz die Möglichkeit, Chats mitlesen zu können. Das wurde bereits legalisiert, derzeit wird nach einer passenden Software gesucht. Langfristig müssen Jugendlichen Angebote gemacht werden, wie sie einen weltoffenen, "westlichen" Islam leben können, sagt der Islamtheologe Mouhanad Khorchide im STANDARD . "Jugendliche dürfen nicht das Gefühl haben, sie müssten sich zwischen Islam und Europa entscheiden", sagt Khorchide. Oft diene "die Identifikation mit Religion der Selbstvergewisserung der eigenen Identität". STANDARD und SPIEGEL erklären, was Österreich bewegt, ordnen politische Debatten ein, erzählen unbekannte Besonderheiten und analysieren die Hintergründe der Macht. Inside Austria erscheint jeden Samstag als Newsletter und Podcast. Für Inside-Austria Hörer- und Leserinnen gibt es jeweils ein besonderes Angebot: 4 Wochen SPIEGEL+ für 1 €, danach 5,99 € pro Woche sowie 1 Monat STANDARD Smart für 1 € statt 14,90 € . Im Podcast Inside Austria läuft diese Woche die fünfte und letzte Folge der Serie über den Österreicher Sigmund Freud. Darin sprechen die Hosts Antonia Rauth und Lucia Heisterkamp über Freuds Ideen zur Verdrängung. Wir alle verdrängen im Alltag Dinge: das unangenehme Date vor ein paar Wochen. Der seltsame Kommentar eines Kollegen bei der Arbeit. Die Steuererklärung, die gemacht werden muss. Aber auch Familienkonflikte aus der Vergangenheit. Nach Sigmund Freud hat das Verdrängen eine wichtige Funktion: Es hilft uns, in einer Welt voller Schmerz und Leid zurechtzukommen. Doch was passiert, wenn sich verdrängte Konflikte oder Erinnerungen plötzlich an die Oberfläche schieben? Darum geht es in dieser Folge. Außerdem sprechen wir darüber, ob Freuds Ideen bis heute weiterleben – oder inzwischen gecancelt sind. Mit besten Grüßen aus WienIhr Fabian Schmid, Leitender Redakteur Investigativ, DER STANDARD Und noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Dieses Briefing als Newsletter in Ihr E-Mail-Postfach können Sie hier bestellen.