Meinung: Die Lage am Morgen: Wolfgang Kubicki – der Zweitlauteste

Datum30.05.2026 06:10

Quellewww.spiegel.de

TLDRWolfgang Kubicki wird voraussichtlich neuer FDP-Vorsitzender. Er sieht sich als Übergangskandidat, der die Partei ins Gespräch bringen soll, aber ob er sie aus der "Todeszone" retten kann, ist fraglich, da seine laute Art in der aktuellen politischen Landschaft wenig fruchtbar sein könnte. Das Gerücht um einen Kanzlertausch zwischen Merz und Wüst spiegelt eine überhitzte politische Kultur wider, die Kubicki und Merz begünstigen. Robert Habeck deutete an, vorerst keine politische Rückkehr anzustreben.

InhaltKann Wolfgang Kubicki seine FDP aus der Todeszone retten? Außerdem: Was das Kanzlertausch-Gerücht über die politische Kultur und Friedrich Merz aussagt. Und: Wunderbare Marilyn Monroe. Das ist die Lage am Samstagmorgen. Heute geht es um die Kür von Wolfgang Kubicki auf dem Bundesparteitag der FDP. Um die eigentliche Geschichte hinter dem Kanzlertausch-Gerücht. Um Robert Habeck auf der SPIEGEL-Bühne. Und um den 100. von Marilyn Monroe. Er will es nochmal wissen. Der 74 Jahre alte bisherige FDP-Vize Wolfgang Kubicki wird sich an diesem Wochenende beim Parteitag zum neuen Vorsitzenden wählen lassen; er ist der einzige Bewerber. Erst einmal ist es ehrenwert, dass Kubicki sich weiter für die Politik einsetzen will. Er könnte seine Zeit ja auch sehr nett auf dem Golfplatz verbringen. Oder auf dem Segelboot. Oder auf einer Sonnenterrasse mit einem Glas kühlen deutschen Riesling in der Hand. Doch eine große Überraschung wäre es schon, wenn es Kubicki tatsächlich gelingen sollte, seine Partei aus der Todeszone zu retten. In der Politik weiß man zwar nie, was kommt. Auch die Linke war fast schon verschwunden und rappelte sich kurz vor der letzten Bundestagswahl wieder auf (mehr hier ). Aber die FDP feierte ihre letzten großen Erfolge im Wahlkampf 2021, als sie auf die jungen Leute und deren Themen setzte: die Digitalisierung, die Start-ups. Kubicki kann nichts dafür, aber eine Identifikationsfigur für die Jungen wird er nicht mehr werden. Er sagt auch von sich selbst, er sei ein Übergangskandidat. Er wolle die FDP vor allem wieder ins Gespräch bringen. Ihm falle das leicht, weil er bekannt sei und zugespitzt formuliere. Ja, es stimmt, Kubicki ist laut genug, um sich Gehör zu verschaffen. Aber lauter als er wird immer die AfD sein. Und weil es in der Politik ohnehin schon viel zu laut geworden ist, hat nun sogar der deftige Markus Söder (CSU) gesagt, er wolle sich zügeln, seriöser werden, die eigenen Worte wägen. Gut möglich, dass Kubickis Stärken der Politik gerade jetzt eher schaden als nützen. Damit wären wir schon beim anderen Thema. An diesem Wochenende dürfte das Lieblingsgerücht der vergangenen Tage frei flottieren, nämlich ob Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) seinen Parteifreund Friedrich Merz als Kanzler ablösen wird. Auch wenn es überhaupt nicht danach aussieht, hält sich das Gerücht. Es ist ja so schön eingängig und lässt sich so schön ausschmücken. Am Montag zum Beispiel treffen sich die beiden zu einem schon lange verabredeten Parteitermin in Meschede. Für die "Bild"-Zeitung ist das ein Anlass, vom "Kanzlertausch-Showdown" zu schreiben. Was das alles mit Kubicki zu tun hat? Ich würde sagen: einiges. Denn auch hier zeigt sich, was passieren kann, wenn in der Politik die drastischen Szenarien, die allzu großen Worte zählen, wenn Politik also so läuft, wie Kubicki es mag, und wie es Friedrich Merz auch mag. Der Kanzler langt rhetorisch gern mal zu. Und das ist die eigentliche Geschichte, um die es bei dem merkwürdigen Kanzlertausch-Gerücht geht: Dass hier Friedrich Merz gerade Opfer einer überhitzten politischen Kultur wird, die er selbst mit geschaffen hat. Der ehemalige Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat sich selten in der Öffentlichkeit gezeigt, seit er im Sommer 2025 sein Bundestagsmandat niedergelegt hat. Gestern Abend aber stellte er sich auf der Bühne des Berliner Admiralspalastes den Fragen meines Kollegen Markus Feldenkirchen. Es ging um das Ende der Ampel, um Russland, die Ukraine, den Krieg gegen Iran, um die USA unter Donald Trump. Mein Kollege Severin Weiland saß im Publikum, nahm das Gespräch als "munter" wahr und wartete auf die Antwort auf eine bestimmte Frage – und zwar eine, die sich nun mal stellt bei Habeck, der immer gern mitgemischt hat in der Politik. Kommt er zurück? Will er das? Habeck sagte: "Ich habe heute Abend ja deutlich gemacht, dass ich der Meinung bin, dass mein politischer Ansatz im Moment wenig Raum hat. Und deswegen mache ich jetzt andere Sachen". Okay. Er will also nicht. "Im Moment" nicht. Falls Sie sich selbst einen Eindruck verschaffen wollen, können Sie das Gespräch ab heute Abend auf SPIEGEL.de als Video abrufen. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist die wunderbare Marilyn Monroe. Es ist gerade viel von ihr die Rede, jetzt, kurz vor dem 1. Juni, der ihr 100. Geburtstag gewesen wäre. Und im Academy Museum in Los Angeles läuft ab morgen die Schau "Marilyn Monroe: Hollywood Icon", die persönliche Gegenstände, Briefe, Produktionsunterlagen und selten gezeigte Fotografien ausstellt. Zu ihren Lebzeiten galt Monroe als die "Sexbombe" aus Hollywood – was für ein Wort. Sie starb jung, ging zugrunde daran, dass kaum jemand sehen wollte, wer und wie sie eigentlich war: klug nämlich und witzig und schöpferisch begabt. Heute aber kennt man ihre Gedichte und die Gedanken, die sie niederschrieb, sie wird geliebt für ihre Selbstironie. Mit ihrer Unpünktlichkeit zum Beispiel trieb sie Regisseure, Kameraleute und Schauspielkolleginnen an den Rand des Wahnsinns. Sie selbst aber sagte: "Ich komme eigentlich nie zu spät – die anderen haben es bloß immer so eilig." Jedes zehnte zweijährige Kind lernt nur mühsam neue Wörter. Das strengt an – Kind und Eltern. Warum sogenannte Late Talker früh Hilfe brauchen . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihre Susanne Beyer, Autorin der Chefredaktion