Siebträgermaschinen: Wie smart kann eine Siebträgermaschine sein?

Datum30.05.2026 05:31

Quellewww.zeit.de

TLDRModerne Siebträgermaschinen versprechen einfacheren Zugang zu hochwertigem Kaffee. Getestete halbautomatische Modelle von Sage (ca. 1.500-2.000€) und Ninja (ca. 500€) sowie das smarte System Nunc (2.700€) bieten teils Automatisierung von Mahlen und Tampen, aber mit unterschiedlichem Erfolg bei der Konsistenz. Während Nunc mit präziser Mühle und eigener Bohnenunterstützung punktet, liefert die günstige Ninja überraschend gute Ergebnisse. Klassische Maschinen wie die DeLonghi Dedica (130€) und ECM Estetika (4.000€) erfordern mehr Handarbeit, bieten aber potenziell höhere Qualität.

InhaltSie haben nicht Siebträgermaschinenwissenschaft studiert und wollen trotzdem besten Kaffee zubereiten? Smarte Maschinen versprechen genau das. Wir haben sie getestet. Rennrad, Urlaub in Japan oder Siebträgermaschine? Für eine dieser Freizeit-Obsessionen muss man sich als Millenial Anfang 30 laut einem beliebten Internet-Meme entscheiden. Gemeinsam haben diese Hobbys: Man steckt viel Zeit und Geld hinein und am Ende liegt man doch mit gebrochenem Bein in der Notaufnahme am Brennerpass. Zumindest sinngemäß. Es ist nämlich einige Arbeit nötig, damit am Ende keine schwarze Plörre aus einer Siebträgermaschine herauskommt. Nun wohnen auch Millenials nicht immer allein in Einzimmerwohnungen und nicht jeder Mitbewohner lässt sich gleichermaßen für Preinfusion, Brühverhältnis und Temperatursteuerung begeistern. Hilft da nur ein Zweitgerät wie Herdkanne oder Handfilter? Hersteller haben diese Lücke erkannt und Maschinen und Mühlen auf den Markt gebracht, die das mühselige Einstellen einfacher machen sollen. Halbautomatische Siebträgermaschinen, die einen Schritt in Richtung Vollautomat gehen, aber zumindest noch etwas Handarbeit verlangen und dafür aber auch entsprechend guten Kaffee liefern wollen. Quasi das E-Rennrad der Kaffeewelt. Die Lösungen dafür sind unterschiedlich. Für diesen Test habe ich drei Maschinen getestet, von 500 bis mehr als 2.500 Euro, alle über mehrere Wochen, teils auch mehrere Monate, und sie mit zwei klassischen Siebträgern von 130 bis 4.000 Euro verglichen. Das Ergebnis überraschte mich – vor allem, was das untere Ende der Preisliste angeht. Bei klassischen Siebträgermaschinen sehen die ersten Schritte zu einem Espresso so aus: Kaffeebohnen in die Mühle (Mühlen mit Hopper halten einen Vorrat bereit, Single-Dose-Mühlen werden jeweils nur mit der nötigen Menge befüllt), in den Siebträger mahlen, das Kaffeemehl verteilen und mit Druck verdichten ("tampen"), Siebträger in die Maschine einspannen, Wasser (möglichst enthärtet) einfüllen. Dazu kommen noch Parameter wie die Brühtemperatur, ein etwaiges Vorbrühen und der Druck der Maschine. Und mancher mag seine Kaffeebohnen vorher noch mit Wasser besprühen, das Kaffeemehl mit einem Minikamm durchrühren und mit einer Art Türstopper gleichmäßig verteilen. Man kann sehr viel Geld für sehr viel Zubehör ausgeben. Am Ende steht immer: auf einen Knopf drücken und beten. Denn es gilt, das richtige Verhältnis aus Mahlgrad, Kaffee- und Wassermenge sowie Durchlaufzeit zu finden. Nach Kauf von Maschine, Mühle und Bohnen bedeutet das oft ein langes Hin und Her aus Ausprobieren und Einstellen, bis irgendwann der perfekte Espresso aus dem Siebträger – nicht zu schnell, nicht zu langsam – fließt. Für ein Hobby ist das ok – aber manche Menschen wollen ja auch einfach Kaffee trinken.  Bevor wir zu den Geräten kommen, die viele der im obigen Kasten beschriebenen Schritte automatisieren, ein paar Sätze zu den herkömmlichen Siebträgermaschinen im Test. Die erste ist ein Einsteigergerät. Die DeLonghi Dedica EC685, die es schon für um die 130 Euro gibt. Sie gilt als Tipp für alle, die mit ein wenig Gewöhnung für wenig Geld guten Kaffee machen wollen. Sie ist optisch unaufdringlich, schmal und passt auch in die kleinste Küchenzeile. Sie wurde einsteigertypisch mit einer günstigen Demoka-Mühle getestet. Weil die mitgelieferten Siebe als eher nicht empfehlenswert gelten, wurde sie mit offenen Siebträgern eines Drittanbieters getestet. Sie funktioniert simpel: Zwei Knöpfe für Kaffee, einer für Dampf. Etwas ungewöhnlich sind ihre Siebträger, die kleiner sind als bei der Konkurrenz. Bemerkenswert für die günstige Maschine ist dagegen: Sie misst das Volumen des eingesetzten Wassers. Solange man nichts an Bohnen und Mahlgrad ändert, bleibt das Ergebnis halbwegs stabil. Als Thermoblockmaschine erhitzt sie das Wasser in einem kleinen Metallblock direkt beim Durchfluss, in unter einer Minute ist sie einsatzbereit. Ihre Brühtemperatur lässt sich eher grob in drei Stufen einstellen. Milchschäumen ist mit der kurzen Dampflanze etwas tricky, insgesamt kommt man aber mit einer Waage und etwas Geduld zu einem guten Kaffee. Die ECM Estetika ist hingegen eine High-End-Maschine, das neue Flaggschiff des baden-württembergischen Herstellers. Sie ist zweifelsohne riesig, aber macht dafür auch ihrem Namen alle Ehre, für mich auch die schönste Maschine im Test. Aber auch die teuerste: 4.000 Euro kostet sie – was mit Blick auf Hersteller wie La Marzocco noch längst nicht das obere Ende für Heimbaristas ist. Sie wurde mit ECMs Topmühle Exacto mit integrierter Waage getestet. Sie benötigt zum Aufheizen unter sechs Minuten – das ist schnell für eine Maschine dieser Größe. Sie hat ebenfalls drei Knöpfe für einfache, doppelte oder dreifache Dosis. Ihre Besonderheit: Sie bietet eine Volumetrik. Das heißt, sie misst die tatsächlichen Milliliter, die beim Brühen durch die Maschine fließen, und wie lang das dauert. Das erlaubt genaue Feinjustierung. Brüh- und Dampftemperatur lassen sich einstellen, als Dualboiler hat sie separate Wege für Dampf und Kaffee. Ebenfalls beheizt sie die Brühgruppe. Dazu ist mit ihr eine Preinfusion programmierbar (der Kaffee wird kurz befeuchtet, bevor das eigentliche Brühen beginnt – das soll für eine gleichmäßigere Extraktion und für besseren Geschmack sorgen). Als einzige Maschine im Test nutzt sie eine technisch fortschrittliche Rotationspumpe und erlaubt auch einen Festwasseranschluss. Kurz: Alles, was sich der Kaffeenerd so wünscht. Mit den gleichen frischen Bohnen, die ich auch bei den automatischen Geräten genutzt habe, habe ich mit ECM-Mühle und -Maschine beziehungsweise Demoka-Mühle und Delonghi-Maschine Kaffee gemacht. Bei beiden war ich nach drei Durchgängen in einem annehmbaren Bereich angekommen, nach insgesamt fünf Bezügen war ich wirklich zufrieden. Das gehört bei solchen Maschinen dazu: Immer, wenn man eine neue Bohnensorte ausprobiert, gehen die ersten Kaffees schief. Nach Wochen des Testens die recht banale Erkenntnis: Der Kaffee aus der 4.000-Euro-Maschine schmeckt doch besser als der aus der 130-Euro-Maschine. Sind die Einstellungen einmal gefunden, ist der Kaffee aus der Estetika perfekt, genau die richtige Temperatur, genau die richtige Säure, sie scheint noch etwas mehr aus den Bohnen herauszuholen. Das bestätigen mir auch Freunde im Blindtest. Aber: Auch der Kaffee aus der günstigen Dedica wird gut und schmeckt für mich besser als jeder Vollautomatenkaffee, den ich bisher getrunken habe. Während die klassischen Maschinen Geduld verlangen, versprechen die drei halbautomatischen Schnelligkeit und Bequemlichkeit. Kaum eine Firma dürfte diese Kategorie so geprägt haben wie Breville, die ihre Maschinen in Europa unter der Marke Sage verkaufen. Zum Unternehmen gehören auch die Kaffeemaschinen von Lelit und die Mühlen von Baratza. Die Oracle-Reihe sind Maschinen, die mahlen, tampen, brühen und Milch schäumen können sollen. Nach der Oracle Jet ist das neueste Modell die Oracle Dual Boiler, die noch mehr Feinjustierungen bietet. Es dürfte die einzige Kaffeemaschine sein, die wie ein Smartphone mit einem "Quad Core Prozessor" beworben wird. Bei jedem Bezug misst sie das Ergebnis und passt die Einstellungen an, Sage verspricht "ultimative Automatisierung". Die Oracle Jet liegt im Handel bei etwa 1.500 Euro, die Dual-Boiler-Variante kostet gut 2.000 Euro. An ihrem Aussehen dürften sich die Geister scheiden. Sie besteht rundherum aus Edelstahl, in der Mitte ein Touchscreen, obendrauf der Hopper für die Bohnen – sie sieht ein bisschen aus, als hätte man sie aus Star Trek gerissen, aber eine der früheren Staffeln (an das Brummen eines Raumschiffs erinnert auch der dauerlaufende Lüfter der Maschine). Es ist vielleicht nicht die Maschine für die Altbauwohnung, aber da ich keinen Stuck an der Decke habe, gefiel sie mir optisch gut. Das Mahlen funktioniert so: Man spannt den Siebträger mit Einfach- oder Doppelsieb links ein, drückt auf den Touchscreen, die Maschine holt Bohnen aus dem Hopper, mahlt und tampt direkt danach mit einer Art Ventilator, der in der Maschine sitzt und sich drehend auf das Kaffeemehl drückt. Den befüllten Siebträger spannt man aus und daneben zum Brühen wieder ein. Das könnte super praktisch sein, funktionierte bei mir aber oft nicht ganz sauber, es lag noch loses Kaffeemehl im Siebträger. Dazu mahlt diese Maschine anders als die anderen beiden im Test nicht nach Gewicht, sondern nach Volumen des Kaffees im Sieb. Das ist anscheinend ungenauer, mal war mehr, mal weniger Kaffeemehl im Sieb – das sorgte dann auch beim Kaffee, der herauskam, für Schwankungen (siehe unten). Möchte man weniger Kaffee mahlen, muss man den Ventilator ausbauen und eine Schraube verstellen, das fand ich für so eine schlaue Maschine dann doch recht fummelig. Wasser kann man praktisch an der Vorderseite einfüllen, ein Wasserfilter ist dabei. Mit knapp vier Minuten heizt sie überaus schnell auf. Man wählt das gewünschte Getränk auf dem Touchscreen, wobei der einzige Unterschied ist, ob die Maschine direkt nach dem Espresso anbietet, für einen Americano heißes Wasser aufzufüllen, für einen Cappuccino Milch zu schäumen oder für einen Espresso Martini, nun ja, Schnaps nachzufüllen. Die gewünschte Temperatur lässt sich aufs Grad genau einstellen, das Brühverhältnis (gemahlener Kaffee versus gebrühter Espresso) auf einer siebenstufigen Skala, auch Preinfusion ist möglich. Mit einem Tippen fließt der Espresso aus dem beheizten Siebträger (so kühlt das Wasser nicht beim Brühen ab) in die Tasse. Die Maschine beobachtet sich dabei gewissermaßen selbst. Sie misst etwa, wie lang der Kaffee zum Durchlaufen braucht und stellt den Mahlgrad fürs nächste Ma(h)l automatisch ein. Super smart fand ich das allerdings nicht: Für eine frische Bohnensorte benötigte die Maschine bis zur vierten Tasse, bis sie selbst mit den Einstellungen zufrieden war. Ähnlich viele Versuche habe ich an den klassischen Maschinen gebraucht. Dazu gilt bei Sage anscheinend ein recht großer Bereich als in Ordnung: Ich hätte mir das eine oder andere Mal, als der Kaffee doch recht schnell durchfloss, gewünscht, dass die Maschine schon früher automatisch nachregelt und habe das dann selbst per Hand erledigt. Zur Problematik trägt auch die ungenaue Mahlmenge bei. Dadurch kam der vierte Kaffee teils ganz anders heraus als der dritte und wieder anders als der fünfte, obwohl ich nichts an den Einstellungen geändert hatte. Die Sage Oracle Dual Boiler bietet auch einen manuellen Modus, in dem man ohne viele Automatisierungen recht traditionell Espresso machen kann. Auf dem Touchscreen ist das hübsch umgesetzt, hier gibt es zahlreiche Optionen, es ist sicher eher ein Modus für Profis als für Alltagsnutzer. Ich hatte Spaß dabei, mit den Einstellungen zu experimentieren und zu schauen, wie sich der Kaffee verändert. Möchte man ein Milchgetränk, bietet Sage einen Modus für Kuh-, Hafer-, Mandel- und Sojamilch. Die Temperatur ist einstellbar, genau wie die Textur. Dann füllt man bloß noch Milch in den Bottich, setzt die Dampflanze ein und tippt auf den Bildschirm. Das Ergebnis ist in meinen Tests sowohl mit Kuh- wie mit Hafermilch sehr gut geworden. Latte Art wäre so möglich (wenn ich denn geschickter wäre). Ninja ist in Deutschland vor allem für seine Heißluftfritteusen bekannt, das US-Unternehmen stellt aber auch Kaffeemaschinen her. Die Ninja Luxe Café Pro ist das Topmodell und mit etwa 500 Euro im Handel dennoch vergleichsweise günstig. Vorbild dürfte hier Sage gewesen sein: Auch diese Maschine soll mahlen, tampen, brühen, schäumen, auch sie soll den richtigen Mahlgrad erkennen können. Ungewöhnlich: Mit ihr lassen sich außer Espresso-Getränken auch Filterkaffee und Cold Brew, sowie kaltgepresster Espresso (etwa für Espresso Martini) und kalter Milchschaum zubereiten. Optisch gibt sie mir das Gefühl, jemand hätte "Male mir eine Sage Oracle, aber anders" in eine KI getippt und das Ergebnis in die Fertigung gegeben. Schön finde ich die Maschine wirklich nicht, der riesige Bildschirm mit der Getränkeauswahl lässt mich an eine Waschmaschine denken. Dazu ist klar, dass der günstigere Preis auch mit Einsparungen beim Material einhergeht, hier ist außen einiges aus Plastik. Sie ist allerdings ähnlich schwer wie die Sage und auch durchaus stabil. Optisch absolut ungewöhnlich ist der Siebträger, der bei dieser Maschine wie lang gezogen aussieht (das ist für die Filterkaffee-Funktion nötig, in der mehr Kaffeemehl hineinkommt). An der Funktion ändert das aber nichts. Auch funktional ist sie ähnlich zur Sage, nur mit etwas mehr Handarbeit: Auch hier kommt der Siebträger links in eine Vorrichtung, per Knopfdruck wird aus einem in die Maschine eingelassenen Bohnenbehälter gemahlen. Die Menge misst die Maschine mit einer integrierten Waage – ein Highlight, ist das doch genauer als bei Sage. Das Tampen übernimmt man selbst mit einem Hebel, den man nach unten drückt. Das wirkt erst ein wenig seltsam, funktionierte in meinem Test aber tadellos. Die Menge an gemahlenem Kaffee lässt sich nicht einstellen, sie richtet sich danach, ob man das Einfach-, Doppel- oder (für Koffeinjunkies) Vierfachsieb nutzt. Nach dem Tampen setzt man auch hier den Siebträger um, wählt über die Drehregler eine der vielen Kaffeeoptionen und startet den Brühvorgang. Dafür sollte Wasser drin sein, das füllt man hier hinten in den Wassertank, auch hier ist ein Filter dabei. Der Thermoblock der Ninja ist nach dem Einschalten in unter einer Minute bereit, heizt allerdings den Siebträger auch nicht vor – dafür muss man ihn leer durchlaufen lassen. Auch sie überwacht, wie schnell der Kaffee aus der Maschine fließt. Dann empfiehlt die Maschine, wie fein oder grob das nächste Mal gemahlen werden soll. Das muss man dann aber selbst über ein Drehrad einstellen. Das ist nicht ganz so bequem wie bei der Sage, funktionierte in meinem Test aber gut. Irritiert hat mich zunächst die dreistufige "Stärke"-Einstellung der Luxe Café Pro. Gemeint ist das Brühverhältnis von gemahlenem Kaffee zu gebrühtem Espresso. Die genauen Verhältnisse lassen sich zumindest im Handbuch nachlesen, bei der Temperatur muss man sich dagegen auf eine nicht näher definierte dreistufige Einstellung verlassen. Vom Ergebnis war ich dann positiv überrascht: Bei der günstigen Ninja-Maschine bekam ich, wenn ich ihrer Empfehlung folgte, oft schneller das bessere Ergebnis als bei der hochautomatischen Sage. Schon beim zweiten Espresso hatte ich eine schöne Crema, die Fruchtnoten der Bohnen kamen gut raus. Ich musste oft weniger hin- und herstellen. Und: Auch wenn ich auf die Filterkaffee-Funktion der Ninja verzichten könnte (warum sollte man sich dafür so eine Maschine kaufen?), fand ich doch den Iced Cappuccino aus kaltem Espresso mit kaltem Schaum auf Eis überraschend gut. Beim Schaum hat mich die Ninja-Maschine allerdings am wenigsten überzeugt. Hier wählt man zwischen Pflanzen- oder Kuhmilch und wählt die Schaumtextur: leicht, mittel, dick, extradick oder kalter Schaum. Letzteres finde ich beachtlich, ansonsten ist mir aber der Schaum entweder zu dünn oder zu fest. Das könnte auch daran liegen, dass unten ein kleiner Rührer im (riesigen) Milchkrug ist, so wie bei separaten Milchschaumgeräten. Ein Flat White ist so schwer möglich. Immerhin kann man auch manuell schäumen. Der Modus ist unangenehm laut – ich habe die Küchentür beim Schäumen lieber geschlossen. Das Start-up Next Level Coffee aus Konstanz hat sich vorgenommen, die Bequemlichkeit von Kaffeekapseln in die Siebträgerwelt zu bringen. Das soll nunc schaffen: eine Maschine und eine Mühle, die miteinander kommunizieren. Smart wird das System dadurch, dass die Geräte die verwendeten Kaffeebohnen erkennen und sich darauf einstellen. Das Unternehmen wirbt damit, jeden Bezug genau zu messen und mit den Daten anderer Nutzer abzugleichen. So soll der Espresso schon beim ersten Bezug sehr gut sein – und dann sogar noch immer besser werden. Dafür kostet sie 2.700 Euro, für die ersten drei Monate bekommt man den Kaffee dazu. Die Maschine wird in Europa gebaut, unter anderem ist Vorwerk als Investor dabei. Maschine und Mühle sehen wirklich futuristisch aus. Mich erinnern sie an den Tech-Minimalismus, mit dem chinesische Unternehmen wie Xiaomi althergebrachte Technik mit klaren Formen versehen. Viel grauer Edelstahl. Das Zubehör mit Holzelementen ist hochwertig, nur die Abtropfschale und den Deckel des großen Wassertanks finde ich für den hohen Preis doch etwas klapprig. Auch hier ist ein Filter dabei. Das Konstanzer Unternehmen verspricht viel: eine Gelinggarantie ab dem ersten Kaffee. Das geht, weil zum Geschäftsmodell von nunc gehört, eigenen Kaffee zu verkaufen. Deshalb kann die Maschine direkt die richtigen Einstellungen wählen. Das funktioniert über einen kleinen Chip an den Bohnenpackungen. So eine Packung setzt man in den sogenannten Smart Hopper ein, der wiederum kommt auf die Mühle. Sobald man den Siebträger darunter gleiten lässt, erkennt die Mühle, ob unter ihr das Einfach- oder Doppelsieb sitzt, und holt nach Gewicht ausschließlich so viel Bohnen wie nötig aus dem Hopper und mahlt diese. Meistens klappte das gut in meinem Test, das eine oder andere Mal gab es aber Probleme. So zeigte die Maschine einmal an, dass der Mahlvorgang gestoppt wurde und ich die Mühle leeren möge – ärgerlich, so musste ich 20 Gramm Kaffee wegschmeißen. Das Unternehmen bringt allerdings regelmäßig Updates über WLAN heraus, bestenfalls sollten solche Fehler weniger werden. Es kam auch mal vor, dass die Mühle nicht merkte, dass noch Bohnen im Hopper waren – das kann man aber mit einem leichten Schütteln lösen. Das Tampen macht man selbst (ein hübscher, federgelagerter Tamper mit Holzgriff ist dabei) und spannt den Siebträger dann ein. Lange warten muss man dann nicht: Sie nutzt die noch recht neue Technologie des Dickfilmheizers und ist so in Sekunden bereit. Auf dem Display wählt man noch ein Rezept aus (Ristretto, Espresso oder Lungo), außerdem, ob man Espresso oder Americano möchte – im letzteren Fall kommt noch heißes Wasser nach, das kann man aber auch händisch machen. Dann startet man mit dem kleinen Hebel an der Seite (etwas blumig "Ritual Button" genannt) den Brühvorgang. Der soll dann die Brühdaten anderer Nutzer einbeziehen, aber auch Wetter und Alter der Bohnen. Nunc weiß von jedem gezogenen Espresso (gut 70.000 waren es Anfang Mai). Im Ergebnis muss ich nunc größtenteils recht geben. Mit ihren eigenen Bohnen war in der Regel schon der erste Kaffee so, wie er sein sollte. Das Unternehmen bietet unterschiedliche Röstungen an, vom klassischen Espresso über dunklere, kräftige Röstungen bis zu helleren, fruchtigeren Sorten. Die kosten ähnlich viel wie bei lokalen Röstereien, schmecken allesamt gut und orientieren sich eher am Mainstream (ganz helle Röstungen sind nicht dabei). Nur bei einer von sechs Bohnen klappte es bei mir nicht mit der Gelinggarantie und es kam zunächst nur Kaffeekonzentrat aus der Maschine – die Mühle dürfte zu fein gemahlen haben. So smart war die Maschine dann doch nicht, auch der zweite wurde nicht viel besser. Da hätte ich mir gewünscht, klarer zu sehen, wie die Mühle eingestellt war, um sie beim nächsten Mal einfach selbst anzupassen. Eigene Bohnen lassen sich im manuellen Modus benutzen. Anders als bei der Sage habe ich den aber nur genutzt, weil ich mich für den Test verpflichtet fühlte: Schon das Design des Menüs gab mir das Gefühl, dass der Hersteller nicht wirklich will, dass ich hier bin. Ich glaube, dass nunc-Käufer bei der Automatik bleiben werden. Möchte man auch bei eigenen Bohnen von nuncs smarten Funktionen profitieren, nutzt man die noch recht neue Funktion "anybeans". Aktuell ist das Feature in der Beta und kostenlos, künftig soll es bis zu neun Euro im Monat kosten (eigene Bohnen ohne smarte Funktionen bleiben kostenlos). Hier muss man der Maschine die Bohnen zuerst vorstellen: Die App soll die Bohnen anhand ihrer Packung erkennen – das klappte bei mir mit den Bohnen einer größeren Hamburger Rösterei zunächst nicht, als ich aber den Namen eingab, fand sie die Sorte in der Datenbank. Dann konnte ich das Ergebnis auf einem Bohnenbehälter speichern, sodass die Maschine meine Bohnen genau wie die von nunc selbst erkennt. Hier verspricht nunc dann ebenso ein Gelingen durch dynamische Rezepte, die sich konstant kalibrieren. Und tatsächlich: während bei den anderen Maschinen die ersten Kaffees für die Einstellung draufgehen, ist der nunc-Kaffee auf Anhieb der beste erste Kaffee aller Maschinen im Test. Ganz zufrieden bin ich trotzdem noch nicht, leicht sauer ist er. Das vermerke ich in der App, und das war womöglich ein Fehler. Denn auch das Feedback dort wird einberechnet – und schon wird der zweite Espresso aus meinen Bohnen zu einer Konzentratpfütze. Beim dritten passt es dann aber glücklicherweise wieder. Mit einer zweiten Sorte ausprobiert, erkennt die App die Bohne diesmal sofort, diesmal wird der erste Kaffee aber nicht gut, wieder zu konzentriert. Ich habe den Eindruck: Mit fremden Bohnen hat nunc noch gewisse Schwierigkeiten. Der Milchschaum der nunc wird perfekt. Ich wähle Kuh, Hafer, Mandel, Soja oder eine individuelle Einstellung, klinke den Milchbecher ein und bekomme ein sehr gutes Ergebnis. Etwas fummelig finde ich hier aber die Bedienung: Der Milchmodus startet durch das Anheben der Dampflanze, stellt man sie zurück – was bei den anderen Maschinen die Schäumposition ist – spült sie sich selbst durch. Daran habe ich mich aber gewöhnt. In den Wochen meines Tests mit fünf Maschinen in der Küche merkte ich oft: Wenn es schnell gehen musste, griff ich am liebsten zur nunc. Und, vielleicht das beste Zeichen: Das ging auch den weniger kaffeenerdigen Haushaltsmitgliedern so. Die Maschine startet so schnell und funktioniert so verlässlich, dass sie oft am Morgen das Rennen machte. Noch entscheidender aber für mich: Hier wechselte ich durch das "Smart Hopper"-System gern zwischen den Kaffees, nahm mal dunkle, mal helle Röstungen und wechselte am späten Nachmittag einfach auf entkoffeiniert. In meinen Testwochen habe ich möglichst viel zwischen den Maschinen gewechselt (und im Sinne meiner Gesundheit auch viele koffeinfreie Getränke zubereitet). Insgesamt war nach der Eingewöhnung mit allen Maschinen verlässlich guter Kaffee möglich. Der kritische Punkt kam immer dann, wenn eine Packung leer war: die gleiche Sorte kaufen oder andere? Und dann wirklich alles neu einstellen? Am meisten Spaß hatte ich mit der nunc: Einfache Bedienung, viel Abwechslung und das gute Gefühl, ein deutsches Start-up zu unterstützen. Vor allem die Mühle mit ihrer genauen Waage ist ein Highlight der Kombination. Ich bin ehrlich beeindruckt, wie viel Next Level Coffee hier richtig macht. Und dennoch: Ich würde mich unwohl dabei fühlen, eine 2.700-Euro-teure Maschine zu kaufen und für die beste Erfahrung auf die Software und die Bohnen des Herstellers angewiesen zu sein – mit "anybeans" war ich nicht immer zufrieden. Die nunc-Bohnen sind gut und dafür, dass sie frisch von einer lokalen Rösterei kommen, auch preislich in Ordnung (ab 34 Euro pro Kilogramm). Aber das muss natürlich nicht so bleiben. Man begibt sich hier in die Schönheit eines goldenen Käfigs. Das wollen offenbar viele: Das Unternehmen arbeitet gerade nach und nach die Vorbestellungen ab. Die Sage Oracle Dual Boiler hat das unkaputtbare Design eines Sternenkreuzers, schöne Komfortfeatures und wirkt sehr durchdacht. Im Alltag bekommt man hier eine gute und schnelle Alternative zu einem Vollautomaten. Tatsächlich bietet auch Sage wie nunc Kaffee an, auf den sich die Maschine einstellt, "beanz" heißt das – das konnte ich aber nicht testen. Dafür, dass sie allerdings preislich in einer ähnlichen Kategorie wie die nunc spielt, fand ich die Ergebnisse vor allem wegen der Mühle zu inkonsistent, den Lüfter zu nervig und (das eher ein persönlicher Faktor) den Hopper zu unflexibel. Mit den großen Bohnenbehältern von Sage und Ninja ist ein schneller Bohnenwechsel nicht möglich – Bohnen, die einmal dort drin sind, wieder rauszukratzen, ist ein nerviges Unterfangen. Überrascht hat mich aber dennoch, wie stabil ein guter Espresso aus der Ninja Luxe Café Pro kam, obwohl sie nur ein Viertel der Sage kostet. Dazu bietet sie viele, viele weitere Getränkeoptionen, von Filterkaffee bis kaltgepresster Espresso. Leichte Zweifel hätte ich, was die Langlebigkeit angeht. Und die Optik muss man wirklich mögen. Wer die vollständige Bequemlichkeit sucht, trotzdem Siebträger-Kaffee schätzt und ein größeres Kaffeebudget hat, dem kann ich die nunc empfehlen. Die Ninja Luxe Café Pro ist für mich dagegen der Preis-Leistungs-Tipp für alle, die es bequem haben und nicht so viel ausgeben wollen. Ich persönlich lande aber wohl am Ende doch wieder bei einer manuellen Maschine. Von den Vergleichsmaschinen hat mich die ECM Estetika mit ihren Möglichkeiten und ihrem Aussehen fasziniert, der Espresso wurde exzellent – aber preislich spielt sie doch leider über meinem Budget. Die DeLonghi Dedica hat in ihrer Schlichtheit alles, was man braucht, um ins Espresso-Game einzusteigen – mir ist das aber ein bisschen zu wenig. Ich werde mir wohl etwas dazwischen kaufen: Schon getestet habe ich die Profitec Go von einer Schwestermarke von ECM. Die macht sehr guten Espresso und kostet nur ein Viertel der Estetika. Da bleibt auch noch Geld für eine gute Single-Dose-Mühle. Das kommt mir halbwegs vertretbar für ein Hobby vor. Mit einem Rennrad breche ich mir eh nur die Beine.