Wim Wenders zu Nacktszene mit Nastassja Kinski: »Das würde ich heute nie mehr so machen«

Datum29.05.2026 22:40

Quellewww.spiegel.de

TLDRWim Wenders bedauert eine Nacktszene mit der 13-jährigen Nastassja Kinski in seinem Film "Falsche Bewegung" (1975). Er erklärte, dass er dies heute nicht mehr so tun würde und dass sich die Sensibilitäten geändert hätten. Kinski wünscht sich seit Jahren die Entfernung der Szene. Wenders appellierte an die Filmschaffenden, wie mit Filmerbe umzugehen sei, wenn eine Szene eine Schauspielerin verletzt, und bat um eine Diskussion über diese moralische Frage.

InhaltNastassja Kinski möchte, dass Wim Wenders eine Szene, die sie als nackte 13-Jährige zeigt, aus einem alten Film schneidet. Der Regisseur zeigt sich nun auf der Bühne des Deutschen Filmpreises ratlos – und richtet einen Appell ans Publikum. Regisseur Wim Wenders (80) hat sich am Freitagabend beim Deutschen Filmpreis zu den Vorwürfen von Schauspielerin Nastassja Kinski geäußert. "Das würde ich heute nie mehr so machen", sagte er mit Blick auf die umstrittene Nacktszene aus seinem preisgekrönten Film "Falsche Bewegung" aus dem Jahr 1975. Wenders wurde am Abend in Berlin mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Die Schauspielerin Nastassja Kinski ist in dem Film als 13-Jährige mit nacktem Oberkörper zu sehen. Der "Süddeutschen Zeitung" hatte Kinski kürzlich gesagt: "Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war." Dem Bericht zufolge versuchte sie seit Jahren, die Szene aus dem Film entfernen zu lassen. "Es war ein schwieriges Kapitel in meinem Leben", sagte Wenders. "Ich weiß heute mehr, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten, wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren". Seinem damaligen jungen Ich könne er keinen Vorwurf machen. Er habe in seiner Zeit einen Film gemacht. Vor rund zwei Jahren hatte Wenders sich zu der Forderung bereits ähnlich geäußert. Gespräche mit Kinski hatte er verweigert, die beiden kommunizieren offenbar nur über ihre Anwälte. Aus Kinsiks Forderung ergebe sich eine Frage, die "euch alle" angeht, sagte Wenders an die Filmschaffenden im Publikum gerichtet: "Wie geht man mit Filmerbe um?" Dürfe und solle man eine Szene schneiden, wenn sie einer Schauspielerin – "die ich sehr verehrt habe und verehre" – weh tue? Er sei mit dieser Frage ziemlich allein und ratlos, fügte der Regisseur hinzu. Es sei eine moralische Frage. Wenders bat die Deutsche Filmakademie um eine Diskussion zu diesem Thema, insbesondere mit jüngeren Leuten. "Ich möchte es nicht alleine tragen." Angenommen, er kürze den Film, dann sei das ein Präzedenzfall, der "euch alle" treffen. "Dann ist es bei allen anderen Filmen später möglich." Wenders war bei der Gala in Berlin trotz Kritik unter Standing Ovations mit dem Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie geehrt worden. In einem Video würdigten ihn Stars wie Campino, Patti Smith, Cate Blanchett und Nick Cave. Akademiechef Florian Gallenberger beschrieb das Werk von Wenders als "grenzenlos und gleichzeitig so unverwechselbar". Warum Schauspielerin Nastassja Kinski sich wünscht, dass die Nacktszene nachträglich gelöscht wird, lesen Sie hier.