Datum29.05.2026 18:57
Quellewww.spiegel.de
TLDRKlimaaktivisten blockierten am Donnerstag Werke des Panzerbauers KNDS und des Pipeline-Herstellers Europipe in Mülheim. Sie protestierten gegen die CO₂-intensive Stahlproduktion und setzten sich für den Einsatz von Stahl im Sinne der Energiewende ein. Die Aktionen, an denen Hunderte beteiligt waren, richteten sich gegen die Nutzung fossiler Brennstoffe und die Rüstungsindustrie. Die Polizei war vor Ort. Die Proteste fanden im Rahmen eines Klimacamps statt, bei dem auch Greta Thunberg erwartet wurde.
InhaltBeim Klimacamp in Hamm protestieren Menschen gegen das zaghafte Tempo bei der Dekarbonisierung. Einige Aktivisten fahren 90 Kilometer nach Westen zu einem Panzerbauer. Auch die Gleise zu einem Rohrwerk werden zeitweise lahmgelegt. Aus Protest gegen die CO₂-intensive Stahlproduktion haben Klimaaktivisten ein Werk des Panzerbauers KNDS und ein Werk eines Pipeline-Herstellers in Mülheim an der Ruhr blockiert. Der Zugang zu der früheren Friedrich-Wilhelms-Hütte sei versperrt und der Schichtwechsel verhindert worden, sagte eine Sprecherin des Aktionsbündnisses Ende Gelände in der Ruhrgebietsstadt und berichtete von 200 Menschen, die sich an der Aktion beteiligten. Die Polizei bestätigte eine unangemeldete Versammlung an dem Werk und sprach von 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Firmenzufahrt werde blockiert, sagte ein Polizeisprecher. Man sei mit Einsatzkräften vor Ort. Stahl werde mit Unmengen von Kohle und Gas hergestellt – er sollte nicht für Panzer, sondern für Windräder oder Eisenbahn-Schienen genutzt werden, sagte die Ende-Gelände-Sprecherin. Wer auf fossile Energie setze, setze auf die Abhängigkeit von Autokraten, die mit den Einnahmen Kriege finanzierten. "Hier, wo bis vor einigen Jahren noch Rotornaben für Windräder vom Produktionsband liefen, wird nun wieder voll auf Panzerstahl gesetzt, und zwar mit Unmengen von fossilem Gas." Wenig später zogen Aktivistinnen und Aktivisten zum Mülheimer Werk der Firma Europipe, die Rohre für Pipelines herstellt. Mit weiteren 200 Menschen habe man Schienen blockiert, auf denen das Werk beliefert wird. Personengleise seien nicht betroffen. Laut Polizei waren dort etwa 100 Protestierende. Mitarbeitende konnten in das Werk hinein- und hinausgehen, die Blockade galt nur den Gleisen. Beim Klimacamp aus Protest gegen neue Gaskraftwerke in Hamm war am Donnerstag auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg eingetroffen. Für Freitag hatte das Aktionsbündnis Ende Gelände Aktionen zivilen Ungehorsams angekündigt. Ob Thunberg daran teilnahm oder in Hamm beim eigentlichen Camp blieb, war zunächst unklar. Auf dem Hammer Klimacamp versammelten sich am Freitagmorgen einige Hundert Menschen und zogen in Begleitung der Polizei in Richtung Innenstadt. Laut Polizei waren es 300. Lange hatte die schwarz-rote Koalition über den Einstieg beim deutsch-französischen Panzerbauer KNDS gestritten. Der Einstieg des Bunds bei KNDS wird von einem Korruptionsverdacht bei Lieferungen nach Katar überschattet. Der Konzern setzte offenbar bei einem weiteren Geschäft auf die Vermittlerfirma eines Generals. Lesen Sie hier die Recherche zu den klebrigen Katargeschäften von KNDS.