Syrien kämpft gegen Euphrat-Hochwasser - erste Tote

Datum29.05.2026 18:45

Quellewww.spiegel.de

TLDRSyrien leidet unter schweren Überschwemmungen des Euphrats, verursacht durch intensive Niederschläge und die kontrollierte Freigabe von Wasser aus türkischen Staudämmen. Mindestens fünf Menschen, darunter vier Kinder, kamen ums Leben. Tausende wurden vertrieben, Ackerland und Gebäude beschädigt. Syrien wirft der Türkei vor, zu spät vor den steigenden Wasserständen gewarnt zu haben. Die Wasserstände sollen sich bald wieder normalisieren, da die Türkei die Schleusen geschlossen hat.

InhaltWährend in Europa Rekordtemperaturen gemessen werden, meldet Syrien Tote nach Überschwemmungen. Die Behörden geben dafür auch der Türkei die Schuld. In Syrien gibt es schwere Überschwemmungen. Der Grund: Gestiegene Wasserstände des Flusses Euphrat. Die Folge: Erste Tote. Lokalen Behördenvertretern zufolge starben in der Provinz Deir al-Sor vier Kinder, nachdem sie von den starken Strömungen des Euphrats mitgerissen worden waren. In der benachbarten Provinz Raqqa ertrank zudem ein Mann, wie es weiter hieß. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden Tausende Menschen vertrieben. Die Beobachter warnten vor einer sich verschärfenden humanitären Krise. Die syrischen Behörden teilten mit, dass in Deir al-Sor rund 24.000 Hektar Ackerland, 265 Regierungsgebäude und etwa 60 zivile Einrichtungen beschädigt worden sein. Hintergrund der Überschwemmungen sind ungewöhnlich intensive Niederschläge der vergangenen Wochen und Monate in der Region, auch in der benachbarten Türkei. Aufgrund extrem hoher Pegelstände an den dortigen Talsperren, insbesondere am Atatürk-Staudamm, mussten die türkischen Behörden enorme Wassermassen kontrolliert flussabwärts abgeben. Um eine Überlastung der eigenen Anlagen zu verhindern, öffneten auch die syrischen Betreiber wichtige Staudämme. Der Pegel stieg abrupt und überschwemmte weite Ufergebiete. Syriens Energieminister Mohammad al-Baschir warf der Türkei vor, die syrischen Behörden zu spät vor dem steigenden Wasserstand im Euphrat gewarnt zu haben. Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa besuchte unterdessen die betroffenen Gebiete, um sich ein Bild von den Schäden und dem humanitären Bedarf zu machen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. Betroffene schilderten chaotische Zustände infolge des rasch steigenden Wassers. Eine betroffene Bewohnerin berichtete der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Familien hätten ihre Häuser teils nur mit der Kleidung am Leib verlassen können. Nach ihren Angaben retteten Nachbarn Eingeschlossene mit kleinen Fischerbooten durch die starken Strömungen. Der Generaldirektor des Euphrat-Staudamms, Haitham Bakur, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Wasserstände dürften innerhalb von zwei Tagen zurückgehen. Die Türkei habe die Schleusentore inzwischen geschlossen.