Datum29.05.2026 00:14
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Union schlägt vor, Eigenheime zur Finanzierung der steigenden Pflegekosten heranzuziehen. SPD und Grüne lehnen dies vehement ab und betonen, dass das Zuhause oft Teil der Altersvorsorge ist und Pflegebedürftigkeit ein allgemeines Lebensrisiko darstellt. Sie kritisieren, dass die Regierung strukturelle Probleme im Pflegesystem ungelöst lässt und gleichzeitig die finanzielle Belastung für Betroffene erhöht. Eine Pflegereform der CDU wird erwartet.
InhaltUm die hohen Pflegekosten zu bezahlen, sollten künftig auch Eigenheime von Betroffenen herangezogen werden, fordert ein Unionspolitiker. SPD und Grüne sind dagegen. Die SPD hat den Vorschlag aus der Union kritisiert, Eigenheime und Grundbesitz stärker für die Finanzierung der Pflege heranzuziehen. "Die Menschen erwarten zu Recht Verlässlichkeit und Sicherheit, wenn sie im Alter auf Pflege angewiesen sind – und nicht die Sorge, ihr Zuhause oder ihre Lebensleistung zu verlieren", sagte der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Für viele Familien ist das Eigenheim keine Luxusreserve, sondern Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit und ein zentraler Bestandteil ihrer Altersvorsorge", betonte er und fügte hinzu: "Pflege darf nicht zum Auslöser sozialer Abstiegsängste werden." Pflegebedürftigkeit sei kein individuelles Versagen, sondern ein allgemeines Lebensrisiko, sagte Pantazis. "Die Antwort darauf kann deshalb nicht sein, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen immer stärker finanziell unter Druck zu setzen, während die strukturellen Probleme unseres Pflegesystems ungelöst bleiben", mahnte er. Auch die Grünen stellen sich gegen den Vorschlag aus der CDU. "Während überall gekürzt und zusätzlich kassiert werden soll, verliert die Bundesregierung kaum ein Wort darüber, wie künftig überhaupt eine verlässliche Pflegeversorgung sichergestellt werden kann", sagte die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Simone Fischer, dem RND. "Wer den Menschen immer neue Belastungen zumutet, ohne gleichzeitig Versorgungssicherheit zu garantieren, handelt verantwortungslos", teilte Fischer mit. In der Diskussion um eine Pflegereform hatte sich Unionsfraktionsvize Albert Stegemann (CDU) dafür ausgesprochen, auch privates Vermögen in die Finanzierung einzubeziehen. "Ein Erbenschutzprogramm auf Kosten der Allgemeinheit kann es nicht geben", sagte Stegemann der Bild-Zeitung. "Wer Vermögen besitzt, muss zunächst eigenes Vermögen einsetzen, auch das Eigenheim, bevor die Gemeinschaft zahlt." Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) rechnet bei der Pflegeversicherung in den kommenden beiden Jahren mit einem Defizit von insgesamt 22,5 Milliarden Euro. Die Ministerin will mit einer großen Pflegereform gegensteuern. Ein Gesetzentwurf dazu war für Mai angekündigt, dann aber verschoben worden: Er soll nun bis Anfang Juli vorliegen.