Datum28.05.2026 23:30
Quellewww.spiegel.de
TLDRVor der Präsidentschaftswahl in Kolumbien sind bei Kämpfen zwischen Farc-Splittergruppen im Amazonasgebiet 48 Menschen getötet worden. Die schwer zugängliche Region ist ein Zentrum für Drogenhandel und illegalen Bergbau. Die Gewaltwelle verschärft die Sicherheitsbedenken vor der Wahl, da die Regierung versucht, einen "totalen Frieden" mit bewaffneten Gruppen zu erreichen, was die Opposition kritisiert.
InhaltIn Kolumbien spitzt sich die Sicherheitslage zu. Bei Kämpfen bewaffneter Gruppen sollen fast 50 Menschen gestorben sein. Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Kolumbien sind bei Kämpfen zwischen zwei Splittergruppen der früheren Farc nach Angaben eines Bürgermeisters 48 Menschen getötet worden. Die Toten lägen "auf einem Haufen" und müssten geborgen werden, sagte der Bürgermeister von San José del Guaviare, Willy Rodríguez, der Nachrichtenagentur AFP. Die Kämpfe ereigneten sich demnach im Amazonasgebiet, in der abgelegenen Ortschaft Pipiral in der Provinz Guaviare. Die Behörden konnten die schwer zugängliche Gegend zunächst nicht erreichen. Die vorläufige Opferzahl beruhe auf Angaben aus der betroffenen Gemeinde, sagte Rodríguez. Rettungskräfte warteten darauf, dass die bewaffneten Gruppen ihnen Zugang zu dem vermutlich verminten Gebiet gewährten. Kolumbien litt 52 Jahre lang unter einem Bürgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und dem Militär. 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. Derzeit erlebt das Land die schwerste Gewaltwelle seit mehr als einem Jahrzehnt. In Guaviare kämpfen bewaffnete Gruppen um die Kontrolle über Gebiete sowie Einnahmen aus Drogenhandel und illegalem Bergbau. Die Region gilt als historische Hochburg der Guerilla. Heute wird sie von Dissidentengruppen umkämpft, die das Friedensabkommen von 2016 zwischen dem kolumbianischen Staat und der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, kurz Farc, ablehnten. Verteidigungsminister Pedro Sánchez sagte dem Sender Blu Radio, die Gruppen hätten "ein einziges Ziel: die kriminelle Wirtschaft, vom Drogenhandel zu leben". Ein Einsatz aus der Luft sei wegen des Wetters nicht möglich gewesen, Truppen rückten auf dem Landweg vor. Nach Angaben aus einer Militärquelle hatten die Kämpfe am Montag begonnen. Ob sie weiter andauerten, war zunächst unklar. Die Sicherheitslage gehört vor der Präsidentschaftswahl am 31. Mai zu den wichtigsten Sorgen vieler Kolumbianer. Der seit seinem Sieg bei der Wahl im Jahr 2022 regierende linksgerichtete Präsident Gustavo Petro hatte vergeblich versucht, im Rahmen seiner Strategie eines "totalen Friedens" mit allen bewaffneten Gruppen zu verhandeln. Die rechtsgerichtete Opposition wirft ihm vor, zu nachgiebig zu sein. Der amtierende Präsident darf gemäß der Verfassung nicht erneut antreten. Als aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat gilt der linksgerichtete Senator Iván Cepeda, der Petros Kurs fortsetzen will. Gegen ihn tritt der rechtsgerichtete Abelardo de la Espriella an, der unter anderem zusammen mit der US-Armee Luftangriffe gegen bewaffnete Gruppen fliegen will. Wie Präsident Gustavo Petro seine Gegner mit politischen und privaten Eskapaden gegen sich aufbrachte, lesen Sie hier.