Israel: Benjamin Netanyahu ordnet Einnahme von 70 Prozent des Gazastreifens an

Datum28.05.2026 22:32

Quellewww.spiegel.de

TLDRNetanyahu hat die Ausweitung der israelischen militärischen Kontrolle über den Gazastreifen angeordnet, um von 60 auf 70 Prozent des Gebiets zu erhöhen. Dies überschreitet die im Waffenstillstand vereinbarte "Gelbe Linie". Die Hamas fordert einen vollständigen Abzug Israels und lehnt eine Entwaffnung ab. Die UN warnt vor einer Verschlechterung der Lage ohne Entwaffnung.

InhaltIsrael will seine Kontrolle über den Gazastreifen ausweiten. Benjamin Netanyahu strebt eine Übernahme von 70 Prozent des Küstenstreifens an. Danach wolle man "Schritt für Schritt" weiter vorgehen. Israel will seine militärische Kontrolle über den Gazastreifen ausweiten. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte in einem vom israelischen Fernsehsender Channel 12 übertragenen Podiumsgespräch, die Armee kontrolliere derzeit 60 Prozent des Gebiets. Seine Anweisung laute, den Anteil auf 70 Prozent zu erhöhen. Als ein Zuhörer dazwischenrief und forderte, 100 Prozent einzunehmen, antwortete Netanyahu laut "Times of Israel" , man gehe "Schritt für Schritt" vor. Schon die 60 Prozent sind deutlich mehr, als Israel eigentlich zugestanden wurde: Im Rahmen eines von den USA vermittelten Waffenstillstands sollten sich Israels Truppen auf eine "Gelbe Linie" zurückziehen, die den Umfang ihrer Kontrolle markiert. Diese Linie verschaffte Israel die Kontrolle über etwa 53 Prozent des Gazastreifens, der Rest sollte von der Hamas beherrscht werden. ⁠ Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete zuletzt, dass Israel die Betonblöcke, die die "Gelbe Linie" vor Ort markieren, tiefer in von der Hamas kontrolliertes Gebiet verlegt hat. Die USA unter Präsident Donald Trump als wichtigster Unterstützer Israels haben Netanyahu dabei offensichtlich freie Hand gelassen. Israel und die islamistische Hamas werfen einander vor, die Waffenruhe zu verletzen. Die Hamas fordert einen vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen und lehnt eine überprüfbare Entwaffnung ab. Nikolaj Mladenow, Hoher Vertreter eines von Trump eingesetzten Friedensrats für Gaza, warnte zuletzt vor dem Uno-Sicherheitsrat: Ohne eine Entwaffnung der Hamas und angesichts anhaltender Verstöße gegen die Waffenruhe drohe sich die Lage dauerhaft zu verschlechtern. Geld für den Wiederaufbau werde demnach nicht fließen, solange die Waffen nicht niedergelegt seien. Israel baut tief in Gaza kilometerlange Erdwälle und zahlreiche Militärlager. Wie Israel in Gaza Fakten schafft, während die Welt auf Iran schaut, lesen Sie hier .