Sachsen-Anhalt: Autor Arne Semsrott und Stadt Magdeburg einigen sich auf Lesung

Datum28.05.2026 17:18

Quellewww.zeit.de

TLDRAutor Arne Semsrott darf nun doch in der Stadtbibliothek Magdeburg aus seinem Buch "Gegenmacht" lesen. Nach anfänglicher Verlegung und Kritik einigten sich die Stadt und Semsrott auf eine Matinee am 6. Juni. Die Heinrich-Böll-Stiftung bestätigte den neuen Termin. Semsrott sieht darin ein positives Signal, dass öffentlicher Druck wirkt und Räume für Debatten offenbleiben, besonders im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und die starke Position der AfD.

Inhalt"Öffentlicher Druck wirkt": Autor Arne Semsrott darf nun doch in einer Bibliothek in Magdeburg aus seinem Buch lesen. Zuvor hatte die Stadtverwaltung eine Lesung verlegt. Die Stadtverwaltung Magdeburg und der Autor Arne Semsrott haben sich auf einen neuen Termin für eine Lesung Semsrotts in der Magdeburger Stadtbibliothek geeinigt. Wie Semsrott der ZEIT sagte, soll am Morgen des 6. Juni eine Matinee in der Bibliothek stattfinden. Das sei das Ergebnis eines Treffens mit Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos). Die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, Veranstalterin der Lesung, bestätigte den neuen Termin in einer Presseerklärung, die der ZEIT vorab vorlag. Geschäftsführerin Rebecca Plassa sprach von einer "klärenden Aussprache mit der Stadtverwaltung". Man schließe sich dem am Mittwoch vorgebrachten Vorschlag für einen Alternativtermin an. "Bibliotheken sind zentrale Orte der Demokratiebildung, des Meinungsaustauschs und der offenen Debatten – und in diesen Zeiten wichtiger denn je", hob sie hervor. Ein Sprecher der Stadtverwaltung konnte die Einigung auf Nachfrage zunächst nicht bestätigen. Eine ursprünglich für den 5. Juni geplante Lesung hatte die Stadt verlegt, was für Kritik gesorgt hatte, sowohl von Semsrott als auch aus Kultur und Politik. Semsrotts Buch trägt den Titel Gegenmacht: Die Zivilgesellschaft schlägt zurück. Nach der Absage sagte Semsrott, er habe von mehreren Seiten gehört, der Inhalt seines Buches sei als "zu provokativ" eingeschätzt worden. Dass nun doch eine Lesung stattfinde, sei "ein wahnsinnig wichtiges Zeichen", sagte Semsrott der ZEIT. "Es zeigt, dass öffentlicher Druck wirkt und es sich lohnt, darum zu kämpfen, dass die öffentlichen Räume offen bleiben." Nun sei nicht die Zeit, um "sich wegzugucken, (...) sondern die Zeit, in den Konflikt zu gehen und das auch selbstbewusst zu tun", sagte er. An Stadtverwaltungen appellierte der Autor und Aktivist, sich nicht einschüchtern zu lassen; sein Fall werde nicht der einzige bleiben. "Verwaltungen müssen sich selbstbewusst vor ihre Institutionen stellen und der Zivilgesellschaft Rückendeckung geben", sagte Semsrott. Nach der Absage der Lesung hatte Semsrott der Stadtverwaltung vorgeworfen, die Absage seiner Lesung sei auf politischen Druck vonseiten der AfD erfolgt. Oberbürgermeisterin Borris hatte dem widersprochen: In einer Dienstberatung sei die Veranstaltung im Zusammenhang mit Fragen parteipolitischer Neutralität vor Wahlen lediglich angesprochen worden. "Ich habe keine Absage angewiesen, ich habe um Prüfung gebeten", sagte Borris. Zugleich räumte sie jedoch ein, dass der weitere Verlauf bei Beteiligten "irritierend, enttäuschend oder auch verletzend angekommen sein kann". Für den 5. Juni hatten Semsrott und die Heinrich-Böll-Stiftung einen alternativen Auftrittsort gefunden – das Kulturzentrum Moritzhof. Die für dort geplante Lesung werde ebenso stattfinden wie die nun beschlossene Matinee am Tag darauf, bestätigte Semsrott der ZEIT. In Sachsen-Anhalt finden Anfang September Landtagswahlen statt. Jüngsten Umfragen zufolge liegt die AfD deutlich in Führung und könnte im neuen Landtag die absolute Mehrheit der Sitze erreichen.