Datum28.05.2026 14:21
Quellewww.zeit.de
TLDRDie EU-Kommission verhängt gegen den Onlinehändler Temu ein Bußgeld von 200 Millionen Euro aufgrund zahlreicher illegaler Produkte. Die Risikobewertung des Unternehmens wird als unzureichend und nicht belegt kritisiert. Testkäufe enthüllten unsichere Ladegeräte und Babyspielzeug mit grenzwertigen Chemikalien oder Erstickungsgefahr. Temu, mit 130 Millionen Kunden in Europa, muss die Strafe zahlen und Mängel beheben, andernfalls drohen weitere Sanktionen. Weitere Untersuchungen zu Datenschutz und illegalen Verkäufen laufen.
InhaltGefährliches Spielzeug, mangelhafte Ladegeräte: Die EU verhängt eine hohe Millionenstrafe gegen den Onlinehändler Temu. Dort würden vielfach illegale Produkte angeboten. Die EU-Kommission hat gegen den chinesischen Onlinemarktplatz Temu ein Bußgeld von 200 Millionen Euro verhängt. Das Unternehmen habe die Risiken illegaler Produkte für Verbraucher nicht ordnungsgemäß bewertet, teilte die Brüsseler Behörde mit. Es handele sich um einen besonders schwerwiegenden Verstoß gegen das Gesetz über digitale Dienste, den Digital Services Act (DSA). Verbraucher in der EU stießen auf Temu mit hoher Wahrscheinlichkeit auf illegale Artikel, so die Kommission. Die zuständige Vizepräsidentin Henna Virkkunen kritisierte, Temus Risikobewertung unterschätze konkrete Risiken, sei zu unspezifisch, stütze sich nicht auf solide Belege und zeige nicht "das tatsächliche Ausmaß des potenziellen Schadens". Temu hat mittlerweile 130 Millionen Kunden in Europa. Nach Angaben der EU-Kommission untermauern Testkäufe aus dem Vorjahr den Befund: Ein sehr hoher Prozentsatz geprüfter Ladegeräte habe grundlegende Sicherheitstests nicht bestanden. Bei Babyspielzeug hätten viele Produkte Chemikalien-Grenzwerte überschritten oder durch abnehmbare Teile eine Erstickungsgefahr dargestellt. Zolldaten zeigten bei Produkten in den untersuchten Kategorien zudem hohe Raten an Verstößen. Temu teilte mit, die Entscheidung sorgfältig zu prüfen und alle verfügbaren Optionen abzuwägen. Das Unternehmen werde weiter konstruktiv mit der EU-Kommission zusammenarbeiten. Temu gebe europäischen Verbrauchern "Zugang zu einer breiten Palette erschwinglicher Produkte" und helfe auch europäischen Unternehmen, mehr Kunden zu erreichen. Das Unternehmen muss nun die Strafe zahlen und die festgestellten Probleme beheben. Andernfalls kann die EU-Kommission zusätzliche tägliche Strafzahlungen verhängen. Unabhängig davon laufen weitere Untersuchungen: Die Behörde prüft, ob Temu durch eine Einschränkung des Datenzugangs für Forscher gegen EU-Recht verstößt und ob das Unternehmen mehr gegen den Verkauf illegaler Produkte tun müsse. Auch die chinesischen Plattformen AliExpress und Shein stehen im Fokus. Temu ist seit Frühjahr 2023 in Deutschland aktiv. Zahlreiche Unternehmen bieten auf dem Marktplatz Waren zu besonders niedrigen Preisen an, Produkte werden häufig direkt vom Hersteller zum Kunden geliefert. Politiker, Handelsvertreter und Verbraucherschützer monieren seit Langem Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Als Reaktion auf Billigimporte aus Drittstaaten plant die EU, ab Juli für Pakete bis 150 Euro Warenwert eine Abgabe von drei Euro zu erheben. Ab November ist zudem eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr geplant, die jedoch noch nicht beschlossen ist. In Deutschland prüft zudem das Bundeskartellamt Temu wegen möglicher Einflussnahme auf Händlerpreise. Es ist erst die zweite auf Grundlage des DSA verhängte Sanktion überhaupt. Im Dezember hatte die Kommission Elon Musks Plattform X wegen Transparenzmängeln zu 120 Millionen Euro Strafe verurteilt. Beanstandet wird unter anderem eine irreführende Authentifizierung von Nutzerkonten durch den weißen Verifizierungshaken auf blauem Grund.