Datum28.05.2026 14:30
Quellewww.zeit.de
TLDRMatthias Platzeck fordert die Wiederaufnahme von Gesprächen mit Russland nach einem Friedensschluss in der Ukraine, primär wegen günstigerer Energie. Er betont die Notwendigkeit, mit den vorhandenen politischen Führern umzugehen und warnt vor den hohen Strompreisen, die Deutschland international benachteiligen könnten. Platzeck kritisiert zudem die SPD-Strategie, die sich zu akademisch und lebensfern entwickelt habe.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Strompreise“. Lesen Sie jetzt „Platzeck: Kontakt zu Russland nach Frieden in der Ukraine“. Der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck rät zur Wiederaufnahme der Gespräche mit Russland nach einem Frieden in der Ukraine - vor allem wegen günstigerer Energie. "Wenn es in absehbarer Zeit zu einem Friedensschluss in der Ukraine kommt, zu hinnehmbaren Bedingungen für die Ukraine, dann sind wir gut beraten, trotzdem mit Russland wieder einen Draht zu suchen", sagte Platzeck dem RBB im Beitrag "Köpfe des Wandels". "Ich weiß, wie heiß umstritten das ist und für unmöglich das von manchen gehalten wird." Der frühere SPD-Vorsitzende ist der Ansicht, dass "wir immer weniger auf dieser Welt uns Gesprächspartner aussuchen können". Als Beispiel nannte er Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump. "Wir haben nur die Anführer, die wir haben, und mit denen müssen wir auch umgehen", sagte Platzeck. "Man muss es wenigstens versuchen." Er wirbt seit längerem für eine diplomatische Friedenslösung für die Ukraine. Wegen Reisen nach Russland, die er verteidigt und als privat bezeichnet, war er in Kritik geraten. Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine dauert seit 2022. Platzeck warnte davor, dass Deutschland wegen hoher Strompreise weltweit abgehängt wird. "Dort ist ein Energieangebot, was noch Jahrzehnte tragen kann, und ich glaube, wir werden es nötig haben", sagte Platzeck mit Blick auf Russland. "Wir haben, glaube ich, eine Situation heute in Europa, wo wir (...) stärker darauf gucken müssen, dass wir den Anschluss an die Welt nicht verlieren mit der Hauptursache unserer Strompreise oder unserer Energiepreise." Der Ex-Ministerpräsident sieht angesichts der niedrigen Umfragewerte für die SPD Fehler in der Strategie. "Wir hätten solche Ergebnisse, glaube ich, nicht mal im bösesten Traum vor 20 Jahren für denkbar und für möglich gehalten", sagte Platzeck. "Wir haben bestimmt Fehler gemacht." An manchen Stellen gebe es nicht mehr den klaren Blick für die sogenannten kleinen Leute. Die SPD bilde wegen der geringeren Mitgliederzahl nicht mehr die Vielfalt der Gesellschaft ab, sagte er. "Es ist sehr akademisch geworden, bis zur Sprache hin sehr akademisch geworden. (...) Wenn Sie das alles zusammennehmen, ist da eine Entfernung entstanden. Die müssen wir dringend wieder abbauen, dringend überbrücken, sonst entgleitet uns das." © dpa-infocom, dpa:260528-930-141085/1