Mediamarkt-Saturn: EU-Kommission prüft Übernahme durch JD.com genauer

Datum28.05.2026 13:22

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie EU-Kommission prüft die geplante Übernahme von Mediamarkt-Saturn durch den chinesischen Konzern JD.com genauer. Bedenken bestehen bezüglich möglicher unfairer staatlicher Subventionen für JD.com in China, die dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnten. Zudem wird eine mögliche Verzerrung des Wettbewerbs im EU-Binnenmarkt untersucht. Bis zum 2. Oktober wird eine endgültige Entscheidung erwartet. Das deutsche Kartellamt hatte die Übernahme bereits freigegeben.

InhaltDer chinesische Handelskonzern JD.com ist bei der Übernahme von Mediamarkt-Saturn schon weit gekommen. Doch nun hat die EU-Kommission Bedenken. Die geplante Übernahme von Europas größtem Elektronikfachhändler Mediamarkt-Saturn durch den chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com stößt auf Hürden in Brüssel. Die Europäische Kommission hat nach einer ersten Untersuchung "vorläufige Bedenken" und prüft den Fall nun genauer. Ihre Zustimmung ist eine der Voraussetzungen für einen Eigentümerwechsel. Die EU-Kommission kündigte an, sie werde den Kauf der Mehrheitsanteile an der Muttergesellschaft Ceconomy AG durch JD.com auf unfaire Subventionen aus Peking prüfen. Das Unternehmen habe in China möglicherweise von direkten Staatshilfen, Steuervorteilen und günstigen Krediten profitiert, begründete die Kommission ihr Vorgehen. Sie will nun prüfen, ob solche Hilfen dazu geführt haben, dass JD.com ein höheres Angebot machen und so die bisherigen Anteilseigner überzeugen konnte. Die EU-Kommission will außerdem prüfen, ob die Übernahme den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerren würde. Nach EU-Recht hat sie bis zum 2. Oktober Zeit für eine endgültige Entscheidung. Sie betonte, dass deren Ergebnis offen sei. JD.com könnte sich im Laufe der Untersuchung auch zu bestimmten Zusagen verpflichten, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. JD bezeichnete die Untersuchung am Donnerstag als "normalen Verfahrensschritt". Der Konzern habe "im Zusammenhang mit der Transaktion keine ausländischen Subventionen erhalten, die den Wettbewerb im EU-Binnenmarkt verzerren könnten", teilte ein Sprecher mit. Das Unternehmen werde mit den Ermittlern zusammenarbeiten. Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb bereits im September freigegeben. Es gebe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken, da JD.com bislang nur in sehr geringem Umfang in Deutschland aktiv sei. Das Bundeswirtschaftsministerium hat aber noch nicht zugestimmt. Es prüft unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten. Mediamarkt-Saturn ist Europas größter Elektronikfachhändler und nach Amazon, Otto und Zalando viertgrößter Onlineshop in Deutschland. Das Handelsunternehmen Ceconomy, zu dem die Mediamarkt-Saturn Retail Group heute zählt, entstand 2017 als Abspaltung von Metro. JD.com hatte im vergangenen Sommer ein Übernahmeangebot abgegeben und sich wenige Monate später die Mehrheit der Ceconomy-Aktien gesichert. JD ist nach Angaben des Kartellamts "Chinas größter Einzelhändler nach Umsatz" und konkurriert im Onlinehandel unter anderem mit dem Alibaba-Konzern. Die Gruppe, die etwa 570.000 Beschäftigte hat, ist unter anderem auch in den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit tätig. In Deutschland ist das Engagement bislang überschaubar. Im März dieses Jahres startete JD.com den Onlineshop Joybuy.