USA: Regierung will Ermittlungen gegen venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez verhindern

Datum28.05.2026 11:55

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie US-Regierung hat offenbar Staatsanwälte angewiesen, keine Ermittlungen gegen Venezuelas Präsidentin Delcy Rodríguez einzuleiten. Dies geschieht, um die Zusammenarbeit mit der neuen venezolanischen Führung nach Maduros Sturz zu erleichtern und eine Stabilisierung des Landes zu fördern. Rodríguez stand zuvor im Fokus der DEA wegen Drogenhandels. Die Aufhebung von Sanktionen gegen sie und die Anerkennung als Staatschefin ermöglichen ihr die Wiederherstellung von Bankbeziehungen und die Zusammenarbeit mit US-Investoren. Die genauen Gründe und die Beteiligung des Weißen Hauses sind unklar.

InhaltSeit dem Sturz von Maduro sind die USA auf Kuschelkurs mit Venezuela. Wohl auch deshalb beabsichtigt die US-Regierung, mögliche Ermittlungen gegen die neue Präsidentin im Keim zu ersticken. Die amtierende Präsidentin Venezuelas ist häufiger im Visier der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA. Die US-Regierung hat Staatsanwälte in Miami nun offenbar stillschweigend angewiesen, keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen Delcy Rodríguez einzuleiten, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Diese beruft sich auf Angaben aktueller und ehemaliger US-Strafverfolgungsbeamter. "Allen wurde gesagt, sie sollten sich zurückhalten", sagte einer der ehemaligen Beamten. Die Beseitigung der Gefahr einer möglichen Anklage, wenn auch nur vorübergehend, entlastet Rodríguez, da die Trump-Regierung bestrebt ist, mit der amtierenden Regierungschefin zusammenzuarbeiten, um Venezuela nach Maduros Sturz zu stabilisieren und das Land für US-Investitionen zu öffnen. In den vergangenen Monaten haben die USA die Sanktionen gegen Rodríguez aufgehoben und sie als Venezuelas alleinige Staatschefin anerkannt. Das ermöglicht es ihr, die Beziehungen zu westlichen Banken wiederherzustellen und freier mit US-Investoren zusammenzuarbeiten, die wiederum Zugang zu den weltweit größten Erdölreserven suchen. Präsident Donald Trump lobte Rodríguez als "großartige Person", kurz nachdem das US-Militär Maduro und seine Frau nach New York gebracht hatte, wo ihnen Anklagen wegen Drogenhandels vor einem Bundesgericht drohen. Beide haben sich für nicht schuldig erklärt. Ob Rodríguez in eine Straftat verwickelt war oder ob die Ermittler auf eine Anklage hinarbeiteten, bleibt vorerst ungeklärt. Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte in einer E-Mail, "es gab nie Ermittlungen gegen sie, die eingestellt werden mussten". Aus DEA-Unterlagen, die AP vorliegen, geht jedoch hervor, dass Rodríguez seit 2018 regelmäßig im Fokus der Bundesbehörden stand. Im Gegensatz zu mehreren anderen hochrangigen venezolanischen Beamten wurde sie in den USA jedoch nie angeklagt. Es ist unklar, inwiefern das Weiße Haus, das mit einer Stellungnahme an das Justizministerium verwies, an der Entscheidung beteiligt war.