Reallöhne: Kaufkraft steigt im ersten Quartal trotz Irankriegs

Datum28.05.2026 10:44

Quellewww.spiegel.de

TLDRIm ersten Quartal 2026 stiegen die Reallöhne in Deutschland um 1,8 Prozent, da die Lohnsteigerungen die Inflation übertrafen. Dies markiert eine Trendwende nach einem Reallohnverlust im Jahr 2022. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht, da ein Anstieg der Inflation durch den Irankrieg die Kaufkraft wieder mindern könnte. Branchenunterschiede sind deutlich, wobei Bergbau und Finanzdienstleistungen überdurchschnittliches Lohnwachstum verzeichneten. Der Mindestlohn-Anstieg kam vor allem Geringverdienern zugute.

InhaltJe nach Branche gibt es deutliche Unterschiede, aber es ging nach oben: Im ersten Quartal des Jahres ist die Kaufkraft gestiegen. Experten blicken jedoch mit Sorge auf die Inflation. Zum Jahresbeginn sind in Deutschland die Löhne und Gehälter erneut schneller gestiegen als die Verbraucherpreise. Daraus ergibt sich im ersten Quartal 2026 eine Steigerung der Reallöhne um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.  Die Bruttomonatslöhne einschließlich Sonderzahlungen wuchsen von Januar bis März um durchschnittlich 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wird der Anstieg der Verbraucherpreise von rund 2,2 Prozent abgezogen, bleibt davon ein Reallohnzuwachs von etwa 1,8 Prozent übrig. Im Vorquartal fiel er mit 1,9 Prozent ähnlich hoch aus. Zuletzt war im ersten Quartal 2023 ein Reallohnverlust registriert worden. 2022 hatte es wegen der hohen Inflation infolge des russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine einen starken Einbruch der Reallöhne gegeben. Seit rund drei Jahren aber gibt es nun einen Aufwärtstrend bei der Kaufkraft. "Doch ​das Bild könnte sich schon bald wenden", warnte der Entgeltexperte aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Malte Lübker. "Falls die Inflation im Zuge ⁠des Irankriegs das ⁠Lohnwachstum überholt, sinkt die Kaufkraft der Beschäftigten wieder." Reale Lohnzuwächse könnten die Konjunktur stabilisieren. Da die Exporte wegen der zunehmenden Konkurrenz ‌durch China und hohe US-Zölle unter Druck stehen, wären ​Impulse durch den privaten Konsum umso wichtiger. "Voraussetzung dafür ist wiederum ‌eine positive Kaufkraftentwicklung", sagte WSI-Experte Lübker. Hohe Kraftstoffpreise als Folge des seit Ende Februar währenden Irankriegs haben die Inflation im April auf 2,9 Prozent getrieben – den höchsten Stand seit Anfang 2024. Vor Kriegsbeginn lag sie im Februar ‌nur bei 1,9 Prozent, während sie im März bereits 2,7 Prozent erreichte. Diese Tendenz dürfte sich ‌dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW)  zufolge auch im Mai und Juni fortsetzen – trotz des Tankrabatts, der aber nur einen Teil des kriegsbedingten Anstiegs der Preise für Diesel und Benzin ausgleicht. Zwar bewege sich die Teuerung bei Sprit und Heizöl in einer ähnlichen Größenordnung wie zu Beginn des Ukrainekriegs 2022, allerdings seien Erdgas und ‌Strom weitaus weniger betroffen. "Im Ergebnis wird die Kaufkraft der Arbeitnehmer – anders als damals – voraussichtlich nicht sinken, sondern nur weniger stark steigen", sagte IfW-Experte Dominik Groll. Überdurchschnittliche Steigerungen der Bruttolöhne ‌meldeten die Statistiker im ​ersten Quartal für die Bereiche Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (plus 6,9 Prozent), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (plus 6,5 Prozent) und Energieversorgung (plus 5,9 Prozent). Dagegen fiel der ​Zuwachs in den Bereichen Erziehung und Unterricht (plus 3,5 Prozent), Baugewerbe (plus 2,9 Prozent) und ⁠öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung (plus 0,1 Prozent) vergleichsweise gering aus. Die Erhöhung des Stundenmindestlohns auf 13,90 Euro zum Jahresbeginn kommt vor allem Geringverdienern zugute. Das unterste Fünftel der Vollzeitbeschäftigten verzeichnete ein Nominallohnwachstum von 7,0 Prozent, während das oberste Fünftel 3,5 Prozent mehr hatte.