Unbesetzte Stellen in MV: Warum manche Schreibtische in der Verwaltung leer bleiben

Datum28.05.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Mecklenburg-Vorpommern bleiben hunderte Stellen in kommunalen Verwaltungen unbesetzt. Dies betrifft Städte und Landkreise gleichermaßen. Als Gründe für die Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung von Stellen, insbesondere im Ingenieur- und IT-Bereich, werden lange Auswahlverfahren und attraktivere Angebote der Privatwirtschaft genannt. Die dbb-Gewerkschaft warnt vor wachsender Personalnot durch den demografischen Wandel und fordert Digitalisierung sowie Aufgabenüberprüfung.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Unbesetzte Stellen in MV“. Lesen Sie jetzt „Warum manche Schreibtische in der Verwaltung leer bleiben“. Hunderte Stellen sind in den kommunalen Verwaltungen in Mecklenburg-Vorpommern aktuell unbesetzt. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Stadt- und Kreisverwaltungen ergeben. In der Schweriner Stadtverwaltung waren Ende April 53 Stellen nicht besetzt, wie die Stadt auf Nachfrage mitteilte. Das sind demnach rund fünf Prozent der insgesamt mehr als 1.100 Arbeitsplätze. Ähnlich sieht es in Rostock aus: In Rostock sind jedes Jahr im Schnitt etwa 160 der rund 2.600 Verwaltungsstellen unbesetzt (sechs Prozent). Für rund die Hälfte von ihnen sei eine Nachbesetzung vorgesehen, heißt es.  Bei der Stadtverwaltung Greifswald sind den Angaben nach derzeit 23 Stellen offen, in Neubrandenburg sind es 25 Stellen, wovon zehn öffentlich ausgeschrieben sein sollen. Die übrigen würden anders nachbesetzt oder noch ausgeschrieben, heißt es. In Wismar sind den Angaben nach vier Stellen vakant. In Stralsund sind nach Angaben der Stadt derzeit 51 Stellen unbesetzt, eine davon unplanmäßig. Viele andere würden demnächst besetzt werden. Die Stadt begründet dies unter anderem mit geltenden Kündigungsfristen, wodurch bereits ausgewählte Bewerberinnen und Bewerber ihren neuen Job noch nicht angetreten hätten. Zudem dauerten Besetzungsprozesse im öffentlichen Dienst wegen der verfassungsrechtlich vorgeschriebenen Bestenauslese und gründlichen Prüfung oft lange. Einige Stellen blieben aus anderen Gründen vorübergehend unbesetzt, beispielsweise um Auszubildende zu übernehmen oder Aufgaben neu zu strukturieren, heißt es weiter. Manchmal sei eine Stelle gesperrt, um mit dem ursprünglich für diese Position geplanten Geld eine andere Stelle zu finanzieren, etwa im Rahmen eines Projekts. Mehrere der Verwaltungen berichten, dass vor allem Stellen von Ingenieurinnen und Ingenieuren schwer nachzubesetzen seien. Laut der Stadtverwaltung in Rostock zählen auch Ärztinnen und Ärzte sowie IT-Fachkräfte dazu, in Greifswald ist es auch im technischen Bereich schwierig, Nachwuchs zu finden. Dennoch meldeten die Verwaltungen eine stabile Situation bei der Zahl der offenen Stellen. Lediglich aus Greifswald heißt es, dass die Zahl der unbesetzten Posten zunehme.  "Ich fürchte, wir erleben gerade erst die Spitze des Eisbergs", sagt der Landesvorsitzende der Beamtengewerkschaft dbb, Dietmar Knecht. "Die renten- beziehungsweise pensionsnahen Jahrgänge kommen erst noch und werden regelrechte Schneisen an unbesetzten Stellen hinterlassen." Fachkräftenachwuchs für sich zu gewinnen, werde für die Kommunen im Land immer schwieriger.  Daher sei es wichtig, die Digitalisierung in der Verwaltung voranzutreiben, sagt Knecht. Und es müsse definiert werden, welche Aufgaben im öffentlichen Dienst in den kommenden Jahren wegfallen sollten.  Die Landkreise vermelden auf Nachfrage ähnliche Zahlen. Die Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen gab an, dass derzeit 106 von 1.090 Stellen unbesetzt seien. Insbesondere seit 2024 sei diese Zahl deutlich gestiegen und habe sich in den vergangenen Jahren sogar verdoppelt. In einzelnen Bereichen komme es mitunter zu Verzögerungen bei der Bearbeitung, was jedoch auch mit abwesendem Personal zusammenhänge.  Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind den Angaben nach aktuell 54 Stellen unbesetzt, in Nordwestmecklenburg 84 und in Vorpommern-Greifswald 121. Aus Ludwigslust-Parchim heißt es, dass zu Jahresbeginn rund 53 der knapp 1.200 Stellen unbesetzt gewesen seien. In allen vier Kreisen war die Zahl in den vergangenen Jahren relativ stabil.  Vor allem Positionen ohne Verwaltungskontext, bei denen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ein erheblicher Fachkräftemangel bestehe, könnten teils nicht beim ersten Anlauf besetzt werden, so die Kreisverwaltung Ludwigslust-Parchim. Generell gebe es mehr als 80 Auszubildende und Studierende, viele von ihnen würden nach ihrer Ausbildung erfahrungsgemäß bleiben. Zudem seien jedes Jahr über 100 Praktikumsstellen beim Landkreis ausgeschrieben. "Für junge Menschen ist die Verwaltung grundsätzlich attraktiv", sagt dbb-Vorsitzender Knecht. Grund dafür seien ein sicherer Arbeitsplatz, verlässliche Arbeitszeiten und gute Entwicklungsmöglichkeiten. "Gleichzeitig wirken starre Strukturen, langsamere Karrierepfade und geringere Einstiegsgehälter im Vergleich zur Privatwirtschaft abschreckend." Die Verwaltung könne durch moderne Bedingungen wie Homeoffice oder schnellere Auswahlverfahren attraktiver werden. Um Bewerberinnen und Bewerber für sich zu gewinnen, lassen sich einige der Verwaltungen bereits etwas einfallen. Manche setzen etwa auf die Möglichkeit für mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, Jobtickets und Fahrradleasing-Angebote oder erhöhen ihre Präsenz bei Social Media. In Schwerin werden etwa Teamtage und Mitarbeiterfeste geboten. Die Stadt wirbt zudem mit einer kostenfreien Kita, kurzen Wegen und schönen Erholungsgebieten im Land. © dpa-infocom, dpa:260528-930-138545/1