Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Von vielen Tasten und einem sehr, sehr weißen Word-Dokument

Datum28.05.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Newsletter "Elbvertiefung" informiert über die Lange Nacht der ZEIT mit Diskussionen zu KI und Klimapolitik, sowie einem Panel zur iranischen Diaspora in Hamburg. Er berichtet über die Abweisung einer Klage nach Bankschließfach-Einbrüchen, die Zugänglichkeit des Nachlasses von Esther Bejarano und ein drohendes Arbeitskräfteproblem durch die überalterte Belegschaft. Zudem werden die Freistellung des Hochbahn-Chefs, ein Vorfall mit einer Schusswaffe, die mögliche Austragung Olympischer Spiele 2036 und ein Urteil in einem Cold Case Fall thematisiert.

InhaltDie Elbvertiefung am Donnerstag – Mit dem Nachlass von Esther Bejarano, einem Cold Case Fall vor Gericht und vielen Menschen über 55 Jahren Liebe Leserin, lieber Leser, einen Text für einen Newsletter zu schreiben, ist auch eine einsame Sache. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe drei Kinder, Einsamkeit ist insgesamt gerade nicht das größte Problem in meinem Leben. Aber wenn der Text entsteht, bin ich erst mal allein mit meinem Gehirn, mit vielen schwarzen Tasten und einem sehr, sehr weißen Word-Dokument. Finden Sie jetzt zum Beispiel die Rettung von Erdkröten so interessant wie ich? Und Udo Lindenberg? Oder was beschäftigt Sie so? Das können wir beim Schreiben nur mutmaßen. Darum finde ich es immer schön, wenn wir uns treffen. Eine Gelegenheit dazu steht demnächst wieder an. Am 6. Juni nämlich steigt auf dem Campus der Uni Hamburg die Lange Nacht der ZEIT. Dort wird es einige interessante Panels geben, zum Beispiel unterhält sich ZEIT-Aufsichtsrat Rainer Esser mit Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda unter anderem darüber, wie künstliche Intelligenz unser Verständnis von Kreativität verändert. Petra Pinzler und Stefan Schmitt aus der ZEIT werden mit der Umweltsenatorin und Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank über ihre Klimapolitik für Hamburg sprechen. Ich moderiere ein Panel namens "Entfernte Heimat: Was der Irankrieg für viele Hamburgerinnen und Hamburger bedeutet". Hamburg gilt als das Zentrum der iranischen Diaspora in Deutschland. Zu Gast sein werden die Schauspielerin Behnush Najibi, die den deutsch-iranischen Kulturverein Diwan mitbegründet hat, Danial Ilkhanipour aus der Hamburgischen Bürgerschaft, der iranische Eltern hat, und mein Kollege Tom Kroll, der viel in der iranischen und schiitischen Community recherchiert hat. Es gibt außerdem viele Foodtrucks, ein Musik-Bingo, Liegestühle, Getränke – und viel Gelegenheit, sich zu unterhalten. Es werden auch weitere Kolleginnen und Kollegen der Elbvertiefung da sein. Vielleicht sehen wir uns ja auch. Das würde mich freuen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Maria Rossbauer PS: Für die Veranstaltung "Entfernte Heimat" – um 14:30 Uhr im Abaton-Kino –können Sie übrigens auch Karten gewinnen, wir verlosen fünf Mal zwei Stück. Zur Teilnahme geht’s hier lang. An der Verlosung können Sie bis Freitag teilnehmen, und wenn Sie gewonnen haben, werden die Kolleginnen aus dem Organisationsteam Sie direkt benachrichtigen. Viel Glück! Fast fünf Jahre nach dem spektakulären Aufbruch von mehr als 600 Bankschließfächern in Norderstedt hat das Hanseatische Oberlandesgericht die Klage eines Kunden auf eine höhere Entschädigung abgewiesen. Bei der Sicherung des Tresorraums habe es vonseiten der Hamburger Sparkasse keine Pflichtverletzung gegeben, erklärte der Vorsitzende Richter. Der persönliche Nachlass der Sängerin, Aktivistin und Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano ist nun öffentlich zugänglich. Die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg hatte ihn im März 2023 auf Wunsch der Familie Bejarano übernommen und stellt das Projekt heute um 18.30 Uhr vor. Der Nachlass umfasst unter anderem amtliche Dokumente, private Korrespondenzen, Kalender, Materialien aus dem Auschwitz-Komitee und Fotos. Bejarano starb am 10. Juli 2021 im Alter von 96 Jahren in Hamburg. Die Metropolregion Hamburg steuert auf ein großes Arbeitskräfteproblem zu. Von den knapp 2,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region, die neben Hamburg auch Teile von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern umfasst, sind fast 560.000 Frauen und Männer älter als 55 Jahre und werden in den nächsten Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, wie es in einem aktuellen Bericht heißt. Dem gegenüber stünden aber nur etwa 212.000 Beschäftigte unter 25 Jahren. Der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hochbahn, Robert Henrich, ist von seinen Tätigkeiten freigestellt worden. Er sei bis zum regulären Auslaufen seines Vertrags am Jahresende von seinen Aufgaben entbunden worden, teilte die Hochbahn mit ­– ohne Gründe zu nennen. Ein 36-Jähriger hat bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Männergruppen in der Sternschanze eine Schusswaffe bei sich getragen. Ein Zeuge rief am Dienstagabend die Einsatzkräfte in die Susannenstraße, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Polizei nahm den Mann fest. Der Hamburger Senat will Olympische Spiele in die Stadt holen – 2036, 2040 oder 2044. Am Sonntag können Sie über die Bewerbung abstimmen. Aber ist sie denn eine gute Idee? 12 Antworten – zusammengetragen vom ZEIT:Hamburg-Ressort. Lesen Sie hier einen Auszug: Wird so der Hauptbahnhof schneller fertig? Alles geht schneller unter dem Termindruck einer olympischen Eröffnungsfeier: Das ist eines der großen Olympia-Versprechen (Z+). "Die brachiale Wirklichkeit einer solch spezifischen Frist überwindet politischen Widerstand, bürokratische Blockaden und die Trägheit der Verwaltung", schreibt der Olympia-Forscher John R. Short. Was unter dem selbst erzeugten Zeitdruck zu schaffen ist – und was eher nicht –, lässt sich am Beispiel zweier Verkehrsprojekte zeigen. Ohne die noch im Bau befindliche U-Bahn-Linie 5 (Z+) und eine Erweiterung des überlasteten Hauptbahnhofs werden Olympische Spiele in Hamburg kaum möglich sein. Aber werden die Arbeiten rechtzeitig fertig? Die U5 soll den Hamburger Osten und die Innenstadt mit den Sportarenen im Volkspark verbinden, allerdings erst ab 2040 – für Olympische Spiele 2036 käme das zu spät. Ein wichtiges Teilstück könnte aber früher erstellt werden. Zwischen Stephansplatz und Stellingen kreuzen die Gleise der zukünftigen Bahnlinie fünf andere S- und U-Bahnen. Seit dem vergangenen Jahr prüfen die U-Bahn-Planer, ob dieser Streckenabschnitt mithilfe von bis zu zwölf zusätzlichen Tunnelbohrmaschinen schon Mitte der 2030er-Jahre entstehen könnte. So bekämen die olympischen Sportanlagen noch rechtzeitig einen U-Bahn-Anschluss. Wie sinnvoll das wäre, ist eine andere Frage. Die Großbaustellen der zukünftigen Schienenverbindung reißen riesige Löcher ins ohnehin überlastete Straßennetz. Ob zusätzliche U5-Baustellen überhaupt möglich sind, ohne dass der Autoverkehr zusammenbricht, wird zum Zeitpunkt der Olympia-Abstimmung voraussichtlich noch nicht feststehen. Und natürlich liegt ein Einwand nahe: Wenn die Idee eines beschleunigten U-Bahn-Baus so gut ist – warum sollte sie dann nur in Verbindung mit Olympischen Spielen umgesetzt werden? Schwieriger wird der Weg zu einem Um- und Ausbau des Hauptbahnhofs. Ein älteres Konzept verspricht kaum zusätzliche Kapazität. Ein zusätzlicher S-Bahn-Tunnel mit Umsteigemöglichkeit am Hauptbahnhof war angedacht, wurde aber in die ferne Zukunft verschoben. Und der Koalitionsvertrag der Senatsfraktionen drückt nur die hilflose Hoffnung aus, der Bund möge "zeitnah eine Studie zum gesamten Bundesschienenwegeknoten Hamburg in Auftrag geben". Ein erheblich erweiterter Bahnhof binnen zehn Jahren klingt auch mit dem zusätzlichen Zeitdruck eines Olympia-Termins utopisch. Ob Hamburg durch Olympia tatsächlich berühmt werden kann, ob die Spiele zu steigenden Mieten führen würden, was uns bei einem Nein entgehen könnte – und ob die Bewerbung überhaupt eine Chance hat, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) 1983 wurde in Hamburg eine trans Frau erschossen. Es gab nie eine klare Spur zum Täter. Dennoch steht jetzt der mutmaßliche Mörder vor Gericht, heute wird das Hamburger Landgericht sein Urteil verkünden. ZEIT-Autorin Elke Spanner verfolgt den Prozess. → Zum Artikel (Z+) Am 1. Juni lädt das Kulturforum Hamburg zu einer Podiumsdiskussion über den Stand der aktuellen Museumsplanungen in Hamburg ein. Es diskutieren Matthias Glaubrecht, der Projektleiter des neuen Museums Evolutioneum, Maximilian Pohlmann vom UBS Digital Art Museum, Rainer-Maria Weiss vom Archäologischen Museum Hamburg, und die Leiterin der Abteilung für Museen, Bibliotheken, Erinnerungskultur, Deichtorhallen und Planetarium Verena Westermann. "Darf’s ein bisschen mehr sein? – Hamburgs aktuelle Museumsplanungen", 1. Juni, 19 Uhr, Kampnagel, Jarrestraße 20 Im ICE von Göttingen nach Hamburg. Eine Durchsage: "Beim Aussteigen denken Sie bitte an die 3 K des Zugreisenden: Kabel, Koffer, Kinder – ersatzweise Kerl. Was nicht zu Ihnen gehört, lassen Sie ruhig da, das kann dann Ihr Sitznachbar mitnehmen." Gehört von Juliana Volkmar Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.