Iran-Krieg: USA werden Jahre brauchen, um Waffen zu ersetzen

Datum28.05.2026 02:58

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Militäroperation in Iran hat die US-Waffenbestände erheblich reduziert. Bis zu drei Jahre könnten laut einer Studie des CSIS Ersatz für Tomahawk-Marschflugkörper und Patriot/THAAD-Systeme dauern. Obwohl kein akutes Risiko bestehe, entstünde ein Verwundbarkeitszeitfenster für den Westpazifik. Dieser Mangel beeinflusst auch Waffenlieferungen an Taiwan. Zudem befürchtet die Ukraine Engpässe bei Patriot-Abwehrraketen.

InhaltDie Militäroperation "Epic Fury" in Iran hat für die USA nicht den gewünschten Erfolg gebracht – aber dafür die eigenen Waffenbestände kräftig dezimiert. Das könnte laut einer Studie auch noch eine Weile so bleiben. Die USA werden einer Studie zufolge mindestens drei Jahre brauchen, um gegen Iran am häufigsten eingesetzte Waffensysteme zu ersetzen. Das gelte sowohl für Tomahawk-Marschflugkörper als auch für Abfangsysteme vom Typ Patriot und THAAD, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS)  in Washington. Von der Marine eingesetzten Standardraketen vom Typ SM-3 und SM-6 könnten in rund zwei Jahren neu beschafft werden, hieß es in der CSIS-Analyse weiter. Sie seien nicht so intensiv eingesetzt worden. Im Irankrieg bestehe durch die geleerten Bestände zwar kein militärisches Risiko für die USA, heißt es in der Studie weiter. Es sei dadurch aber "ein Zeitfenster der Verwundbarkeit für einen möglichen Konflikt im Westpazifik geschaffen" worden. Das Pentagon hatte die Ausgaben für den Militäreinsatz "Epic Fury" ("Epischer Zorn") in Iran zuletzt auf 29 Milliarden Dollar (rund 25 Milliarden Euro) beziffert. Pentagon-Finanzchef Jules Hurst führte dies bei einer Kongressanhörung auf "Kosten für die Reparatur und den Ersatz von Militärausrüstung" zurück. Die fehlenden Bestände wirken sich auch auf Verbündete aus. Vor knapp einer Woche hatten die USA ihre Waffenlieferungen an Taiwan nach Angaben des Pentagon auf Eis gelegt (mehr hier). US-Marine-Staatssekretär Hung Cao hat am Donnerstag bei einer Kongressanhörung gesagt, für eine geplante Rüstungslieferung im Umfang von 14 Milliarden Dollar – rund zwölf Milliarden Euro – an Taiwan gebe es "eine Pause, um sicherzustellen, dass wir die Munition haben, die wir für ›Epic Fury‹ brauchen". US-Präsident Donald Trump, der zuvor China besucht hatte, hat die Rüstungslieferung an Taiwan nicht fest zugesagt. Das weckt Befürchtungen, dass Trump bei der Unterstützung Taipehs nachlassen könnte. Die Volksrepublik China betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als sein eigenes Territorium und strebt eine "Wiedervereinigung" an, notfalls mit einer Invasion. Sorgen gibt es auch in der Ukraine. Das Land hat sich zwar während des seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs auf Drohnenabwehr spezialisiert. Es mangelt aber an teuren, für die Verteidigung gegen Luftangriffe dringend benötigten PAC-3-Abwehrraketen aus den USA für das Patriot-System. Kyjiw befürchtet eine Verschärfung der Engpässe, sollte sich der Irankrieg in die Länge ziehen.