Datum28.05.2026 00:21
Quellewww.spiegel.de
TLDRCrystal Palace hat unter Trainer Oliver Glasner die Conference League gewonnen. Im Finale besiegten sie Rayo Vallecano mit 1:0, Torschütze war Jean-Philippe Mateta. Für den scheidenden Trainer Glasner ist es nach dem FA-Cup-Sieg ein weiterer Titel mit dem Club. Dies unterstreicht die Dominanz englischer Vereine im europäischen Fußball.
InhaltCrystal Palace ist Europokalsieger, Trainer Oliver Glasner hat es schon wieder geschafft. Während Englands Topliga den nächsten Titel abräumt, verliert die Fußballromantik ihre letzten Zufluchtsorte. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Ein unwahrscheinlicher Held: An Volten hat die Karriere des Jean-Philippe Mateta noch nie gespart. Der bullige Franzose war mit Anfang 20 in Mainz zum Torjäger gereift, 2021 zum Londoner Stadtteilklub Crystal Palace gewechselt – und dort erst einmal durchgefallen. Erst als Trainer Oliver Glasner Anfang 2024 das Ruder übernahm, blühte Mateta auf: Stammplatz, Torgarant, FA-Cup-Sieg 2025. Im Winter folgte beinahe der Abschied von Palace, doch Mateta rasselte bei der AC Mailand durch den Medizincheck. Also weiter Selhurst statt Lombardei. Ein Rückschlag? Mitnichten: Mateta verdiente sich die WM-Nominierung mit Topfavorit Frankreich. Und war in seinem vielleicht letzten Spiel für den Premier-League-Club mit einem Abstauber zur Stelle, um Palace im Conference-League-Endspiel gleich den nächsten Pokal zu bescheren (50. Minute). Das Ergebnis: 1:0 (0:0) setzt sich der Crystal Palace FC in Leipzig gegen die Spanier von Rayo Vallecano durch. Zum fünften Mal wurde die Conference League ausgespielt, zum dritten Mal ging der Pokal nach England. Im Vorjahr hatte der FC Chelsea die silberne Trophäe heimgeholt. Rayo wer? Herausforderer der Londoner, die in den vergangenen Jahren Stars wie Eberechi Eze oder Michael Olise hervorgebracht haben und als klarer Favorit in die Begegnung gegangen waren, war an diesem Abend der Tabellenachte der spanischen Liga. Rayo ist ein Madrider Hauptstadtclub, heimisch im Stadtteil Vallecas. In den frühen 2010er-Jahren wurde der Verein zu einem Liebling der Fußballtaktik-Nerds, weil Rayo trotz unscheinbarer Individualisten sein Heil in anspruchsvollem Offensivfußball suchte. Dem Status als Fahrstuhlmannschaft schob das keinen Riegel vor, erst seit 2021 ist Rayo durchgängig Erstligist. Randale in Leipzig: Auch die Fankultur in Vallecas gilt als speziell. Rayo fällt in die Kategorie Arbeiterclub, wird verkürzt gern als "St. Pauli Spaniens" betitelt. Trotz der kleinen Größe bewegt der Club eine ganze Reihe Menschen – allerdings nicht ausschließlich zu Großtaten: Im Vorfeld der Begegnung meldete die Leipziger Polizei, dass etwa 300 Problemfans der Spanier in der Innenstadt mit Anhängern von Crystal Palace aneinandergeraten seien. Bis ins Stadion schafften es die Krawalle nicht, die eigentliche Pokalnacht blieb mindestens mal bis zur Siegerehrung friedlich. Kaum der Rede wert: Allzu viele Aufreger hatte das Spiel am Mittwochabend nicht zu bieten. Eine Hälfte lang legte sich Palace seinen Kontrahenten zurecht, schlug nach der Pause durch Mateta zu (50.) – und hatte sonst nicht viel zu tun. Rayo fehlten die Mittel für eine Schlussoffensive, dafür war die Palace-Abwehr um Ex-Wolfsburger Maxence Lacroix um Längen zu stabil. Ein Schelm, wer das mühelos verkraftete 47-Millionen-Euro-Transferminus des Premier-League-Vertreters für dieses Kräfteverhältnis verantwortlich macht. Zu früh gefreut: Dabei hätte es auch ganz anders laufen können. "Das letzte Fest für Fußballromantiker" hatte der SPIEGEL die Conference League noch betitelt. Heute steht fest: Das war etwas optimistisch. Bundesliga-Vertreter Mainz scheiterte etwa im Viertelfinale an Racing Strasbourg, heutzutage wenig mehr als ein Ausbildungsteam für den FC Chelsea. Auch dieser Europapokal ist nicht dafür gemacht, von Vereinen der Kategorie Sigma Olmütz gewonnen zu werden. Er geht als Halbgott: Bei Mateta ist die Zukunft in der Schwebe. Bei Trainer Glasner ist klar: Es war sein letztes Spiel an der Palace-Seitenlinie. Der Österreicher rutschte bäuchlings durch ein Spieler-Spalier, das tat er schon 2022 auf dem Weg zum Europa-League-Sieg mit Eintracht Frankfurt. Seitdem sammelte Glasner mit Palace den FA-Cup, den Community Shield, nun die Conference League. Drei Titel mit einem Club, der auch schonmal Jahrzehnte ohne Pokal ausharren muss: Selbst Fans, die mit Liga-Platz 15 und dem früh angekündigten Abschied Glasners nicht glücklich waren, können dem Erfolgstrainer so kaum böse sein. Einer geht noch: Europa-League-Champion Aston Villa, Conference-League-Sieger Crystal Palace. Es fehlt einzig die Champions League, am Samstag trifft der FC Arsenal auf Paris Saint-Germain. Eine Überraschung wäre es nicht, ginge auch der letzte europäische Titel an die finanziell so weit enteilten Engländer aus der Premier League.