Datum21.11.2025 11:18
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Europäische Rundfunkunion (EBU) hat neue Abstimmungsregeln für den Eurovision Song Contest (ESC) beschlossen, um die Neutralität des Wettbewerbs zu wahren und Boykottandrohungen durch mehrere Länder, die Israel kritisieren, abzuwenden. ESC-Direktor Martin Green betonte die Notwendigkeit, den Wettbewerb als Feier der Musik und Einheit zu erhalten. Die neuen Regelungen zielen darauf ab, die Diskrepanzen zwischen Jury- und Publikumsumfragen zu reduzieren. Weitere Entscheidungen zur Teilnahme von Rundfunkanstalten werden bei der EBU-Generalversammlung im Dezember erwartet.
InhaltHöchstzahl abzugebender Stimmen eingeschränkt, Ächtung von PR-Kampagnen durch Regierungen: Mit neuen Regelungen will der Veranstalter des Eurovision Song Contest offenbar die israelkritischen Sender vom Boykott abbringen. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) nimmt Änderungen am Regelwerk des von ihr veranstalteten Eurovision Song Contests (ESC) vor. ESC-Direktor Martin Green betonte in einer EBU-Mitteilung, man unternehme "klare und entschiedene Schritte, um sicherzustellen, dass der Wettbewerb eine Feier der Musik und Einigkeit bleibt." Der Contest solle ein neutraler Raum bleiben und "nicht instrumentalisiert werden", so Green. Insgesamt hat die EBU vier neue Regelungen eingeführt: 2025 hatte der israelische Beitrag "New Day Will Rise" von Yuval Raphael in der Rangfolge der Jurystimmen den 15. Platz erreicht, kam im Televote hingegen auf Platz eins – daraus resultierte insgesamt der zweite Gesamtrang. Umgekehrt stürzte bei den Juryvoten zweitplatzierte Schweiz durch null Punkte aus dem Publikum auf Platz zehn ab. Auch in früheren Jahren gab es starke Diskrepanzen zwischen den Jury- und Publikumsstimmen. Mehrere Länder, darunter Spanien, Irland und die Niederlande, drohten zuletzt mit einem Boykott des Wettbewerbs, sollte Israel auch im kommenden Jahr dabei sein. Hintergrund war einerseits das Vorgehen Israels im Gazastreifen nach dem Angriff der Hamas im Oktober 2023, zum anderen hatte es aber auch Vorwürfe gegeben, Israel könne die Zuschauerabstimmung manipuliert haben. Zumindest könnte Israel von der aufwendigen Werbekampagne in sozialen Netzwerken profitiert haben. Deutsche Politiker und auch Stimmen aus anderen Ländern sprachen sich allerdings gegen einen Ausschluss Israels aus. Bei der Generalversammlung der EBU am 4. und 5. Dezember in Genf werden Entscheidungen zur Teilnahme der Rundfunkanstalten erwartet. Die neuen Regelungen sollen allem Anschein nach die kritischen Länder besänftigen. Der ESC wird nach dem Sieg des Sängers JJ 2026 in Wien stattfinden. Der ausrichtende ORF hofft sogar auf eine Rekordzahl an Teilnehmerländern.