Brennerpass: Alpenstraße für Autofahrer geschlossen – was heißt das für meinen Urlaub?

Datum27.05.2026 15:33

Quellewww.spiegel.de

TLDRAm Samstag wird der Brennerpass wegen einer Anwohnerdemonstration gegen die steigende Verkehrsflut für stundenlange Sperrungen sorgen, was zu massiven Staus und langen Wartezeiten führt. Autofahrer sollten Alternativrouten wie den Reschenpass oder die Bahn in Erwägung ziehen. Bei individuellen Buchungen tragen Urlauber das "Wegerisiko". Pauschalreisende können anteilige Erstattungen für ausgefallene Urlaubstage geltend machen, sofern der Veranstalter nicht über die Sperrung informierte.

InhaltAm Samstag ist der wichtigste Alpenstraßenpass für Stunden gesperrt – am gesamten Wochenende drohen Staus. Was erwartet Autofahrer? Und was gilt, wenn man nicht wie geplant zu seinem Hotel anreisen kann. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Am Brenner wird am Samstag gegen die Verkehrsflut demonstriert. Dafür wird die wichtige Verbindung zwischen Österreich und Italien für Stunden gesperrt. Die Blockade fällt mitten in den Pfingstferien von Bayern und Baden-Württemberg sowie an das Ferienende in Sachsen-Anhalt. Viele Urlauber könnte das vor Probleme stellen: Schließlich ist dieser Wochentag auch der klassische Bettenwechseltag bei Ferienunterkünften. Was erwartet Autofahrerinnen und Autofahrer am Wochenende in Tirol und Südtirol? Und was passiert, wenn man die Ferienwohnung oder das Hotel wegen der Sperrung nicht erreichen kann? Reiserechtlich spielt es dann eine Rolle, ob man die Unterkunft individuell oder als Pauschalreise mit Transportleistung – etwa ein Paket aus Busanreise und Hotelübernachtungen – bei einem Veranstalter gebucht hat. Was dann jeweils gilt, erklärt der Rechtsanwalt Paul Degott. Die Brenner-Blockade macht sich laut ADAC schon ab Freitag bemerkbar. Bereits ab mittags sei rund um den Pass mit dichtem Verkehr und langen Staus zu rechnen, und zwar bis in die Abendstunden hinein, so der Verkehrsclub. Viele Urlauber dürften schon unterwegs sein, weil sie am Samstag den Brennerkorridor in den Alpen meiden wollen. Die wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen Innsbruck und Bozen ist am Samstag von 11 bis 19 Uhr wegen der Demonstration vollständig gesperrt. Das betrifft nicht nur die Autobahn A 13. Auch die Brenner-Bundesstraße (B 182) und die Landesstraße L38 seien von der achtstündigen Sperrung betroffen, sodass keine Ausweichmöglichkeiten bestehen, so der ADAC. Auf der italienischen Seite wird die Brennerautobahn (A 22) dem Verkehrsclub zufolge ab Sterzing in Richtung Norden von 10.30 bis 20 Uhr gesperrt. Erlaubt ist während der Sperrung Ziel- und Quellverkehr. Wer also in einem Ort zum Beispiel im Stubaital ein Hotel gebucht hat und das nachweisen kann, darf die Sperre passieren. Radfahrer dürfen die Landstraße zum Brenner benutzen. Die Polizei rechnet mit einer sehr schwierigen Situation auf den Straßen. Bereits an den Landesgrenzen – also weit vor dem Brenner – werden Fahrzeuge kontrolliert und Fahrer informiert. Sollte es zu einem Verkehrskollaps kommen, droht eine Dosierung des Verkehrs. Die Landesregierung Tirols rät für Samstag von nicht notwendigen Fahrten in dem österreichischen Bundesland ab. Der ADAC empfiehlt , dass Transitreisende nicht erst bis an die Grenzen Tirols fahren, sondern bereits vorher großräumig auf Alternativrouten ausweichen sollten. Selbst das Auswärtige Amt sah sich zu einem Reisehinweis  veranlasst: Es rät dazu, Tirol weiträumig zu umfahren oder Reisezeiten anzupassen. Es sei mit "massiven Staus und Wartezeiten vor den Sperrpunkten sowie verstärkten Verkehrskontrollen zu rechnen". Es drohen Rückstaus auf den Zubringerstrecken in Österreich und Süddeutschland sowie von der italienischen Seite aus in Richtung Österreich. Weil viele Reisende ihre Fahrt vermutlich verschieben werden, sei nicht nur am Freitag, sondern auch am Sonntag mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen in Richtung Süden zu rechnen. Für den 30. Mai und auch sonst gibt es auf der Fahrt nach Südtirol und anderen Zielen in Italien zumindest auf dem Papier Alternativen zum Brenner. Dazu zählen der Reschenpass, das Timmelsjoch in Österreich, der Gotthardtunnel und der San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz. Der Nachteil: Fast alle diese Routen sind deutlich mühsamer und zeitaufwendiger. Für den Bahnverkehr über den Brenner sind bisher keine Einschränkungen angekündigt. Mehrere Informationsseiten und Verkehrsverbände empfehlen daher die Bahn als Alternative zum Auto. Die Züge zwischen Deutschland und Italien sollen regulär fahren, empfohlen wird aber eine Sitzplatzreservierung. Für die Strecke von Innsbruck bis nach Franzensfeste auf der italienischen Seite benötigt der Zug 80 Minuten. Wer selbst gebucht hat, trägt das sogenannte Wegerisiko. Das heißt: Ist das Urlaubsziel grundsätzlich erreichbar – zum Beispiel mit der Bahn –, hat man keinen Anspruch auf die Erstattung für den ausgefallenen Tag im Hotel oder in der Ferienunterkunft. Ausnahmen sind denkbar, wenn der Urlaubsort gar nicht erreichbar ist. Dann könnte zumindest nach deutschem Recht die Vertragsgrundlage wegfallen und in Ausnahmefällen ist eine Vertragsauflösung denkbar, sodass der Urlauber gegebenenfalls einen Alternativurlaub planen und der Vermieter seine Unterkunft an andere Feriengäste vermieten könnte. Da aber die Brennerautobahn sowie die parallele Bundes- und Landesstraße wegen der lange angekündigten Demonstration für nur acht Stunden gesperrt sind, dürfte der Fall eher nicht eintreten. Zumal die meisten Unterkünfte, die man normalerweise über den wichtigen Alpenpass ansteuern würde, wohl auch über Alternativrouten wie den Reschenpass erreichbar sein dürften – auch wenn das ungleich länger dauern würde. Zusammengefasst: Wer wegen der Brenner-Blockade einen Tag eher abreist oder einen Tag später als gebucht anreist, bleibt vermutlich auf den Kosten für die ungenutzte Nacht sitzen – oder ist auf Kulanz von Vermieter oder Hotel angewiesen. Einfach nachfragen. Anders kann der Fall bei Pauschalreisen liegen. Der Ausfall einer Transportleistung im Rahmen des Pauschalreisepakets ist laut Paul Degott ein Reisemangel. Für den entgangenen Urlaubstag könnten Betroffene anteilig die Kosten zurückfordern. Beispiel: Bei einer siebentägigen Reise für 700 Euro wären das 100 Euro, wenn ein Tag ausfällt. Sind es zwei Tage, wären es 200 Euro. Fiele der Urlaub deshalb ganz ins Wasser, müsste der gesamte Reisepreis erstattet werden. Weitergehende Schadensersatzansprüche dürften aber nicht bestehen, weil den Reiseveranstalter nach Ansicht des Anwalts in dem Fall kein Verschulden an der fehlgeschlagenen Anreise treffen würde. Die Sperrung des Brennerkorridors sei demnach ein außergewöhnlicher Umstand. Nur wenn der Veranstalter schuldhaft Informationspflichten gegenüber dem Urlauber nicht nachgekommen sei – er also nicht über die Sperrung Bescheid gegeben hätte –, würden sich gegebenenfalls Haftungsansprüche ergeben. Grund für die Brenner-Blockade ist der Protest von Anwohnern gegen die seit Jahren wachsende Verkehrsflut. Die 15.000 Bewohner des Wipptales, von denen viele in unmittelbarer Nähe von der Autobahn und der Bundesstraße leben, leiden unter Lärm, Feinstaub und vielen Beeinträchtigungen im täglichen Leben durch häufige Staus auf allen Strecken. Fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen haben 2025 laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Bei den Lkw beträgt der Zuwachs seit 2010 rund 40 Prozent. Seit Inbetriebnahme der Brennerautobahn in den Sechzigerjahren hat sich das Verkehrsaufkommen laut Asfinag fast versiebenfacht. Ein Gericht hat nun erstmals eine Demonstration direkt auf der Autobahn genehmigt. Initiiert hat die Aktion der Bürgermeister der 1400-Seelen-Gemeinde Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, und damit für internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Mühlsteiger und seine Amtskollegen aus dem Wipptal übergaben der Tiroler Landespolitik einen Forderungskatalog. Darin verlangen sie unter anderem einen modernen Lärmschutz und höhere Transitgebühren für Lastwagen, damit die Nutzung des Brenners für den Warentransport künftig weniger attraktiv werde. Mit Material der dpa