Datum27.05.2026 12:40
Quellewww.spiegel.de
TLDREine groß angelegte Studie des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik mit über 28.500 Teilnehmern zeigt: Frauen und Männer finden Frauengesichter im Durchschnitt attraktiver als Männergesichter. Dieses Phänomen, "Gender Attractiveness Gap" genannt, ist kulturübergreifend und teilweise durch geschlechtstypische Gesichtsmerkmale erklärbar, aber nicht vollständig. Die Analyse deutet auf komplexe Zuschreibungen von Attraktivität hin, die biologische, individuelle und soziale Faktoren umfassen.
Inhalt"Das schöne Geschlecht" gibt es offenbar tatsächlich. Das jedenfalls legen die Ergebnisse einer groß angelegten Studie unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik nahe. Makellose Haut? Strahlend blaue Augen? Schwarze Haare? Die Frage, warum wir andere Personen schön finden, beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden. Eine neue Studie bestätigt die Annahme, dass es das oft beschriebene "schöne Geschlecht" tatsächlich gibt: Sowohl Frauen als auch Männer finden demnach die Gesichter von Frauen schöner. Das bestätigt eine groß angelegte Untersuchung unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) in Frankfurt am Main. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht. Mehr als 28.500 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer bewerteten im Rahmen der Untersuchung Gesichter von Männern und Frauen. Das internationale Forschungsteam sammelte nach eigenen Angaben mehr als 1,5 Millionen Gesichtsbewertungen aus einer Vielzahl von Ländern und Kulturen. Die Studie basiert somit auf dem bislang weltweit größten Datensatz zur Gesichtsattraktivität, heißt es von den Forschern. Die Ergebnisse zeigen der Studie zufolge ein klares Muster: Im Durchschnitt finden Menschen Frauengesichter attraktiver als Männergesichter. Die Autoren bezeichnen diesen Effekt als "Gender Attractiveness Gap", kurz GAP, was übersetzt so viel heißt wie "Geschlechter-Attraktivitäts-Abstand". Dieser GAP zeige sich konsistent über alle Altersgruppen, kulturelle Hintergründe und Regionen. "Besonders interessant ist, dass Frauen andere Frauen deutlich attraktiver bewerten als Männer, während männliche Gesichter von beiden Geschlechtern ähnlich – und insgesamt relativ niedrig – bewertet werden. Der Unterschied besteht also nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch innerhalb derselben Geschlechtsgruppe", sagte der Hauptautor der Studie , Eugen Wassiliwizky. Das Team stellte zudem fest, dass dieser Effekt bei der Selbsteinschätzung verschwindet: Männer und Frauen unterscheiden sich nicht darin, wie sie ihre eigene Attraktivität bewerten. Die Analysen deuten außerdem darauf hin, dass Männer tendenziell strenger urteilen als Frauen. Um die Ursachen der Beobachtung besser zu verstehen, untersuchten die Forscher auch bestimmte Gesichtsmerkmale. Mithilfe von Methoden zur Erfassung der Gesichtsstruktur bewerteten die Wissenschaftler, wie feminin oder maskulin ein Gesicht ist. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Unterschiede in diesen geschlechtstypischen Gesichtsmerkmalen einen wesentlichen Teil des "Gender Attractiveness Gap" erklären. Der wahrgenommene Unterschied in der Attraktivität von Frauen und Männern sei "ein robustes und weitverbreitetes Phänomen", sagte Wassiliwizky. "Er lässt sich teilweise durch Unterschiede in der Gesichtsstruktur erklären, aber nicht vollständig." Die Forscher schlussfolgern aus den Daten, dass die Beurteilung von Attraktivität nicht einfach eine Frage des individuellen Geschmacks ist. Vielmehr gehe es um eine Kombination aus biologischen Merkmalen, individuellen Bewertungsmustern und sozialen Einflüssen. Der GAP weise auf systematische Unterschiede in der Wahrnehmung von Männern und Frauen hin, ein Phänomen, das seit Langem diskutiert, aber bisher nicht empirisch nachgewiesen worden sei, heißt es. Die Beauty-Branche boomt, die Zahl ästhetischer Eingriffe steigt, noch nie spielte Schönheit eine so große Rolle. Wie ein Hype die Gesellschaft verändert, lesen Sie hier.