Datum27.05.2026 07:16
Quellewww.zeit.de
TLDRKlimaforscherin Friederike Otto erklärt im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage", dass die Welt trotz physikalischer Probleme durch den Klimawandel noch zu retten ist. Die Erwärmung von 1,4 Grad kann durch fehlende Maßnahmen auf 2,6 Grad steigen, mit dramatischen Folgen. Otto erläutert ihre Methode der Zuordnungsforschung, die den menschengemachten Klimawandel bei Extremwetterereignissen nachweist. Sie betont, dass ein Stopp fossiler Brennstoffe die Erwärmung stoppt und Klimaschutz für Lebensqualität entscheidend ist. Bekannte und günstige Maßnahmen wie erneuerbare Energien sind verfügbar.
InhaltDie Klimaforscherin Friederike Otto erklärt, warum die Welt physikalisch betrachtet ein Problem hat – und warum es trotzdem nicht zu spät ist. Im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. In dieser Folge von Nur eine Frage stellen wir der Klimaforscherin Friederike Otto die Frage: "Ist die Welt noch zu retten?" Friederike Otto ist eine der international einflussreichsten Klimaforscherinnen. Otto ist Physikerin und promovierte Philosophin, hat in Potsdam und Berlin studiert, in Oxford geforscht und ist heute Professorin für Klimawissenschaften am Imperial College in London. Sie ist Mitbegründerin der sogenannten Zuordnungsforschung (Attribution Science), die den Zusammenhang zwischen Extremwetterereignissen und Klimawandel untersucht. Otto hat auch die Forschungsinitiative World Weather Attribution (WWA) mit ins Leben gerufen und an mehreren Berichten des Weltklimarats (IPCC) mitgeschrieben. 2023 erhielt sie den Deutschen Umweltpreis. Im Podcast erklärt Friederike Otto zunächst die physikalischen Grundlagen des Klimawandels und warum die Welt aus wissenschaftlicher Perspektive deswegen ein großes Problem hat: Derzeit liegt die globale Erwärmung bei etwa 1,4 Grad. Selbst wenn alle versprochenen Klimamaßnahmen umgesetzt würden, käme die Welt bis Ende des Jahrhunderts auf etwa 2,6 Grad – mit dramatischen Folgen: "Wir werden Temperaturen und Niederschläge erleben, die wir uns im Moment nicht vorstellen können", sagt Otto. Am Beispiel der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 erläutert die Klimawissenschaftlerin ihre Methode der Zuordnungsforschung und zeigt, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Welt mit Klimawandel gegen eine hypothetische Welt ohne Klimawandel rechnen. Das Ergebnis: Der menschengemachte Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit eines solchen Extremereignisses verdoppelt. Dennoch sieht Otto Grund zur Hoffnung: "Wenn wir aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen, dann hört die globale Mitteltemperatur auf zu steigen." Sie kritisiert den Einfluss der fossilen Industrie auf die Politik und dass die Debatte zu oft als Verzichtsdiskussion geführt werde. Dabei sei Klimaschutz für weitaus mehr bedeutsam: für ein zugängliches Gesundheitswesen, starke Institutionen und um gute Bildung zu ermöglichen und zu bewahren. "Beim Klimawandel geht es nicht nur darum, eine abstrakte Umwelt zu schützen, sondern eine hohe Lebensqualität für viele Menschen zu erreichen." Die dafür nötigen Maßnahmen – Ausbau erneuerbarer Energien, bessere Gebäudeisolierung, öffentlicher Nahverkehr – seien längst bekannt und günstiger als fossile Alternativen. Ottos abschließende Antwort auf die N1F-Frage ist: Ja, die Welt ist noch zu retten. "Wir als Menschheit verbocken zwar immer wieder viel, aber wir haben auch viele tolle Sachen erfunden, die das Leben für viele deutlich besser gemacht haben." Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Sophie Hübner, Jens Lubbadeh, Sophia HubelVisuelle Produktion: Michael Pfister Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter.Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.