Datum27.05.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRHamburgs Olympia-Bewerbung motiviert den Senat, dessen Infrastrukturprojekte ohne die Spiele keine Chance hätten. Die Stadt muss zur Salzgrotte werden, da sie in puncto Infrastruktur und Organisation Defizite aufweist. Bis 2030 werden 1,4 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen erwartet. Die U5-Verlängerung bis zum Osdorfer Born ist bis 2040 geplant. Das IW-Gemeindecheck platziert Hamburg auf Rang 19. Die Wohnungsfertigstellung sinkt um 28 Prozent. Ein Zugunglück im Hafen führte zu vorübergehenden Sperrungen. Der Iran-Krieg verteuert Safran.
InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – Mit weniger Steuereinnahmen als erwartet, kostbarem Safran aus dem Iran und 5.976 neuen Wohnungen natürlich haben Sie den Termin längst auf dem Zettel: Am Sonntag sind Sie aufgerufen, über die geplante Bewerbung Hamburgs als Olympia-Austragungsort abzustimmen. Heute ist die letzte Möglichkeit, per Briefwahl mitzumachen. In einem Punkt finde ich die Hamburger Olympia-Pläne uneingeschränkt gut: Ohne sie hätten wir wohl nie erfahren, mit wie viel Verve und Vehemenz sich der amtierende Senat für eine Idee ins Zeug legen kann, wenn er nur will. Es ist sogar so viel Vehemenz, dass man sich fragt, wo die denn bei all den anderen Projekten war, von denen es hieß, sie seien uns wichtig (ich sage nur: Verkehrswende, Klimawende, Wohnungs-Offensive, ja ok, ich höre schon auf). Dass der Senat in Olympia derart verschossen ist, ist verständlich. Ein offizieller Zuschlag für Olympische Spiele wäre genau das Wunder, das er bräuchte, um – mit viel Geld und noch mehr Schubkraft von außen – Hamburgs zentrale Infrastrukturprojekte (und damit auch: die eigenen politischen Ziele) doch noch irgendwie zu schaffen (Z+). Ohne Olympia? Keine Chance. Deshalb muss die Idee selbst aber nicht schlecht sein. In seiner Geschichte hat Hamburg von jenen Entscheidungen häufig am meisten profitiert, die dem Großteil der Bevölkerung anfangs als außerordentlich dumme Idee erschienen (ich sage nur: Elbphilharmonie). Und ich bin mir sicher, hätte man im 8. Jahrhundert abstimmen lassen, ob man auf der damals recht sumpfigen Wiese am heutigen Speersort eine Siedlung errichten soll, hätte der Großteil der Beteiligten gesagt: Spinn mal nicht. Was mich betrifft, ich halte Olympische Spiele in Hamburg noch aus einem anderen Grund für lohnend. Ich, ganz persönlich, finde Hamburg aus ganzem Herzen wunderbar. Bisher allerdings ist man in dieser Stadt nicht einmal in der Lage, eine einzelne Straße zu sperren, ohne dass überall sonst der Verkehr zusammenbricht (ich sage nur: OMR). Und das letzte anspruchsvollere Bauprojekt der Stadt musste nach ein paar Jahren Baustelle wieder zugeschüttet werden (Z+). Damit Hamburg olympisch werden kann, müsste es schleunigst fitter werden. Wie sagt man beim Marathon: Der Weg ist das Ziel. Und ob man sich für das Turnier qualifiziert, ist für die Motivation beim Training ja erst mal zweitrangig. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Florian Zinnecker Hamburg nimmt bis 2030 1,4 Milliarden Euro weniger Steuern ein als bislang erwartet. Das sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am Dienstag. Ein Grund sei, dass die Stadt höhere Zahlungen in den Länderfinanzausgleich leisten müsse als gedacht. Die Linken-Bürgerschaftsfraktion hingegen sieht als Grund für die Mindereinnahmen unter anderem die Absenkung der Körperschaftsteuer. Insgesamt aber steigen laut der aktuellen Berechnungen die Steuereinnahmen von knapp 16,6 Milliarden Euro in diesem Jahr auf fast 18,5 Milliarden Euro im Jahr 2030. Die künftige Strecke der U5 steht fest. Die Verlängerung von den Arenen im Volkspark bis zum Osdorfer Born soll in Lurup über den Eckhoffplatz führen. Das sagten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und der U5-Geschäftsführer Klaus Uphoff gestern im Rathaus. Die ersten U-Bahnen in den Osdorfer Born sollen demnach 2040 fahren. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat untersucht, wie gut Gemeinden mit Ärzten, Schulen, schnellem Internet und anderen Infrastruktur-Angeboten versorgt sind. In seinem "IW-Gemeindecheck Daseinsvorsorge" wurden 11.000 Gemeinden in Deutschland untersucht. Hamburg belegt dabei Platz 19, an der Spitze steht die Stadt Haar bei München. In Hamburg wurden 2025 nur 5.976 neue Wohnungen fertiggestellt – das sind 28 Prozent weniger als im Vorjahr. 5.672 der Wohnungen entstanden in neuen Häusern, 349 wurden in bestehende Gebäude integriert. Bundesweit sank die Zahl der neu gebauten Wohnungen um 18 Prozent auf rund 206.600. Zwei Züge der Hamburger Hafenbahn sind gestern nahe dem Containerterminal Altenwerder frontal zusammengestoßen. Teile des Hamburger Hafens waren aufgrund der Bergungsarbeiten zeitweise nicht erreichbar. Ausmaß und Ursache der Kollision waren laut Hafenbehörde zuletzt noch unklar, doch verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Safran kommt meist aus dem Iran. Durch den Krieg wird das Gewürz noch knapper und teurer. Darunter leidet auch der Hamburger Gewürzhändler Christoph Hantke. ZEIT-Autorin Kristina Läsker hat ihn gesprochen, lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Artikel: Jeden Oktober öffnen sich im Nordosten des Iran die Blüten des Crocus sativus. Die weiten Felder auf der Hochebene nahe der Grenze zu Afghanistan und Turkmenistan sind dann violett gesprenkelt. "Das sieht unglaublich schön aus", schwärmt Christoph Hantke. Der 55-Jährige handelt in Hamburg mit Gewürzen, er hat die Krokusernte selbst erlebt. Denn die Pflanzen liefern eines der teuersten Gewürze der Welt: Safran. Der hohe Preis entsteht durch viel Handarbeit und begrenzte Erntemengen: Die lila Blüten öffnen sich nur für wenige Tage, genau dann müssen sie gepflückt werden. "Es ist nicht möglich, das maschinell zu machen", erklärt Hantke. Bevor die Blüten verwelken, zupfen Erntehelfer die dunkelroten Fäden, die sogenannten Narbenschenkel, mit der Hand heraus. Aus diesen wenigen Fäden wird das Gewürz gewonnen. Das sei mühsam, sagt Hantke. Für ein Kilo sind mehr als 80.000 Blüten nötig. Hantke arbeitet seit fast 20 Jahren als Gewürzhändler, ebenso lange importiert er schon Safran aus dem Iran. Geschätzt stammen von dort etwa 90 bis 95 Prozent der weltweit angebauten Menge. In guten Jahren erwirbt Hantke etwa 100 bis 150 Kilo. Doch dieses Jahr könnte sich das ändern. Ende Februar attackierten Israel und die USA mehrere Ziele in Irans Hauptstadt Teheran. Die Regierung reagierte mit Gegenangriffen. Seither kommt die Region kaum zur Ruhe, und der Handel ist gestört. "Seit Ende Februar kommt so gut wie kein Safran mehr in Deutschland an", sagt Hantke. Hamburg ist einer der großen Umschlagplätze für Gewürze weltweit, doch hier leeren sich die Lager. "Safran wird aktuell knapper." Der Grund: Der Flugverkehr zwischen Iran und Europa ist eingeschränkt, das erschwert die Transporte. Das Gewürz ist empfindlich und extrem leicht – deswegen wird es meist nach Europa geflogen. Das geht schneller als per Schiff. Außerdem sinkt bei Flügen das Risiko von Verderben und Diebstahl. "Lkw-Transporte mit Gewürzen werden oft überfallen", erzählt Hantke. Weil die Ware knapper wird, klettern jetzt auch die Preise. Er habe vor dem Krieg pro Kilo etwa 5.300 Euro gezahlt, sagt Hantke. Safran aus Spanien werde ihm nun für 8.000 bis 9.000 Euro angeboten. "Killerpreise" seien das. Wie Christoph Hantke Kontakt in den Iran hält, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung des Texts. → Zum Artikel (Z+) Für viele gelten sie als Plage und "Ratten der Lüfte". ZEIT-Autorin Laura Ewert war einen Tag mit Leuten unterwegs, die sehr viel Zeit und Geld aufbringen, um Stadttauben zu schützen. → Zum Artikel (Z+) Der Kammerchor St. Pauli lädt zum "Nocturne" mit dem Pianisten Jason Ponce unter der Leitung von Tina Schneeweiß in die St. Pauli Kirche. In diesem Konzert werden Werke von Elder, Lauridsen, J.S. Bach, Beethoven, Chopin und anderen vorgetragen. "Nocturne", St. Pauli Kirche, Pinnasberg 80; Eintritt frei Vier junge Menschen warten an der U-Bahn Lübecker Straße und plaudern übers erste eigene Zuhause. Einer sagt traurig: "Meine Katzen vermisse ich mehr als meine Eltern." Eine Freundin antwortet trocken: "Ist doch klar — mit deinen Eltern kannst du ja telefonieren." Gehört von Nelly Bubenheim Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.