Datum27.05.2026 04:09
Quellewww.spiegel.de
TLDRRussland erlaubt Banken und künftig auch anderen Firmen, eigene Drohnenabwehrsysteme zu betreiben und Personal zu bewaffnen. Staatliche Beteiligung an den Kosten entfällt. Diese Maßnahme ist eine Reaktion auf zunehmende ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ziele, insbesondere Energieinfrastruktur. Die Ukraine zielt damit darauf ab, Russlands Kriegseinnahmen zu reduzieren. Die Angriffe reichen teilweise weit ins Landesinnere und bereiten Russland aufgrund begrenzter Abwehrkapazitäten Probleme.
InhaltDer Ukraine gelingen regelmäßig wirksame Drohnenangriffe auf Ziele in Russland. Banken dürfen nun bewaffnete Einheiten zur Abwehr unbemannter Fluggeräte aufstellen. An den Kosten beteiligt sich der russische Staat jedoch nicht. Russland erlaubt der Zentralbank und anderen Finanzinstituten per Gesetz den Abschuss von Drohnen in Eigenregie. Das geht aus einem Dokument der Staatsduma hervor. Demnach dürfen die Notenbank, die Sberbank und der russische Geldtransportverband künftig eigene Abwehrsysteme betreiben und ihr Personal bewaffnen. Ein Einsatz von Spezialkräften ist dafür nicht mehr nötig. Die Institute tragen die Kosten für die Abwehr selbst, wie der Leiter des Duma-Finanzausschusses, Anatoli Aksakow, dem Nachrichtenportal RBC sagte. Der Chef des russischen Unternehmensverbandes, Alexander Schochin, teilte Präsident Wladimir Putin zudem mit, dass auch andere Firmen den Kauf schwerer Waffen zum Schutz ihrer Infrastruktur finanzieren wollten. Die Ukraine greift Russland seit Moskaus groß angelegter Invasion im Februar 2022 regelmäßig mit Drohnen an. Manche Angriffe reichen weit ins Innere Russlands, etwa in die Region Jaroslawl, nordöstlich von Moskau. Auch Moskau selbst war schon Ziel ukrainischer Drohnen. Die immer großflächigeren ukrainischen Attacken bereiten Russland Probleme, weil nur begrenzt viele Abwehrsysteme zur Verfügung stehen – mehr dazu hier . Häufig nimmt die Ukraine die russische Energieinfrastruktur ins Visier genommen, weil das Land Moskau die Einnahmen entziehen und so den Krieg beenden will. Zuletzt hatte die Ukraine unter anderem den russischen Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer attackiert. Russischen Behördenangaben zufolge brachen in der Folge mehrere Feuer in einem Öldepot aus. Am Hafen der Stadt Noworossijsk in der südrussischen Region Krasnodar wird rund ein Fünftel der Rohöllieferungen des Landes abgewickelt. Es handelt sich um den größten Exportknotenpunkt Russlands am Schwarzen Meer. Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte zu dem Drohneneinsatz gegen die Anlage: "Gerade Öl und Gas haben Russland so arrogant gemacht, dass es sich heute erlaubt, in der modernen Welt Krieg zu führen und weiterhin alle anderen zu bedrohen." Er kündigte weitere Schläge gegen russische Ziele mit den neuartigen Langstrecken-Drohnen an. Am 22. Mai war bei einem ukrainischen Drohnenangriff nach russischen Behördenangaben ein Hochschulgebäude in Luhansk getroffen worden. Dabei soll ein fünfstöckiges Studierendenwohnheim in der Stadt Starobilsk eingestürzt sein. Die russische Seite berichtete von 18 Getöteten und 42 Verletzten. Russlands Präsident Wladimir Putin warf der Ukraine einen Terrorakt vor und startete kurz danach massive Angriffe auf Kyjiw. Kyjiw erklärte dagegen, der Angriff habe sich nicht gegen Zivilisten, sondern gegen ein Militärhauptquartier gerichtet. Das Quartier einer russischen Militäreinheit befinde sich "im Gebiet der Stadt Starobilsk", erklärte der ukrainische Generalstab am Freitag. "Die Ukraine führt Angriffe gegen militärische Infrastrukturen und Einrichtungen durch, die für militärische Zwecke genutzt werden, und hält sich dabei strikt an die Vorgaben des humanitären Völkerrechts", erklärte der Generalstab weiter.