Rätselhafte Unterwelt: Ein «verborgenes Juwel» wird vermessen

Datum27.05.2026 03:30

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Zweibrücken werden Vermessungsarbeiten im historischen Himmelsbergstollen durchgeführt. Ziel ist die Erfassung der komplexen unterirdischen Anlage, einem mittelalterlichen Steinbruch und Luftschutzraum aus dem Zweiten Weltkrieg. Erste Ergebnisse liegen vor, die vollständige Auswertung wird im Herbst erwartet. Langfristig wird eine Sicherung und mögliche öffentliche Zugänglichmachung des als "verborgenes Juwel" bezeichneten Stollens erwogen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Rätselhafte Unterwelt“. Lesen Sie jetzt „Ein "verborgenes Juwel" wird vermessen“. Im imposanten Himmelsbergstollen unter der Stadt Zweibrücken laufen die Untersuchungen zur Sicherung der historischen Anlage. Anfang des Jahres seien dort 3D-Messungen vorgenommen worden, teilte die pfälzische Stadt mit. Ziel sei es, die weit verzweigte unterirdische Struktur zu erfassen und eine Grundlage für mögliche Sicherungsmaßnahmen zu schaffen. "Aktuell liegen lediglich erste Vorergebnisse vor", sagte Stadtsprecher Jens John auf Anfrage. Diese würden derzeit von einem Vermessungsbüro in enger Abstimmung mit dem Hohlraumforscher Bernhard Häck vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ausgewertet und konkretisiert. Nach Angaben der Stadt sollen die noch ausstehenden Vermessungsarbeiten im Laufe des Sommers abgeschlossen werden. Die darauf aufbauende Auswertung werde voraussichtlich im Herbst vorliegen. Erst danach könne über das weitere Vorgehen und mögliche Maßnahmen entschieden werden. Der Himmelsbergstollen gilt als kulturhistorisch bedeutende Anlage. Nach einer früheren Einschätzung des Experten Häck handelt es sich um einen mittelalterlichen unterirdischen Steinbruch mit mehreren Ebenen und Dutzenden Schächten. Die gigantische Anlage sei ein Unikat. Mehr als 40 Räume wurden bislang gezählt, einige davon bis zu zehn Meter hoch. Sichtbare Bearbeitungsspuren im Sandstein zeugen vom jahrhundertealten Abbau des begehrten Burgsandsteins. Wer die Anlage ursprünglich schuf, ist unklar. Im Zweiten Weltkrieg diente der Stollen als Luftschutzraum. Nach Angaben der Stadt überlebten dort während der Bombennacht vom 14. März 1945 auch Teile der Verwaltung und eine Notklinik. Danach geriet der Stollen in Vergessenheit. Heute ist die Anlage aus Sicherheitsgründen gesperrt. Zugleich gibt es Überlegungen, den unterirdischen Komplex langfristig zu sichern und möglicherweise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) bezeichnete den Himmelsbergstollen einst als "verborgenes Juwel" der Stadtgeschichte. Neben seiner historischen Bedeutung ist der Stollen auch Lebensraum geschützter Tiere wie Fledermäuse und Bergmolche. Die besondere Akustik und die weitläufigen Gänge nährten in der Vergangenheit zudem Ideen für kulturelle Nutzungen - etwa Konzerte oder Veranstaltungen unter Tage. © dpa-infocom, dpa:260527-930-132956/1