Datum26.05.2026 16:49
Quellewww.spiegel.de
TLDRUdo Dinglreiter, Präsident von Gesamtmetall, warnt vor einem drohenden Stellenabbau von 300.000 Jobs in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Die Branche zählt rund zwei Drittel der deutschen Industrie und leidet unter der schwachen Konjunktur sowie gestiegenen chinesischen Investitionen in der EU, die Deutschland meiden. Dinglreiter kritisiert, dass die Regierung bisher keine ausreichenden Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ergriffen habe und sieht die Gefahr, mehr Arbeitsplätze als nach der Wiedervereinigung zu verlieren. Die DIHK bestätigt die negativen Konjunkturaussichten und plant jeden vierten Betrieb Personalabbau.
InhaltDie schwache Konjunktur macht vor dem Arbeitsmarkt keinen Halt. Die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland könnte Hunderttausende Jobs verlieren. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall schlägt Alarm. In der deutschen Industrie droht ein großflächiger Stellenabbau. Die Lage der Metall- und Elektroindustrie – zu der rund zwei Drittel der deutschen Industrie zählen – sei "dramatisch", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Udo Dinglreiter, dem "Handelsblatt". "Seit 2019 haben wir rund 300.000 Jobs abgebaut und liegen jetzt unter 3,8 Millionen – wir laufen Gefahr, weitere 300.000 zu verlieren." Das wären dann "noch weniger Arbeitsplätze in der M&E-Industrie als zum tiefsten Stand nach der Wiedervereinigung". "Besorgniserregend" für Deutschland könnten die zuletzt deutlich gestiegenen chinesischen Investitionen in die EU sein, sagte Dinglreiter. Denn der Großteil fließe nicht nach Deutschland, sondern in andere EU-Länder. "So entstehen die Arbeitsplätze nicht hier, dafür aber neue Wettbewerber mit günstigeren Konditionen und Marktzugang." Das von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angesetzte Treffen mit den Sozialpartnern am 10. Juni sieht der Gesamtmetall-Präsident skeptisch: "Es ist nur sinnvoll, wenn alle Parteien echten Lösungswillen haben. Wenn nicht, verlieren wir nur wertvolle Zeit: Es ist dringende Aufgabe der Koalition, jetzt ein Paket umzusetzen, das die Wettbewerbsfähigkeit verbessert." Andernfalls "werden weiter Arbeitsplätze abgebaut, mehr Prozesse verlagert, weniger Steuern und Sozialabgaben bezahlt – das ist eine Spirale nach unten", warnte Dinglreiter. Die ohnehin geschwächten Unternehmen in Deutschland leiden besonders unter den wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs, so die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). Laut einer DIHK-Umfrage ist das auch am Arbeitsmarkt deutlich zu spüren: Knapp ein Viertel der befragten Betriebe plant, Personal abzubauen, während nur jeder Zehnte mehr Beschäftigte einstellen möchte – der niedrigste Wert seit der Pandemie. War es das jetzt mit dem Aufschwung? Krieg, Ölpreis, Zölle – die Hoffnung auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft schwindet. Lesen Sie hier , wie die Unsicherheit über die Weltlage zum Konjunkturrisiko gerät.