Datum26.05.2026 14:25
Quellewww.spiegel.de
TLDRBP trennt sich von seinem Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold wegen "inakzeptabler" Versäumnisse und Verhaltensprobleme. Die EU-Kommission genehmigte derweil den Verkauf der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch-Gruppe, trotz bedenklicher Unternehmensstrukturen der Käufer.
InhaltBP entbindet seinen bisherigen Chef Albert Manifold von allen Aufgaben – und macht ihm Vorwürfe. Die EU-Kommission genehmigt derweil den umstrittenen Verkauf der Gelsenkirchener Konzernraffinerie an die Klesch-Gruppe. Der Mineralölkonzern BP hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold getrennt. Das Unternehmen begründete dies mit "inakzeptablen" Versäumnissen bei der Unternehmensführung sowie Verhaltensproblemen, wie es in einer Konzernmitteilung heißt. Manifold war erst im Oktober in das Amt berufen worden. Er hatte sich für eine schnellere Rückkehr zu Investitionen in Öl und Gas eingesetzt. Als Grund für die Trennung nannte das Unternehmen "schwerwiegende Bedenken", die gegenüber dem Verwaltungsrat in Bezug auf wichtige Governance-Standards, Aufsicht und Verhalten geäußert worden seien. Das Gremium habe einstimmig entschieden, dass Manifold mit sofortiger Wirkung nicht mehr Vorsitzender und Direktor des Verwaltungsrats sein solle. Die BP-Aktie verlor nach den Neuigkeiten zeitweise mehr als neun Prozent an Wert. "Albert hat dazu beigetragen, der Transformation von BP die nötige Aufmerksamkeit und Dynamik zu verleihen", sagte das unabhängige Verwaltungsratsmitglied Amanda Blanc laut Mitteilung. Die vorgeworfenen Versäumnisse bei der Unternehmensführung und Verhaltensprobleme hätten den Verwaltungsrat "überrascht und enttäuscht". Der Energiekonzern teilte mit, dass er Ian Tyler zum Interimsvorsitzenden ernannt habe, während die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger beginne. Für BP in Deutschland fällte die EU-Kommission am Dienstag zudem eine Entscheidung: Der Mineralölkonzern darf aus EU-Sicht seine Raffinerie in Gelsenkirchen an den Raffineriebetreiber Klesch-Gruppe verkaufen. Es gebe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken gegen einen Zusammenschluss, teilte die Brüsseler Behörde mit. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte nach SPIEGEL-Informationen ebenfalls eine Prüfung des Verkaufs der Raffinerie begonnen . Hinter der auf Malta ansässigen Klesch-Gruppe steckt ein undurchsichtiges Firmenkonstrukt in der Steueroase Jersey. Der Staat kann unter bestimmten Voraussetzungen den Erwerb von Firmen durch nicht-europäische Investoren untersagen. Die Raffinerie Gelsenkirchen ist eine der größten Deutschlands. Der aus zwei Standorten bestehende Komplex kann jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten. Hergestellt werden vor allem Kraftstoffe für den Straßen- und Luftverkehr. Die Klesch‑Gruppe des US-Amerikaners A. Gary Klesch betreibt in Europa bisher zwei Ölraffinerien: die Raffinerie Heide im schleswig-holsteinischen Kreis Dithmarschen und eine Raffinerie im dänischen Kalundborg.