Datum26.05.2026 12:30
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Gesundheitsministerium erwägt eine Anhebung des Beitragszuschlags für Kinderlose in der Pflegeversicherung um 0,1 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent. Dies ist Teil einer geplanten Reform zur Schließung eines Milliardenlochs in der Pflegeversicherung. Aktuell zahlen Kinderlose 0,6 Prozent, Versicherte mit Kindern zahlen gestaffelte Beiträge. Spitzenverbände und Kassen warnen vor drohender Zahlungsunfähigkeit und betonen die Notwendigkeit schneller Maßnahmen.
InhaltIn der Pflege droht ein Milliardenloch, Gesundheitsministerin Nina Warken will deshalb die Pflegeversicherung reformieren. Ein möglicher Baustein wird jetzt diskutiert. Der Beitragssatz für Kinderlose könnte weiter steigen. Zur Sanierung der schwer angeschlagenen gesetzlichen Pflegeversicherung ist offenbar eine Erhöhung im Gespräch. Ein entsprechender Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland wurde der Nachrichtenagentur dpa aus Koalitionskreisen bestätigt. Demnach erwägt Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bei der Reform der Pflegeversicherung, den Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte auf dann 0,7 Prozent anzuheben. Warkens Ministerium wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen, sondern verwies auf ein kommendes Gesamtkonzept. Wann dies vorgelegt wird, blieb offen. Laut RND liefe die Idee darauf hinaus, dass Versicherte ohne Kinder ab einem Alter von 23 Jahren insgesamt einen Beitragssatz von 4,3 Prozent zahlen. Bei Versicherten mit Kindern bliebe es demnach bei den bisherigen Sätzen von 3,6 Prozent (ein Kind), 3,35 Prozent (zwei Kinder) beziehungsweise 3,1 Prozent (drei Kinder). Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung, der auch für die Pflegekassen zuständig ist, hatte von wachsenden Finanzlöchern berichtet. Für dieses Jahr rechnet der Verband mit einem Defizit von einer Milliarde Euro. Der Vorstandschef der großen Krankenkasse DAK, Andreas Storm, warnt eindringlich vor den Folgen. "Die gesetzliche Pflegeversicherung ist ein Notfallpatient, der schnelle Rettungsmaßnahmen benötigt", sagte Storm der dpa. "Passiert nichts, brauchen mehrere Pflegekassen kurzfristig Finanzhilfen, um die Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden." Noch in diesem Jahr seien steigende Kosten für Versicherte denkbar, fügte er hinzu: "Angesichts des neuen aktuellen Milliardendefizits ist auch eine Beitragserhöhung von bis zu 0,2 Prozentpunkten in der zweiten Jahreshälfte zu befürchten." Der Bund müsse "den Einstieg in die Rückzahlung der Coronahilfen in Höhe von 5,2 Milliarden Euro schaffen", meinte Storm. Dabei geht es um Mehrkosten, die während der Pandemie von den Pflegekassen getragen wurden, aber aus deren Sicht aus Steuermitteln beglichen werden sollten. Für die Pflegereform forderte Storm einen neuen Anlauf nach der Sommerpause. "Die bislang bekannt gewordenen Reforminhalte würden die Pflegekrise nicht lösen, sondern weiter verschärfen", meinte der frühere CDU-Gesundheitspolitiker. Warkens Sparpaket trifft alle Akteure im System – allerdings unterschiedlich hart. Wie sinnvoll sind die wichtigsten Vorschläge? Und was fehlt? Die Analyse lesen Sie hier .