Datum26.05.2026 12:25
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie DIHK senkt die Konjunkturprognose für 2026 auf 0,3% und warnt vor einer Doppelkrise. Deutsche Unternehmen leiden unter den wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs, insbesondere gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen. Diese verschärfen bestehende Strukturschwächen wie hohe Arbeitskosten und Bürokratie. Die Lage wird als ähnlich schlecht wie während der Coronapandemie bewertet, mit negativen Auswirkungen auf Investitionen und den Arbeitsmarkt.
InhaltDie ohnehin geschwächten Unternehmen in Deutschland leiden besonders unter den wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs, so die Spitzenorganisation DIHK. Sie hat ihre Konjunkturprognose für 2026 deutlich gesenkt. Die Folgen des Irankriegs bekommen deutsche Unternehmer laut einer DIHK-Umfrage deutlich zu spüren: Die Geschäfte verteuern sich, die erhoffte Erholung wird weiter ausgebremst. Viele Betriebe blickten skeptisch nach vorn, hielten sich bei Investitionen zurück und strichen Jobs, heißt es zu der Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 23.000 Firmen. "Schon vor der aktuellen Krise waren die Unternehmen durch hohe Arbeitskosten, Energiepreise, Bürokratie und Steuern stark belastet", sagt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. "Die zuletzt massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise sind für viele Betriebe der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt." Kurz nach Kriegsbeginn kam es demnach nicht nur zu Preissprüngen bei Öl, Gas und Benzin, sondern auch bei Baumaterialien und Kunststoffen. "Der Kostendruck zieht sich inzwischen durch nahezu alle Wirtschaftszweige", berichtet Melnikov. "Viele Unternehmen können diese Belastung nicht mehr stemmen." Etwa 70 Prozent der Firmen nennen als größtes Geschäftsrisiko Energie- und Rohstoffpreise - zu Jahresbeginn waren es nur 48 Prozent. "Wir stecken in einer Doppelkrise", erklärte Melnikov. "Zu den Strukturproblemen in Deutschland kommen die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten hinzu – geschwächt durch drei Jahre Rezession und Stagnation fühlen sich viele an ihrer Belastungsgrenze." Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage so negativ wie zuletzt in der Coronapandemie: Mehr als jedes vierte Unternehmen bezeichnet seine Lage als schlecht, nur 23 Prozent als gut. Besonders angespannt ist die Situation im Handel: Hier ist laut DIHK für 35 Prozent die Lage schlecht. Auch die Aussichten der Unternehmen verdüstern sich: Ein Drittel rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit schlechteren Geschäften – acht Prozentpunkte mehr als zu Jahresanfang. Nur 13 Prozent schauen noch optimistisch in die Zukunft. Wie viele andere Organisationen und Wirtschaftsforschungsinstitute senkt die DIHK nun ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum vom Jahresbeginn für 2026 von 1,0 Prozent auf 0,3 Prozent. Die DIHK ist damit noch pessimistischer als die Bundesregierung. Diese hatte vor einem Monat ihre Konjunkturprognose halbiert und erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von 0,5 Prozent. An diesem Mittwoch stellen die Wirtschaftsweisen ihr Frühjahrsgutachten vor. Der Sachverständigenrat dürfte die Prognose ebenfalls deutlich senken. Im vergangenen November hatte das Expertengremium ein Wachstum von 0,9 Prozent erwartet. Die schlechte Stimmung drückt auch auf die Investitionen. Nur 22 Prozent der Unternehmen planen, ihre Budgets hier zu steigern, mehr als ein Drittel muss sie hingegen reduzieren. Wenn Betriebe investieren, dann tun sie dies hauptsächlich, um Maschinen, Anlagen oder Ausrüstung zu ersetzen – mit 70 Prozent sind das so viele wie nie zuvor. Investitionen, um Kapazitäten auszuweiten, liegen hingegen auf einem Tief, das zuletzt während der Finanzkrise 2008/2009 gemessen wurde. Auch Produktinnovation spielt bei Investitionen nur noch eine Nebenrolle. Die maue Lage belastet den Arbeitsmarkt. Knapp ein Viertel der befragten Betriebe plant Personal abzubauen, während nur jeder zehnte mehr Beschäftigte einstellen möchte – der niedrigste Wert seit der Pandemie. War es das jetzt mit dem Aufschwung? Lesen Sie hier: Krieg, Ölpreis, Zölle: Die Hoffnung auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft schwindet. Die Unsicherheit über die Weltlage gerät zum Konjunkturrisiko .