Datum26.05.2026 11:47
Quellewww.spiegel.de
TLDRIran hat einen mutmaßlichen israelischen Spion hingerichtet. Ungeachtet von Verhandlungen intensivierten die USA und Israel ihre Angriffe. Die USA griffen iranische Ziele an, während Israel im Gazastreifen und im Südlibanon gegen die Hisbollah operiert. Iran droht mit Vergeltung, die Revolutionswächter beanspruchen den Abschuss einer US-Drohne. Friedensverhandlungen dauern an, sind aber durch den Libanonkonflikt und Irans Forderung nach Einbeziehung dieses Schauplatzes erschwert.
InhaltDen Verhandlungen zum Trotz fliegen die USA neue Angriffe auf Iran, Israel attackiert Gaza und den Südlibanon. Teheran antwortet mit Drohungen – und will einen Agenten getötet haben, der für Israel spioniert haben soll. Iran hat nach eigenen Angaben einen Mann hingerichtet, der für Israel spioniert haben soll. Das berichtet die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf das Oberste Gericht des Landes. Es handelt sich demnach um einen Iraner, er sei wegen Spionage und "nachrichtendienstlicher Zusammenarbeit mit Israel" gehängt worden. In der Nacht auf Dienstag hatte sich der Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel erneut verschärft. Trotz Waffenruhe und laufenden Verhandlungen zur Beilegung des Kriegs hatte das US-Militär Ziele in Iran angegriffen. Im Süden des Landes wurden Raketenstellungen getroffen und im Bereich der Straße von Hormus Boote attackiert, die Minen in der Meerenge verlegen sollten. Die Angriffe gelten "der Selbstverteidigung", hieß es von den US-Streitkräften. Die iranischen Revolutionswächter behalten sich nach eigenen Angaben das Recht auf Vergeltung vor. Dies sei "rechtmäßig und gewiss", hieß es in der Erklärung. Zudem melden die Garden, dass Luftabwehreinheiten eine US-Drohne des Typs MQ-9 abgeschossen hätten. Sie hätten außerdem das Feuer auf einen Kampfjet eröffnet, der in den iranischen Luftraum eingedrungen sei. Die Revolutionswächter sind die ideologische Armee Irans und eine wichtige Stütze der Islamischen Republik. Trotz der jüngsten Eskalation sollen die Friedensverhandlungen weitergehen. Diese könnten sich laut US-Außenminister Marco Rubio aber noch etwas hinziehen. Es gebe in Katar derzeit Gespräche über die genaue Formulierung, was noch einige Tage dauern könne, sagte er. Zu den jüngsten US-Angriffen in Iran erklärte Rubio, die Seewege müssten frei bleiben. "Die Meerengen müssen offen sein, sie werden auf die eine oder andere Weise offen sein", so Rubio. Ob und wie schnell es in Katar zu einer Einigung kommen kann, wird auch durch einen Nebenschauplatz des Irankriegs bestimmt: die aktuellen Geschehnisse im Libanon. Dort führt Israel ungeachtet der vereinbarten Waffenruhe mit Iran Militärschläge gegen die proiranisch Hisbollah-Miliz durch. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte am Montagabend eine nochmalige Verstärkung der Militäroffensive angekündigt. "Wir werden unsere Angriffe verstärken, unsere Feuerkraft vermehren, und wir werden sie zerschlagen", so Netanyahu. Die israelische Armee griff Ziele in der Bekaa-Ebene im Osten des Libanon an. Aus Sorge vor einer israelischen Offensive flohen libanesischen Sicherheitskreisen zufolge zahlreiche Menschen aus den südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut. Israel betrachtet diese Gebiete als Hochburg der Hisbollah. Nach libanesischen Angaben sind zwölf Menschen bei den israelischen Attacken getötet worden. Die Hisbollah wiederum griff nach eigenen Angaben mehrere Militäreinrichtungen im Norden Israels an. Es seien im Norden des Nachbarlandes drei Armee-Kasernen und ein Militärstützpunkt ins Visier genommen worden, erklärte die proiranische Miliz. Sie begründete ihre Angriffe mit "Verstößen gegen die Waffenruhe" durch die Gegenseite. Bei einem weiteren israelischen Luftangriff im Gazastreifen wurden palästinensischen Angaben zufolge mindestens fünf Menschen getötet. Eine israelische Drohne habe am Dienstag eine Rakete auf Bewohner des Flüchtlingslagers Maghasi abgefeuert, teilten Sanitäter mit. Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ali Khamenei feuerte die von Teheran unterstützte Hisbollah-Miliz Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Ziele im Süden des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Die Eskalation des Libanonkonflikts könnte am Ende Auswirkungen auf die Verhandlungen der USA zum Irankrieg haben: Teheran hat angekündigt, einem Friedensschluss nur zuzustimmen, wenn dieser auch für den Libanon gilt.