Datum26.05.2026 05:30
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Landjugend Niedersachsen lehnt ein pauschales Social-Media-Verbot für Jugendliche ab. Sie betont die Bedeutung digitaler Angebote für Teilhabe, Wissen und Vernetzung, besonders im ländlichen Raum. Gleichzeitig werden Risiken wie sexualisierte Gewalt und negative Auswirkungen auf Konzentration und Wohlbefinden anerkannt. Statt Verboten fordert die Landjugend mehr Medienkompetenz in Schulen und eine stärkere Verantwortung der Plattformen bei Jugendschutz. Eltern, Schulen und Politik seien ebenfalls gefordert.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Soziale Medien“. Lesen Sie jetzt „Landjugend in Niedersachsen gegen Social-Media-Verbot“. Die Landjugend in Niedersachsen spricht sich gegen ein pauschales Social-Media-Verbot für Jugendliche aus. "Gerade im ländlichen Raum ermöglichen digitale Angebote gesellschaftliche Teilhabe, einen niedrigschwelligen Zugang zu Wissen und sozialer Vernetzung", sagte der Vorsitzende des Landesverbands, Gerrit Ruschmeyer. Ein Verbot würde an der Lebensrealität junger Menschen vorbeigehen. Ehrenamtliches Engagement, Jugendverbandsarbeit und Bildungsangebote spielen ihm zufolge in den sozialen Medien eine wichtige Rolle. Gleichzeitig warnt der Verband vor den vieldiskutierten Risiken. Besonders besorgniserregend sei die zunehmende sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Deepfake-Pornos oder digitale Belästigung und Gewalt. Außerdem könne sich übermäßiger Social-Media-Konsum negativ auf die Konzentrationsfähigkeit und das psychische Wohlbefinden auswirken. "Medienkompetenz muss deshalb verbindlicher Bestandteil schulischer Bildung werden", sagte der stellvertretende Vorsitzende Marten Knust. Aus Sicht der Landjugend stehen neben den Eltern, den Schulen und der Politik aber auch die Plattformen selbst in der Pflicht, einen verantwortungsvollen Umgang mit den Sozialen Medien zu gewährleisten. Entscheidend sei nicht die Einführung weiterer Verbote, sondern die konsequente Umsetzung bestehender Vorgaben gegenüber den Plattformbetreibern. Gemeint sind unter anderem Altersverifikationen, Schutzmechaniken für Minderjährige oder auch Kontrollmöglichkeiten für Eltern. Zudem müssen laut Landjugend Kinder und Jugendliche besser davor geschützt werden, ungefragt in Gruppen hinzugefügt oder über Algorithmen mit unangemessenen Inhalten konfrontiert zu werden. Ein Social-Media-Verbot wird seit einiger Zeit in Politik und Gesellschaft diskutiert. Die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag forderte etwa eine Nutzung erst ab 14 Jahren. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) bezeichnete eine Altersbeschränkung bereits im vergangenen Jahr als "naheliegend und sinnvoll". Der Deutsche Ärztetag, der Mitte Mai in Hannover tagte, sprach sich für ein Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aus. Digitale Medien seien zwar fester Bestandteil des Alltags junger Menschen und böten Chancen für Bildung, Kommunikation und Teilhabe. Zugleich gebe es aber zunehmende gesundheitliche Risiken durch exzessive oder suchtartige Nutzung sozialer Medien, digitaler Spiele, Streaming-Angebote und anderer Plattformen, heißt es in einem Beschluss. Übermäßiger Medienkonsum könne sich negativ auf Sprachentwicklung, Aufmerksamkeit, Schlaf, motorische Entwicklung sowie die soziale und emotionale Reifung auswirken. © dpa-infocom, dpa:260526-930-128679/1