Russland droht mit Luftschlägen auf Kyjiw – Ukraine und EU geben sich unbeeindruckt

Datum26.05.2026 03:24

Quellewww.spiegel.de

TLDRRussland droht mit systematischen Luftschlägen auf Kyjiw und fordert zur Ausreise auf. Die Ukraine und die EU-Vertretung in Kyjiw bleiben jedoch unbeeindruckt und widersetzen sich dem Versuch Moskaus, Panik zu säen. Die EU-Vertretung wird in Kyjiw bleiben, betonte die Leiterin des EU-Büros, Katarina Mathernova. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief die Verbündeten auf, sich nicht auf russische Erpressung einzulassen. Moskau begründete seine Drohungen mit angeblichen ukrainischen Angriffen auf Zivilisten, die die Ukraine jedoch zurückwies. Die Drohungen folgen auf einen der schwersten Angriffe auf Kyjiw seit Beginn des Krieges vor mehr als vier Jahren.

InhaltDie Führung in Moskau plant neue Angriffe und fordert Ausländer und Diplomaten auf, Kyjiw schnellstmöglich zu verlassen. Die Reaktion in der ukrainischen Hauptstadt fällt allerdings eher reserviert aus. Ungeachtet massiver russischer Drohungen mit systematischen Angriffen auf Kyjiw wollen sich die Ukraine und die Vertretung der Europäischen Union (EU) in Kyjiw ​nicht einschüchtern lassen. Die EU wies russische Aufforderungen zurück, ihr diplomatisches Personal aus der ukrainischen Hauptstadt abzuziehen. ‌ Die EU-Vertretung werde in Kyjiw bleiben, betonte die Leiterin des dortigen EU-Büros, Katarina Mathernova. Russland wolle mit seinen Warnungen lediglich Panik säen und die Ukraine isolieren. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief die Verbündeten auf, sich der russischen Erpressung nicht zu beugen. Die Führung in Moskau hatte ​am Montag Ausländer sowie Diplomaten aufgefordert, Kyjiw so schnell wie möglich zu verlassen. Die russischen Streitkräfte ⁠würden systematische Schläge ⁠gegen militärische und politische Entscheidungszentren in der Hauptstadt beginnen, hieß es aus dem Außenministerium. Außenminister Sergej Lawrow rechtfertigte das Vorgehen in einem Telefongespräch mit seinem US-Kollegen Marco Rubio ‌als Reaktion auf ukrainische Angriffe gegen Zivilisten. Moskau verwies dabei ​auf einen Drohnenangriff auf ‌ein Studierendenwohnheim in Starobilsk in der von Russland kontrollierten Region Luhansk am Freitag. Dabei sollen 20 Zivilisten getötet worden sein, so die russische Seite (mehr hier). Die Ukraine wies dies zurück und erklärte, sie habe eine militärische Kommandoeinheit getroffen. Die Drohungen folgen auf einen der schwersten Angriffe auf Kyjiw seit Beginn des Krieges ‌vor mehr als vier Jahren. Diese waren eigentlich bereits als Vergeltungsaktion für Starobilsk gewertet worden. Am Sonntag hatte Russland die ukrainische Hauptstadt massiv beschossen und dabei auch eine atomwaffenfähige Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik eingesetzt (hier mehr dazu). Es war das dritte ‌Mal, dass diese Waffe zum ​Einsatz kam. Bei den Angriffen kamen in ‌der Hauptstadt zwei Menschen ums Leben, 91 wurden verletzt. Zahlreiche ‌europäische ​Politiker, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, verurteilten den Angriff auf Kyjiw (mehr hier). Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagte in seiner abendlichen Videoansprache ​geringe Fortschritte mit den USA beim ⁠Ausbau der Produktion von Raketenabwehrsystemen und erklärte, ​er ​erwarte neue diplomatische Schritte aus Washington. Zudem wurden bei schweren russischen Angriffen aus der Luft im Osten des Landes mindestens ein Mensch getötet und 15 weitere wurden verletzt. In der Hafenstadt Odessa sei ein Infrastrukturobjekt durch Beschuss zerstört worden, teilte Gouverneur Serhij Lyssak auf Telegram mit. Von den vier Verletzten sei einer seinen Wunden erlegen, schrieb er später. In der Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk wurden derweil durch den Abwurf gelenkter Gleitbomben am Abend zwölf Personen verletzt. "Unter den Verletzten ist ein achtjähriger Junge", schrieb der ukrainische Gouverneur der Region Wadym Filaschkin auf Telegram. Laut den örtlichen Behörden war es bereits der dritte schwere Angriff auf die Stadt im Tagesverlauf. Mehr Rechte, besserer Schutz: Kanzler Merz schlägt vor, die Ukraine zum "assoziierten Mitglied" der EU zu machen. Ein renommierter Politologe aus Kyjiw erklärt, warum er trotzdem nicht an eine schnelle Lösung glaubt. Mehr im Interview hier .