Ferrari Luce: So sieht das erste Elektroauto von Ferrari und iPhone-Designer Jony Ive aus

Datum25.05.2026 22:08

Quellewww.spiegel.de

TLDRFerrari enthüllt seinen ersten vollelektrischen Sportwagen, den Luce, mit einer von Jony Ive gestalteten, avantgardistischen Ästhetik. Mit einem Preis von rund einer halben Million Euro und beeindruckenden Fahrleistungen von 1047 PS setzt der Luce auf eine neue 800-Volt-Plattform und vier radnahe Motoren. Das innovative Design, das mit traditionellen Ferrari-Elementen bricht, verspricht eine Neudefinition von Elektrofahrzeugen, birgt aber auch Risiken hinsichtlich der Akzeptanz bei Puristen und Sammlern.

InhaltAls einer der letzten in der Luxusliga bringt Ferrari mit dem Luce sein erstes Elektroauto auf den Markt, macht dabei aber vieles anders als die Konkurrenz. Das gilt für die Technik, erst recht aber für das Design. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Sie haben es spannend gemacht in Maranello. Zwar redet Ferrari seit vier Jahren von kaum etwas anderem als von seinem ersten Elektroauto. Aber wirklich gesagt haben die Italiener bislang wenig. Außer dass er Luce (italienisch für: Licht) heißt und technisch – natürlich – die Spitze markieren soll, wie es eben Ferraris Anspruch ist. Präsident John Elkann jedenfalls will "einmal mehr die Grenzen des Machbaren neu definieren" und spricht deshalb nicht einfach nur von einem neuen Modell, sondern von einem "neuen Kapitel", das "die Tradition von Ferrari unterstreicht, die Zukunft vorauszusehen und zu gestalten." Das alles klang im Vorfeld so hochtrabend wie nichtssagend. Doch am späten Pfingstmontag hat Ferrari das Licht angemacht und in Rom mit reichlich Glanz und Gloria das Tuch vom Luce gezogen. Noch in diesem Jahr soll er zu Preisen von etwa einer halben Million Euro in den Handel kommen. Damit wird er diesseits von Exoten wie dem Rimac Nevera zum teuersten Elektroauto der Welt. Aktuelle Spitzenmodelle wie der neue Porsche Cayenne  oder der gerade enthüllte Mercedes-AMG GT  kosten weniger als die Hälfte. Selbst der bisherige Spitzenreiter Rolls-Royce Spectre wird dagegen – eher ungewöhnlich für die Briten – zum Schnäppchen. Dafür gibt es allerdings auch Spitzentechnik. Ferrari hat eine neue Plattform mit 800 Volt-Akkus entwickelt, die bei 122 kWh den Strom für bis zu 510 Norm-Kilometer liefern und danach mit bis zu 350 kW geladen werden können. Und wo Porsche und Rolls-Royce nur auf zwei und Mercedes auf drei Motoren setzen, baut Ferrari davon gleich vier ein, jeweils ganz nah an den Rädern, die vorn stattliche 23 Zoll (ca. 0,58 m) und hinten gigantische 24 Zoll (ca. 0,61 m) messen. Das sind die größten Räder, die in Maranello bislang montiert wurden. Zusammen kommen die vier Motoren auf 1047 PS und 990 Nm, die mit den stolzen 2,3 Tonnen des Luce buchstäblich leichtes Spiel haben und atemberaubende Fahrleistungen ermöglichen sollen: 0 auf 100 in 2,5 Sekunden, auf 200 Kilometer pro Stunde in 5,8 Sekunden und bis zu 310 Kilometer pro Stunde. Viel schneller sind die klassischen Sportwagen auch nicht. Fahrberichte, Analysen, aktuelle Nachrichten: So verpassen Sie keine Artikel aus der Rubrik Mobilität des SPIEGEL. Dass Elektroautos stark sind und schnell, ist aber nichts Besonderes in einer Zeit, in der selbst ein Smart unter Strom auf 646 PS kommt und den Standardsprint in 3,8 Sekunden  schafft. Das weiß auch Ferrari und will deshalb mehr bieten als alle anderen. Vor allem mit einem ganz neuen Design. Von Disruption ist dabei immer wieder die Rede. Die Italiener haben dafür keinen Geringeren als Sir Jony Ive ins Boot geholt. Der Mann, der für Apple das erste iPhone gezeichnet und von einem Tag auf den anderen alle bisherigen Telefone hat alt aussehen lassen, soll das beim Luce jetzt wiederholen. Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits vor Wochen, als Ferrari den Innenraum des Luce zeigte: Wo die Konkurrenz auf ausufernde Bildschirmlandschaften setzt und mit jedem Schalter geizt, hat Ive um ein betont schlankes Lenkrad herum ungewöhnlich viele klassische Taster für taktile Erlebnisse drapiert und in den Armaturen sogar wieder (teil)analoge Instrumente eingesetzt. Dazu gibt es statt eines Zündschlosses eine offene Mittelkonsole, in der fast zeremoniell der Schlüssel versenkt werden muss, bevor der Wagen an einem kleinen Schieber in den Fahrbetrieb wechselt. Wo andere Hersteller auf Kunststoff setzen, bevorzugt Ive vorwiegend Glas und Metall. Schon darüber wurde in Foren heftig diskutiert. Jetzt dürfte sich das noch zuspitzen. Denn auch das Exterieur ist zumindest gewöhnungsbedürftig. An die vier Türen haben sich die Ferraristi seit dem ersten SUV Purosangue vielleicht gewöhnt, selbst wenn sie diesmal gegenläufig angeschlagen sind und zur Mitte hin öffnen. Und dass der Luce erstmals fünf Sitze hat, wird sie auch nicht stören. Doch die Silhouette des Fünftürers mit seinem ungewöhnlichen Glashaus und der wie eine Zwiebelschale darumgelegten Karosserie birgt reichlich Potenzial für automobile Glaubenskriege und die Frage, ob das genug Ferrari ist – oder überhaupt. Die Haube ist ungewöhnlich kurz, die Frontscheibe taucht vorn förmlich ein und das Profil bewegt sich irgendwo zwischen Coupé, SUV und Spaceshuttle. Bei Ferrari dürfte man darauf setzen, dass aus dem Ive-Design ein neues Schönheitsideal für Stromer wird. Ebenso gut aber könnte der Luce als fahrendes Lutschbonbon oder schlimmstenfalls als Oberliga-Neuinterpretation der vielen E-Autos aus China wahrgenommen werden. Einig dürften sich alle nur in einem Punkt sein: So etwas hat es bei Ferrari noch nie gegeben. Ob der eiligen Elite mit dem ersten elektrischen Ferrari also wirklich ein Licht aufgeht? Bei aller Strahlkraft der Marke, bei der garantierten Aufmerksamkeit durch die ungewöhnliche Form und der Faszination für die Fahrleistungen gibt es daran zumindest Zweifel. Und die fußen nicht nur auf dem Design und auch nicht auf dem bei Elektroautos in der Regel deutlich höheren Wertverlust, der für Ferrari-Fahrer bislang meist ein Fremdwort wahr. Ferrari werden wie Luxusuhren oder Kunstwerke oft für Generationen gekauft und später als Sammlerstücke herumgezeigt, gibt Frank Wilke zu bedenken, der für "Classic Analytics" aus Bochum die Oldtimer-Szene beobachtet. Nur könne niemand mit Sicherheit sagen, ob so ein Elektroauto in Jahrzehnten so problemlos auf den Concours von Pebble Beach fährt, wie es heute Oldtimer aus den Gründertagen Ferraris tun. So divenhaft und wartungsintensiv, wie Sammler selbst die ersten Plug-in-Hybriden aus Maranello oder die von der Konkurrenz schildern, hegen Skeptiker daran ihre Zweifel.