Datum25.05.2026 16:36
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Ebola-Ausbruch in der DR Kongo verschlimmert sich rapide, mit über 900 Verdachtsfällen und 220 Toten. Die WHO spricht von einer "Aufholjagd" und warnt vor regionaler Ausbreitung. Besondere Besorgnis bereitet der seltene Bundibugyo-Typus, für den kein Impfstoff existiert. Unsichere Regionen und Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen erschweren die Eindämmung. Uganda meldet ebenfalls Fälle.
InhaltDas gefährliche Ebolavirus verbreitet sich laut WHO-Direktor Tedros rasend schnell, man befinde sich in einer "Aufholjagd". 220 Menschen seien bisher gestorben. Seit Beginn des Ebolaausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang rund 220 Menschen gestorben. Das teilte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus mit. Angesichts von Verzögerungen in der Erkennung des Virus sprach er von einer "Aufholjagd". Man fahre Maßnahmen "mit hoher Dringlichkeit" hoch, im Moment sei die Epidemie allerdings "schneller als wir", sagte Tedros. Es sei wahrscheinlich, dass die Epidemie sich zunächst weiter verschlimmern werde, bevor es Besserungen gebe. An den Kongo angrenzende Staaten seien stark gefährdet und müssten sofort handeln, warnte Tedros. Er kündigte an, am Dienstag selbst in die DR Kongo zu reisen. Laut der WHO gibt es in der DR Kongo, dem Epizentrum des Ausbruchs, mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle. Die Organisation stützt sich dabei auf Zahlen und Daten der Regierungen in den betroffenen Ländern. Im aktuellen Fall wurde das gefährliche Virus erstmals am 15. Mai in der DR Kongo festgestellt. Auch im Nachbarland Uganda sind zwei weitere Ebola-Fälle bestätigt worden. Damit steigt die Zahl der festgestellten Infektionen in dem ostafrikanischen Land auf insgesamt sieben. Wie das Gesundheitsministerium des Landes weiter mitteilte, hatten die beiden Infizierten als Mitarbeiter im Gesundheitswesen in einer privaten Einrichtung in der Hauptstadt Kampala gearbeitet. Beide würden nun medizinisch behandelt. Uganda hatte vergangene Woche den gesamten öffentlichen Verkehr in die DR Kongo eingestellt, nachdem zwei Ebola-Fälle bestätigt wurden. Beide waren Menschen aus dem Kongo. Drei weitere Fälle wurden am Samstag bestätigt, darunter ebenfalls eine Kongolesin. In den vergangenen Tagen wurden bereits mehrmals Behandlungszelte in Ebola-Zentren in Brand gesetzt, weil Angehörige die Herausgabe der Leichen mutmaßlicher Ebola-Patienten erreichen wollten. Auch verstorbene Ebola-Patienten gelten als hochansteckend und müssen unter besonderen Sicherheitsbedingungen beigesetzt werden. Laut Richard Lokodu, dem medizinischen Direktor eines Krankenhauses in der Stadt Mongbwalu, flohen am Samstag 18 mutmaßliche Ebolapatienten aus der Einrichtung. Der Vorfall habe sich ereignet, nachdem Unbekannte Zelte der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Brand gesteckt hätten. Am Sonntag seien bei Angriffen auf das Krankenhaus sieben weitere Patienten geflohen. Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwer einzudämmen, weil es für den seltenen Bundibugyo-Typ bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt. Die unsichere Lage in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu verkompliziere die Eindämmung des Virus weiter, sagte WHO-Direktor Tedros. Die vom Ausbruch betroffene Region im Osten der DR Kongo ist geprägt von bewaffneten Konflikten. Die WHO hatte wegen der Epidemie vor einer Woche eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen. Das ist die zweithöchste Alarmstufe der Organisation. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (Africa CDC) rief kurz darauf wegen des "hohen Risikos einer regionalen Ausbreitung" für den gesamten Kontinent den Notstand aus. Am Samstag sagte der Präsident der AfricaCDC, Jean Kaseya, dass der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda sich auf zehn weitere Länder Zentralafrikas auszuweiten drohe: den Südsudan, Ruanda, Kenia, Tansania, Äthiopien, den Kongo, Burundi, Angola, die Zentralafrikanische Republik und Sambia. Ebola ist eine schwere Infektionskrankheit, die durch Viren der Gattung Ebolavirus ausgelöst wird. Es gibt mehrere Spezies des Virus, darunter Zaire, Sudan und Bundibugyo. Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo wird vom selteneren Bundibugyo-Typus ausgelöst, mit dem bisher nur zwei Ausbrüche dokumentiert waren. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Stuhl oder Erbrochenem von infizierten Personen übertragen. Eine Übertragung durch die Luft, wie bei Sars-CoV-2 oder der Grippe, ist für Ebola-Ausbrüche nicht dokumentiert. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Symptome beträgt meist zwei Tage bis drei Wochen. Infizierte sind ab Symptombeginn ansteckend; das Virus kann sich jedoch auch nach dem Tod weiterverbreiten, etwa bei engem Kontakt mit Verstorbenen im Rahmen von Beerdigungsritualen. Zu Beginn ähneln die Beschwerden mit Fieber, Glieder- oder Muskelschmerzen und starker Müdigkeit oft anderen Virusinfektionen. Im weiteren Verlauf können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hinzukommen; schwere Verläufe können unter anderem mit Atemnot, Krampfanfällen und Organversagen einhergehen und zum Tod führen. Ebola ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO in etwa der Hälfte der Fälle tödlich. Die Sterblichkeit variiert jedoch je nach Virusspezies zwischen 25 und 90 Prozent. Ebola-Bundibugyo hat mit schätzungsweise 30 bis 50 Prozent eine etwas geringere Letalität als etwa Ebola-Zaire. Entscheidend für die Überlebenschancen des Einzelnen ist eine frühe unterstützende Behandlung, insbesondere Flüssigkeits- und Elektrolytgabe sowie die Behandlung von Komplikationen. Es gibt zugelassene Ebola-Impfstoffe, allerdings nur gegen das Zaire-Ebolavirus, jene Spezies, die sich bei den großen Ebola-Ausbrüchen 2014 und 2018 verbreitet hat. Gegen das aktuell zirkulierende Bundibugyo-Ebolavirus gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff; die Entwicklung entsprechender Impfstoffe befindet sich noch in einem frühen Stadium. Ob die bereits gegen Zaire-Ebolavirus zugelassenen Impfstoffe auch gegen Bundibugyo ausreichend schützen, ist derzeit nicht durch belastbare Daten belegt.