Datum25.05.2026 13:11
Quellewww.spiegel.de
TLDRPapst Leo XIV. warnt in seiner ersten Enzyklika "Magnifica Humanitas" vor den Gefahren künstlicher Intelligenz (KI). Er sieht Risiken in der Machtkonzentration bei wenigen, der Beeinflussung demokratischer Prozesse und dem Einsatz in Konflikten durch autonome Waffensysteme. Daher fordert er strenge Richtlinien, Kontrollen und Datenschutz sowie die Ausrichtung von KI auf menschliche Werte. Er betont, dass Entscheidungen über Leben und Tod nicht an Maschinen delegiert werden dürfen.
InhaltIn seiner ersten Enzyklika schreibt Papst Leo XIV. über die Gefahren von KI für die Menschheit. Er verurteilt den Einsatz in Konflikten und plädiert für mehr Kontrolle und Datenschutz. Papst Leo XIV. hat nach einem Jahr im Amt seine erste eigene Enzyklika veröffentlicht, eine mehr als 100 Seiten lange Abhandlung zum Thema künstliche Intelligenz (KI). Das päpstliche Lehrschreiben trägt den Titel "Magnifica Humanitas" (Großartige Menschheit). Darin warnt das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken vor zahlreichen Gefahren, die KI für das menschliche Zusammenleben bedeute. Deshalb fordert er strenge Richtlinien für den Umgang damit. Er sieht aber auch Chancen. Die erste Enzyklika in der Amtszeit eines neuen Papstes gilt vielfach als eine Art Regierungserklärung für dessen Pontifikat. Solche "Rundschreiben" – so die wörtliche Bedeutung – sollen Gläubigen rund um die Welt einen moralischen Kompass geben. Als Nachfolger des verstorbenen Papstes Franziskus ist Leo seit Mai vergangenen Jahres im Amt. Er ist der erste US-Amerikaner an der Spitze der katholischen Weltkirche und mit seinen 70 Jahren ein verhältnismäßig junger Papst. Das Schreiben trägt den Untertitel "Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz". Leo betont darin, dass KI in verschiedenen Bereichen eine "wertvolle Hilfe" sein könne. Vor allem warnt er jedoch vor deren Risiken – beispielsweise, dass in erster Linie nur wenige Menschen mit jetzt schon viel Besitz profitieren. "Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse konditionieren und die wirtschaftliche Dynamik beeinflussen." Deshalb sei es "unerlässlich, dass der Einsatz von KI – insbesondere, wenn es um öffentliche Güter und Grundrechte geht – von klaren Kriterien und wirksamen Kontrollen begleitet wird". Auch der Besitz der Nutzerdaten müsse reguliert werden. Mehrfach betont der Papst, dass KI auf menschliche Werte und Moral ausgerichtet sein müsse. Allerdings nütze auch das nichts, "wenn diese Moral von einigen wenigen bestimmt wird". Vielfach wird das als Kritik an Techmilliardären in den USA verstanden. Besonders kritisch äußerte sich der Pontifex über die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf Konflikte. Mit KI-gestützten autonomen Waffensystemen sei Krieg in der heutigen Zeit wieder "durchführbarer" gemacht worden. Die Entscheidung über Leben und Tod dürfe jedoch keinesfalls Maschinen überlassen werden. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Daher ist es nicht zulässig, tödliche oder jedenfalls irreversible Entscheidungen künstlichen Systemen anzuvertrauen."