Gericht erlaubt Brenner-Blockade: Alpen-Verbindung acht Stunden gesperrt

Datum25.05.2026 13:02

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Gericht hat eine achstündige Blockade der Brennerautobahn am 30. Mai erlaubt, um gegen die extreme Verkehrsbelastung zu protestieren. Von 11 bis 19 Uhr ist die Ein- und Ausfahrt nach Italien gesperrt, für Lkw bereits ab 9 Uhr. Die Bundes- und Nebenstraßen sind ebenfalls betroffen. Der Bürgermeister von Gries am Brenner initiiert den Protest wegen Lärm und Feinstaub. Die Behörden erwarten erhebliche Staus und empfehlen alternative Routen, insbesondere die Bahn.

InhaltViel Geduld müssen Kraftfahrer am kommenden Samstag auf dem Weg von und nach Italien mitbringen. Der Grund ist eine außergewöhnliche Gerichtsentscheidung. Wegen einer Demonstration wird der Brenner in Österreich am kommenden Samstag, 30. Mai, gesperrt. Von 11 bis 19 Uhr gibt es dort für Autos und Motorräder kein Durchkommen auf der Fahrt von und nach Italien. Für Lastwagen gilt die Sperre bereits ab 9 Uhr. Sie betrifft nicht nur die Autobahn, sondern auch die Bundesstraße und Nebenstrecken. (Aktuelle Informationen hier .) Damit ist die wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Alpen zeitweise unpassierbar. Initiiert hat den Protest der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger. Als Grund für die geplante Blockade nennt er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die Verkehrsflut am Brenner. Von den rund 15.000 Bewohnern des Wipptales lebten viele in unmittelbarer Nähe der Autobahn und Bundesstraße und litten unter Lärm, Feinstaub und diversen Beeinträchtigungen durch die häufigen Staus. Fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen nutzten laut Autobahnbetreiber Asfinag 2025 die mautpflichtige Autobahn. Der Lkw-Verkehr wuchs seit 2010 um rund 40 Prozent. Seit Inbetriebnahme der Brennerautobahn in den Sechzigerjahren hat sich das Verkehrsaufkommen fast versiebenfacht. Bislang waren Demonstrationen gegen den drohenden Verkehrskollaps auf dieser Strecke nicht erlaubt. Das Landesverwaltungsgericht Tirol entschied nun anders: "Eine Untersagung der Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen, führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum", heißt es in dem Richterspruch. Es sei Sinn der Versammlungs- und Meinungsfreiheit, aufzurütteln und zu provozieren, was auch für die Allgemeinheit unangenehm sein könne. Die Blockade fällt mitten in den Pfingstferien von Bayern und Baden-Württemberg sowie ans Ferienende von Sachsen-Anhalt. Die Polizei rechnet mit einer extrem schwierigen Situation auf den Straßen. In dem achtstündigen Zeitraum passieren normalerweise Zehntausende Fahrzeuge den Brenner. Bereits an den Landesgrenzen – also weit vor dem Brenner – sollen Fahrzeuge kontrolliert und deren Fahrerinnen und Fahrer informiert werden. Auch vor und nach der Sperre dürfte es zu erheblichen Staus kommen. In der betroffenen Region ist jeglicher Transitverkehr in dem Zeitraum verboten. Erlaubt sei lediglich Ziel- und Quellverkehr, so Bürgermeister Mühlsteiger. Das bedeute: Wer in einem Ort zum Beispiel im Stubaital ein Hotel gebucht habe und das nachweisen könne, dürfe die Sperre passieren. Radfahrer können die Landstraße zum Brenner benutzen. Als Alternative für die Fahrt nach Südtirol und zu anderen Zielen in Italien bieten sich an diesem Tag der Reschenpass, das Timmelsjoch in Österreich, der Gotthardtunnel und der San-Bernadino-Tunnel in der Schweiz an. Allerdings sind fast alle diese Routen deutlich mühsamer und zeitaufwendiger. Eine elegantere Lösung sei die Bahn, empfiehlt Mühlsteiger. Der Zug brauche von Innsbruck bis nach Franzensfeste auf der italienischen Seite 80 Minuten. Wenn der Brenner-Basistunnel 2032 in Betrieb gehe, betrage die Fahrtzeit für die Strecke nur noch 25 Minuten. Politisch bekommt der Bürgermeister der Gemeinde Gries auch Gegenwind für seine Aktion. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sieht darin einen "Knüppel zwischen die Beine der Logistikbranche". Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) macht sich Sorgen um die Beziehungen zu Deutschland und Italien, die "durch derartige Aktionen nicht belastet werden sollten." Aus Italien warnte Südtirols Ministerpräsident Arno Kompatscher, dass eine stundenlange Blockade in weiten Teilen der Bevölkerung Kopfschütteln auslösen und zum Eigentor werden könne. Seit Tausenden Jahren nutzen Reisende und Geschäftsleute den mit 1370 Metern niedrigsten Alpenübergang zwischen Österreich und Italien. Die 1963 eröffnete Europabrücke nahe der Mautstelle Schönberg war mit ihren 190 Metern über Grund zeitweise die höchste Brücke Europas. Gerade für Lastwagen ist der Pass attraktiv – sowohl wegen seiner geringen Steigung als auch der im Vergleich zu anderen Übergängen niedrigeren Maut.